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Von Sulzbach an den Bodensee: Rolf Strauß

Was macht eigentlich....? : „Es gab ein reges kulturelles Leben in Sulzbach“

Rolf Strauß war viele Jahre mit seiner Buchhandlung Teil des öffentlichen Lebens in Sulzbach. Heute arbeitet er dort, wo andere Urlaub machen: am Bodensee.

„Mit dem Buchhandel habe ich die Leidenschaft fürs Leben gefunden“, erzählt Rolf Strauß am Telefon und lacht. Bevor der langjährige Inhaber der Buchhandlung Strauß in Sulzbach zu dieser Leidenschaft gefunden hat, ging er aber ein paar Umwege.

„Nach der Schule in Dudweiler machte ich erstmal eine Ausbildung im Großhandel“, berichtet er. Nach der Bundeswehr merkte er aber, dass diese Arbeit ihn nicht ausfüllt. „Es war einfach nicht meins“, kommentiert er. Statt Abitur und Studium nachzuholen, jobbte er, schaute sich in verschiedenen Städten um.

Dann bekam er ein Angebot, das er nicht ausgeschlagen hat. „Der damalige Leiter der Saarbrücker Buchhandlung Lenchen Demut fragte mich, ob ich eine Ausbildung zum Buchhändler machen wollte. Das war im Jahr 1988“, erinnert er sich. Eigentlich sei es nie sein Plan gewesen, in den Buchhandel zu gehen, dann aber wurde es seine Lebensaufgabe. „Es macht mir bis heute viel Spaß, auch wenn man nicht das große Geld verdient. Ich habe es nie bereut, und auch nie mehr beim Arbeiten auf die Uhr geschaut“, sagt er lachend.

Seine Zeit bei Lenchen Demut war jedoch begrenzt, 1990 ging die Buchhandlung in den Konkurs. Danach folgten verschiedene Stationen als Buchhändler in Saarbrücken, in Lebach, Bexbach und St. Ingbert. Im Jahr 1999 wurde ihm von einer Freundin eine kleine Buchhandlung mit Schreibwarenladen in Sulzbach empfohlen. Dort hat er angefangen. Und da man ihm ziemlich freie Hand ließ, konnte Rolf Strauß viel bewegen, sich ausprobieren.

„Ich habe angefangen, Lesungen zu organisieren“, sagt er. Die erste war am „Welttag des Buches“. Mit Freunden, darunter Peter Tiefenbrunner, Autor, Schauspieler und Kabarettist aus Saarbrücken, und Konrad Kirsch, der damals einen literarischen Verlag leitete, hat Rolf Strauß einen Abend mit Gedichten des tschechischen Lyrikers Szbynek Havlicek samt Weinausschank veranstaltet. „Es war ein schöner Abend in einer lockeren Atmosphäre. Das war damals etwas Neues“, erzählt er. Der Saarländische Rundfunk hat diese Veranstaltung sogar aufgezeichnet.

Rolf Strauß gab diesen Abenden den Namen „Sulzbacher Salon“ und organisierte in zwei Jahren mehrere davon. Aber dann nahte der Konkurs. „Als die Buchhandlung schließen musste und nebenan ein Ladenlokal frei wurde, sah ich das als Zeichen. Und ich habe im Juni 2001 meine eigene Buchhandlung eröffnet“.

Bis 2014, dreizehn Jahre lang, führte Rolf Strauß nun seine eigene Buchhandlung in Sulzbach, etablierte sich als Gewerbetreibender und organisierte die verschiedensten Veranstaltungen, wurde Teil des kulturellen Lebens in Sulzbach. Darunter waren viele Lesungen in der Buchhandlung selbst.

Fast alle saarländischen Autoren haben bei ihm ihre neuen Bücher vorgestellt, darunter Ludwig Harig, Klaus Bernarding, Johannes Kühn, Manfred Römbell, Oskar Lafontaine und Reinhard Klimmt. Daneben organisierte er aber auch Kleinkunst-Abende mit dem Saarbrücker Kabarettpaar Brunner & Barscheck oder dem Homburger Frauenkabarett.

Vor Eröffnung der Aula als Sulzbacher Veranstaltungsort fanden diese Abende im Salzbrunnenhaus und im Evangelischen Gemeindehaus statt, von wo er auch die Stühle für seine eigenen Lesungen ausleihen konnte. „Es gab ein reges kulturelles Leben in Sulzbach“, erinnert sich der Buchhändler. Diese regelmäßigen Veranstaltungen haben seine Buchhandlung ausgemacht.

Dann aber, im Jahr 2009, wurde oberhalb der Innenstadt ein größeres Gewerbegebiet mit großflächigem Einzelhandel erschlossen. „Das hat der Innenstadt die Kunden und die Kaufkraft abgezogen“, erklärt Rolf Strauß. Er kämpfte weiter, aber im Jahr 2014 war klar, dass sich die Buchhandlung wirtschaftlich nicht mehr trägt. „Da habe ich im Oktober mein Geschäft leergeräumt und geschlossen. Aber ohne Konkurs“, sagt er.

Ihm, dem Buchhändler mit Leib und Seele, war klar, dass er diesem Beruf trotzdem treu bleiben wollte. Und so suchte er sich ein neues Betätigungsfeld, übernahm eine Buchhandlung in Konstanz. „Jetzt arbeite ich dort, wo andere Urlaub machen“, schwärmt er gleich.

 Rolf Strauß 2014 vor seiner Buchhandlung in Sulzbach, deren Schließung er da bereits beschlossen hatte. 
Rolf Strauß 2014 vor seiner Buchhandlung in Sulzbach, deren Schließung er da bereits beschlossen hatte.  Foto: Iris Maurer

Und auch dort hat er jetzt langsam begonnen, wieder Lesungen und Veranstaltungen zu organisieren. „Die Stühle bekomme ich jetzt von der katholischen Kirchengemeinde“, sagt er lachend. Und das Saarland? „Da bin ich regelmäßig zu Besuch. Denn meine Partnerin lebt in Saarbrücken. Und ich fahre oft nach Sulzbach, besuche Freunde, fühle mich verbunden. Man hinterlässt halt Spuren.“