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Neujahrsempfang
Harry Potter und die FDP-Stadtratsfraktion

Saarbrücken. Liberale spielen für Kritik oft auf die Bestseller an. Innenminister Bouillon wird zum Voldeklaus. Von Nina Drokur

Keine langweilige Rede hatte am Donnerstagabend die FDP-Stadtratsfraktion beim Neujahrsempfang im Kunstwerk in Saarbrücken versprochen. Wie bereits in vergangenen Jahren verpackten Fraktionsvorsitzender Karsten Krämer und sein Stellvertreter Tobias Raab ihren Jahresrückblick in einer Geschichte – nach Star Wars und den Simpsons in diesem Jahr im Harry-Potter-Universum angesiedelt. Als „Harry Krotter“ und „Ron Raabley“ in der „Kämmerei des Schreckens“ zogen sie viele Akteure der Kommunalpolitik durch den Kakao. Dabei nahmen sie insbesondere Bezug auf die andauernde Baustelle in der „Bahnhofswinkelgasse“ und die angespannte Haushaltslage der Landeshauptstadt „Saarwarts“. Von unkontrollierter Haushaltsführung und „Zahlen-Vodoo“ sprachen die FDP-Politiker.


Ebenso Thema war der Streit um den Umbau des Ludwigsparkstadions. Angelehnt an die bekannteste Sportart der Romanreihe, Quidditch, erklärte die FDP-Stadtratsfraktion die Situation wie folgt: „Zuerst wurde das alte Stadion abgerissen, um dann festzustellen, dass der neue ‚Quidditch-Park’ mit den bisherigen Mitteln nie und nimmer gebaut werden kann. Die neuen Schulden, die nun aufgenommen werden müssen, machen das Schuldenmonster nur noch stärker.“ In dem Zusammenhang machte die FDP auch den städtischen Sicherheitsdezernenten Harald Schindel (Linke) und die Attacken von CDU-Fraktionschef Peter Strobel zum Thema. Nach dem Dauerärger bei der Berufsfeuerwehr und der Ludwigspark-Misere hatte die CDU-Fraktion im vergangenen Jahr beantragt, den Linken-Politiker von seinen Aufgaben zu entbinden: „Der Dezernent für Verteidigung gegen die dunklen Künste, Sport Gesundheit und Sicherheit, Sirius Schindel, ist wegen unzähliger Verfehlungen ins Visier des Zaubereiministeriums und dessen besten Ermittler Peter Strobly geraten.“ Am schlechtesten weg kam Innenminister Klaus Bouillon (CDU). Den machten Karsten Krämer und Tobias Raab kurzerhand zum bösesten Zauberer in der Welt von Autorin J.K. Rowling: Voldemort. „Voldeklaus“ warfen sie vor, „Saarwarts“ von innen zu zerstören.

Ihre ironische Geschichte hatte jedoch auch eine ernste Botschaft „... so wissen doch alle, dass die Schulden endlich abgebaut werden müssen, wenn sie ,Saarwarts’ nicht doch irgendwann noch zerstören sollten. Und hierfür gibt es keinen Zauber, es braucht vielmehr mutige Entscheidungen und einen klaren Kurs.“