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Jugendbande gefasst
Polizei schnappt Jugendbande im Köllertal

Ihrer Zerstörungswut ließen die jugendlichen Täter freien Lauf an der Saarbahn-Haltestelle Riegelsberghalle.
Ihrer Zerstörungswut ließen die jugendlichen Täter freien Lauf an der Saarbahn-Haltestelle Riegelsberghalle. FOTO: Polizei
Riegelsberg. 14-Jährige gestehen mehr als 30 Taten, darunter die Brandstiftung an der Riegelsberger Lindenschule mit 100 000 Euro Schaden. Von Michael Emmerich

„Riegelsberg kann aufatmen!“ Mit diesen Worten kommentierte Bürgermeister Klaus Häusle (SPD) am Montag einen Fahndungserfolg der Polizei im Köllertal. Soeben hatten Patrik Siegwart, stellvertretender Leiter der Polizei-Inspektion Köllertal, und Norbert Castor vom Kriminaldienst Lebach berichtet, dass sie eine Jugendbande haben auffliegen lassen, der sie Dutzende von Straftaten in den vergangenen Wochen im Raum Riegelsberg zuordnen. Als Kern der Gang haben die Beamten drei 14-jährige Jungen mit deutscher Staatsangehörigkeit ausgemacht, die schon zuvor auf Hilfe vom Jugendamt angewiesen waren. Das Trio habe mehr als 30 Straftaten (Sachbeschädigung, Einbruch, Diebstahl) gestanden, gab die Polizei bekannt. Die Jugendbande aus dem Köllertal komme aber noch für weitaus mehr Taten in Frage.



In der Nacht zum 23. Dezember zündeten die Täter zwei Mülltonnen vor dem Eingang der Lindenschule an. Schaden: rund 100 000 Euro.
In der Nacht zum 23. Dezember zündeten die Täter zwei Mülltonnen vor dem Eingang der Lindenschule an. Schaden: rund 100 000 Euro. FOTO: Schule

Zwei der drei Jugendlichen hätten zugegeben, mit dem Brand an der Riegelsberger Lindenschule zu tun zu haben. Dort waren in der Nacht zum 23. Dezember zwei Mülltonnen angezündet worden, die vor dem Eingang der Schule standen. Durch den Brand wurde die Glasfront des Schulgebäudes beschädigt, Ruß verunreinigte einige Räume, die saniert werden mussten. Bürgermeister Häusle bezifferte den Schaden auf etwa 100 000 Euro (die Saarbrücker Zeitung berichtete).

Kriminalhauptkommissar
Patrik Siegwart 
Kriminalhauptkommissar Patrik Siegwart  FOTO: Andreas Engel

Auf das Konto der Bande geht auch der Einbruch in einen Riegelsberger Schreibwaren- und Tabakladen am 15. Januar, bei dem die Täter unter anderem Zigaretten klauten und später in Saarbrücken zum Kauf anboten, wie die Polizei meldet. Verantwortlich war die Gruppe auch für die Beschädigung des Vorraums einer Bankfiliale am Walter-Wagner-Platz in der Silvesternacht, für Zerstörungen an Saarbahn-Haltestellen und an der Paketstation am Walter-Wagner-Platz. Ebenso für eine Vielzahl von Diebstählen aus Autos (oft Geldbeutel), um ein paar Beispiele zu nennen.

An der Paketstation auf dem Riegelsberger Walter-Wagner-Platz zerstörten die jungen Täter das Display.
An der Paketstation auf dem Riegelsberger Walter-Wagner-Platz zerstörten die jungen Täter das Display. FOTO: Polizei

Wie kam die Polizei den Tätern auf die Spur? Wie Kriminalhauptkommissar Patrik Siegwart (57) berichtet, gab es den ersten konkreten Hinweis kurz vor Weihnachten, als die Polizei nach einem Pkw-Aufbruch in Riegelsberg drei junge Leute kontrollierte, die einen Notfallhammer aus der Saarbahn mit sich trugen. Nach dem erwähnten Einbruch in den Schreibwaren- und Tabakladen hätten die Ermittlungen zu den drei Jugendlichen geführt, bei denen auch Diebesgut gefunden wurde, fügt Castor hinzu.

Ihre Taten verübte die Bande in wechselnder Besetzung, mal zu zweit, oft zu dritt und manchmal auch mit fünf oder sechs Beteiligten. Als harter Kern hätten sich die drei Jugendlichen herauskristallisiert, die an Jugendhilfeeinrichtungen überstellt wurden. Zwei seien weiter im Saarland untergebracht, einer jetzt in Rheinland-Pfalz. Bei Letztgenanntem handele es sich um den Anführer der Gruppe. Weil die Bande nun getrennt und ihres „Kopfes“ beraubt sei, geht Castor davon aus, „dass in Riegelsberg deutlich weniger Straftaten verübt werden“. Und der 54-jährige Kriminaloberkommissar hofft auch, dass sich nun weitere Geschädigte bei der Polizei oder beim „Weißen Ring“ melden und Taten anzeigen, für die das Trio ebenfalls verantwortlich ist.

Ein Antrag auf Haftbefehl sei aus mehreren Gründen nicht erfolgt: weil die 14-jährigen Täter unter das Jugendstrafrecht fallen, weil sie erstmalig in Erscheinung traten und weil die Straftaten trotz des teilweise enormen Schadens wie bei der Brandstiftung an der Lindenschule nicht schwerwiegend genug waren. Zudem hätten die Täter Reue gezeigt. Und so sprachen sich die beiden Kripobeamten, ebenso wie der Riegelsberger Bürgermeister, dafür aus, auf „Erziehung statt Gefängnis“ zu setzen und den jungen Leuten eine zweite Chance einzuräumen.