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Konzert
Locker-flockige Rock-Geschichte(n)

Martin Gerschwitz gastierte in Jochems Kneipe, wo man das Konzert dank des guten Wetters kurzerhand zum „Terrassenkonzert“ gemacht hatte.
Martin Gerschwitz gastierte in Jochems Kneipe, wo man das Konzert dank des guten Wetters kurzerhand zum „Terrassenkonzert“ gemacht hatte. FOTO: Andreas Engel
Riegelsberg. Jochems Kneipe zieht um, Martin Gerschwitz sorgte für ein bemerkenswertes letztes Konzert an alter Wirkungsstätte.

Nach dreieinhalb Jahren und etwa 120 Konzerten mit Künstlern der lokalen Szene, aber auch mit internationalen Größen in der Bergstraße in Riegelsberg zieht Jochem Franken mit „Jochems Kneipe“, dem weit über die Grenzen von Riegelsberg bekannten Musikertreff, schon bald um. Das neue Zuhause wird auf dem Stumpen sein, im Juli geht’s los, sagte Franken. Das Haus, in dem seit Februar 2014 so viele Konzerte über die Bühne gingen, „wurde verkauft“, so Franken gegenüber unserer Zeitung. Die Konditionen des neuen Besitzers seien „für mich nicht realisierbar“, so Franken weiter. Das neue Domizil auf dem Stumpen ist alten Riegelsbergern gut bekannt. Viele erinnern sich noch an das Traditionslokal „Zum weißen Rössl“.


Zum letzten Konzert in der Bergstraße gastierte Martin Gerschwitz. Der inzwischen 65 Jahre alte Keyboarder, Geiger und Sänger kennt die Musikwelt der 1970er und 1980er Jahre bestens. Stand der Multi-Instrumentalist doch mit Größen wie Iron Butterfly, Meat Loaf, Walter Trought und Eric Burdon auf den Bühnen der Welt. Im Programm hatte der in Solingen geborene und seit 40 Jahren in Kalifornien lebende Gerschwitz seine neue CD „Bridge to Eternity“, aber auch Titel der Beatles und von Eric Burdon. „Ich will doch nur spielen“, lautet der Titel seines Buches, das der in Jochems Kneipe als Alleinunterhalter im besten Sinne des Wortes konzertierende Gerschwitz im Wechsel mit seinen musikalischen Einlagen präsentierte. „Ich erkläre jeden meiner Songs“, so Gerschwitz. Das sei seine Aufgabe, sein Ziel, ja „meine Mission“.

Und diese Erklärungen halfen dem Publikum, in die Welt des Musikers Gerschwitz einzutauchen. Plötzlich wurde klar, wie die sphärischen Klänge seiner Musik auf dem Keyboard, die deutlich an Kirchenmusik erinnerten, entstanden sind, was sie bedeuten. Die Leute erkannten plötzlich die Geschichten, die im Hintergrund liefen.



Gerschwitz ist in einer vielköpfigen Familie aufgewachsen, in der das Musizieren eine Selbstverständlichkeit war. Sein Vater war Kirchenmusiker und seine Mutter ein bekannte Chorleiterin. Die Ausflüge in sein literarisches Werk waren ebenso kurzweilig wie seine Songs. So beschrieb Gerschwitz, dass er im Auftrag des amerikanischen Zahnärzteverbandes ein Lied schreiben sollte, das für ein Video über Zahnwurzelbehandlung gedacht war. Natürlich gab er den Song zum Besten, an eine Zahnwurzelbehandlung erinnerte er jedoch weniger, mehr an erdigen, ungekünstelten Rock, wie zum Beispiel von Eric Burdon.

Taxifahrer war der Musiker auch – es scheint, kaum ein Künstler war in seinem Leben nicht irgendwann mal Taxifahrer gewesen. Man hätte Martin Gerschwitz gerne stundenlang zugehört, seinem melancholischen Hüpfen zwischen Wort und Note. Spätestens als Gerschwitz die amerikanische Nationalhymne in Moll spielte – „inMoll hört sie sich so russisch an“ – hatte er all jene auf seiner Seite, die sich an Jimi Hendrix’ Version der Hymne in Woodstock erinnern.