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Erinnerung an Bergmannskultur wachhalten

Erinnerung an Bergmannskultur wachhalten

Knubbe, Knappen, Panneschippen! Mit der untergegangenen Welt des saarländischen Kohlebergbaus beschäftigt sich das Buch „Die Erben der Hartfüßler“. Sein Autor Karl Josef Boussard stellte es in einer Lesung am Donnerstag in der Püttlinger Buchhandlung Balzert vor.

"Grubenluft war meine Arznei." "Einmal Bergmann, immer Bergmann." "Ab in die Hölle!" Das diktierten saarländische Bergleute dem in Merchweiler lebenden Autor Karl Josef Boussard in den Block. Boussard hat ein Buch daraus gemacht. "Die Erben der Hartfüßler" heißt es. Hartfüßler sind Männer, die in den Frühzeiten des Kohleabbaus aus dem Hinterland des Saarkohlebeckens, also etwa aus dem St. Wendeler Land oder aus dem Hunsrück, zu Fuß mit ihren genagelten Schuhen und über weite Strecken zu den Schächten Elversberg, Reden, Neuweiler, Herrensohr (Kaltnaggisch genannt) oder auch ins Köllertal eilten. Bis später die Eisenbahnlinien gebaut beziehungsweise Buszubringer eingesetzt wurden, waren diese Märsche eine große körperliche Belastung zum ohnehin schweren Zwölfstunden-Alltag unter Tage. Und zusätzlich gab es noch Anstrengungen genug in der heimischen Landwirtschaft, hier fällt der Begriff Bergmannsbauer. Autor Boussard beschäftigt sich in seinem "Erinnerungsbuch" überwiegend mit den menschlichen Aspekten des Bergmann-Berufes.

Was hat die Mama dem Hauer aufs Schichtenbrot geschmiert, Fenner Harz oder doch Wurst? Was gab's in der "Franzosenzeit" an Deputaten? Wie gefährlich war die Arbeit unter Tage? 170 Zeitzeugen hat Boussard, selbst ein langjähriger Saarberg-Ausbilder, befragt: ehemalige Hauer-Lehrlinge, Kohlenklauber, Steiger, Fahrsteiger und so fort. Tragische Bergunfälle mit ihren traumatischen Folgen für die Betroffenen werden beschrieben, bis hin zur großen Schlagwetterexplosion 1962 in Luisenthal. Aber auch lustige Begebenheiten, etwa zur jährlichen Kirmes, der Kampf der Bergleute um Mitbestimmung oder die Folgen des sozialverträglichen Arbeitsplatzabbaues.

Boussard schildert den Stolz der Untertagearbeiter, ihren allgegenwärtigen Respekt vor dem "Hangenden" in der "Dunklen Welt", den Einfallsreichtum, Probleme zu lösen und den Fleiß der Protagonisten. "Wir fuhren täglich in die Hölle ein", sagen zwei Untertage-Monteure und beschreiben den Alltag der so genannten "Heißen Gruben" Reden, Camphausen, Maybach: "Nicht einmal isotonische Getränke hielten den Bedingungen in der Hölle stand." Heraus gekommen ist ein Buch, das sich, im Gegensatz zu wissenschaftlich-geschichtlichen Abhandlungen zum saarländischen Kohlebergbau, den Empfindungen widmet, mit denen über ein Jahrhundert lang die Menschen in den Revieren und ihren Einzugsgebieten im Hinterland gelebt haben. "Die Erinnerung an die Bergmannskultur aufrecht zu erhalten, war mein Anliegen, als ich dieses Buch geschrieben habe", sagt der Autor. "Die Erben der Hartfüßler" ist im Verlag Burr erschienen und kostet im Buchhandel 19,80 Euro.