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Sauberkeit
Der „Was sollen wir tun, die anderen waren es“-Plan

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Diese Woche wurde bekannt, dass 50 Führungskräfte der Stadtverwaltung für etwa 18 000 Euro in einem Weiskircher Hotel getagt haben. Das und anderes Geld könnte sinnvoller investiert werden – in die Stadtreinigung zum Beispiel. Von Martin Rolshausen

Diese Woche hat uns der städtische Reinigungbetrieb ZKE einen geheimen Plan verraten. Er geht um eine Aktion, die so wichtig scheint, dass man sich im Rathaus Sorgen macht, sie könnte vorzeitig bekannt werden. Wenn bekannt wird, was man vorhat, dann sei der Erfolg der Maßnahme gefährdet, heißt es. Am Montag könne man über alles reden.


Am Montag wollen ZKE und Stadtverwaltung uns einen Müllberg präsentieren. Sie wollen uns zeigen, was für Schmutzfinken manche Menschen sind. Und sie werden uns zeigen, wie schlimm es aussieht, wenn der ZKE diesen Schmutzfinken nicht hinterherräumt. Deshalb wird der ZKE in einem bestimmten Gebiet am Wochenende nur das Nötigste machen: nämlich die Mülleimer leeren. Was die Leute jenseits der offiziellen Behälter wegwerfen, soll liegenbleiben – bis Montag.

Weil ich nicht glaube, dass diese Information ohne den Hinweis auf den genauen Ort des Geschehens den Erfolg der geheimen Kommandosache gefährdet, halte ich den Verrat von Stadt-Geheimnissen in diesem Fall für gerechtfertigt. Vor allem, weil die Aktion ein erhellendes Licht auf die Arbeitsweise der Stadtverwaltung wirft. Und weil ich glaube, dass diese Aktion ein Schuss ins Knie ist.



Zum einen zeigt die Erfahrung, dass es nicht hilfreich ist, Müllberge zu zeigen. Es ist auch nicht hilfreich, wenn Menschen, die sich in der Stadt engagieren und sich zu Recht Sorgen machen, zu oft öffentlich über einen Mangel an Sicherheit und Sauberkeit klagen. Der Schuss geht nach hinten los. Durch Wiederholung verfestigt sich ein Image, das vermittelt: Saarbrücken sollte man meiden, denn da ist es unsicher und dreckig. Nein, man sollte Probleme nicht unter den Teppich kehren. Aber meistens ist es hilfreicher, wenn man sie ohne viel Tamtam zu bewältigen versucht.

Den Dreck macht ja nicht die Stadtverwaltung, den Dreck machen rücksichtslose Menschen. Das sagt die Oberbürgermeisterin immer mal wieder. Und das wird am Montag anschaulich dargestellt, ohne Frage. Aber die Stadtverwaltung parkt ja auch nicht allerorten falsch. Dennoch verteilt das Ordnungsamt in großer Zahl Knöllchen. Die Polizei kann sich auch nicht hinstellen und sagen: „Schaut mal, wie viele böse Sachen passiert sind. Aber wir begehen ja die Straftaten nicht, beschwert euch bei den Kriminellen!“

Wieso denkt also die Stadtverwaltung, dass sie es den Müllsündern mal so richtig zeigt und uns Bürgern Verständnis durch Ärger über diese Idioten entlockt, wenn sie uns das Problem präsentiert? Einen guten Job zu machen, besteht doch nicht darin, Müll zu Demonstrationszwecken liegen zu lassen. Die Erfahrung zeigt nämlich auch: Wenn es dreckig ist und eh Kippen und anderer Müll rumliegen, dann ist die Hemmschwelle, weiteren Dreck hinzuzufügen, geringer, als wenn es sauber ist.

Ein guter Plan wäre es also, mehr Personal als bisher rauszuschicken – zum Saubermachen und um den Schmutzfinken Bußgeldbescheide in die Hand zu drücken. Müllberge zu präsentieren wird kaum jemanden beeindrucken und dient nur dazu, dass mal wieder gesagt werden kann: „Wir von der Stadt können ja nichts dafür, dass es so dreckig ist, den Schmutz machen ja andere.“