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Kolumne So kann’s gehen
Westfalen-Fahrt mit Hindernissen

FOTO: SZ / Roby Lorenz
Die alte Heimat hat was gutes – zumal wenn sie zeigt, wie schön die Gegenwart „dehemm“ ist. Von Frank Kohler

Der Plan: freitags hin, samstags zurück. Ist doch ein Kinderspiel, so eine Fahrt vom Saarland nach Westfalen. Bankgeschäft erledigen, ein Gang durch die City, eine Übernachtung und ab nach Hause. Was soll daran nerven? Die vielen Baustellen zum Beispiel. Sie verengen auf den 380 Kilometern Mal um Mal das Asphaltband. Blech bis zum Horizont. Steht. Rollt wieder. Nach bald sechs Stunden sind wir da. 35 Stunden in der Stadt, die mal Heimat für mich war, Hagen in Westfalen. Ausnahmsweise ohne Regen. Heiterer wirken die Passanten deswegen nicht. Ich grüße ein Ehepaar freundlich, wie ich es selbstverständlich in Auersmacher täte. Die beiden schauen mich irritiert an und gehen wortlos weiter. Typisch, muss mir aber nach fünfjähriger Hagen-Abstinenz entfallen sein. Ab in die Innenstadt, vollgestellt, als habe sich jemand aus einem Riesenbaukasten bedient und rasch die Lust verloren. Zwei Einkaufsgalerien buhlen nebeneinander um Kunden. Macht die große Auswahl mürrisch? Jetzt bloß schnell wieder in den Vorort. Und ins Hotel. Das bietet wenigstens einen Lichtblick, einen Grund wiederzukommen, von dort ins Sauerland zu fahren, Erinnerungen nachzuspüren und sich auf den Heimatort im Saarland zu freuen. Das ist der Ort, wo ein netter Gruß selbst Fremde zum Stehenbleiben ermuntert.