Joachim Fischer aus Dudweiler malt Porträts auf Bestellung

Malen als Medizin : Porträts von Falco, Picasso und Lagerfeld

Joachim Fischer aus Dudweiler malt, seit er mit einer Therapie über einen schweren Verlust hinwegkommen wollte.

Die Möbel sind hell, die Wände weiß in der Wohnung von Joachim Fischer (69). Da fallen sie dann auch direkt ins Auge, die teils sehr farbenfrohen Bilder, die der Rentner in den letzten Jahren gemalt hat und die nun auch seine eigene Wohnung schmücken.

Picasso hängt hier neben Falco und Karl Lagerfeld, Letzterer ist typischerweise schwarzweiß. „Aktuell male ich hauptsächlich Menschen. Ich nehme Bilder als Vorlage und bringe sie auf Leinwand. Hochzeitspaare und auch Einzelpersonen bestellen bei mir individuelle Gemälde.“

Fischer hat ein Album angelegt, kann die Geschichten dazu erzählen. Zum Beispiel die eines syrischen Flüchtlings, der vor 30 Jahren ohne Vorkenntnisse ins Saarland kam und inzwischen privat wie beruflich bestens integriert sei. Fischers Gemälde zeigt den Syrer mit seiner Frau, eine Auftragsarbeit zur Hochzeit.

Eine Auftragsarbeit zum Hochzeitsjubiläum fertigte er für einen Saarbrücker Einzelhändler an, auch hier verewigte er zwei verliebte Menschen in Acryl. Das Bild habe die Auftraggeber zu Tränen gerührt. Wenn man es sieht, kann man das glauben, denn die Arbeit ist handwerklich sehr gelungen und das Paar trotz aller Abstraktion erkennbar gut getroffen.

„Ich übe lange an den Schattierungen, damit es gut rüberkommt“, erzählt der Künstler, der sich am 29. September zwischen 11 und 18 Uhr am Tag der Bildenden Kunst beteiligt und in seine Wohnung in der Dürerstraße nach Dudweiler einlädt, wo auch sein Atelier ist. „Ich würde mich freuen, wenn Besuch käme. Meist gehen die Interessierten zu den ohnehin bekannten Künstlern“, sagt Fischer und sehnt sich nach dem Austausch mit seinen Betrachtern.

In Saarbrücken wird es im nächsten Jahr eine Ausstellung geben, leider können der Ort und der Termin noch nicht genannt werden. Fischer betont im Laufe des Gesprächs mehrfach, dass er ein Autodidakt sei, nie eine Kunstausbildung genossen habe. Der gelernte Dekorateur sagt, er sei nach dem tragischen Tod seiner Frau in der anschließenden Therapie zum Malen gekommen. „Man hat mich ermuntert, das zu versuchen. Ich bin heute dankbar dafür, denn an der Staffelei vergesse ich meine Sorgen. Das ersetzt Medikamente. Es wirkt.“

Und dass sich das Ergebnis auch noch sehen lassen kann, das bezeugen seine Kunden, die ihn um Bilder für Praxisräume, für Büros oder die heimischen vier Wände bitten. Früher zweigte er bei seinen Bildern stets 30 Prozent vom Erlös für die Krebsliga ab, heute könne er sich das nicht mehr leisten. „Ich nutze die teuersten Farben. Das Material kann ich von den Erlösen gerade so bezahlen. Aber ich werde weitermachen. Malen ist meine Medizin.“

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