Keiler Fridolin hat es geschafft

Wildschweine, Zwergziegen, Kamerunschafe, Damwild und Sikahirsche betreut der Verein für Naherholung (VFN) in seinem Karlsbrunner Wildgehege. Der Verein will jetzt sich und seinen Park bekannter machen.

Eberhard ist ein armes Schwein. Der etwa sieben Monate alte Keiler ist ein Fundtier, seit wenigen Wochen im Wildpark Karlsbrunn untergebracht und dort nicht Teil einer Rotte. Die Chance, dass die Wildschwein-Herde ihn als einen Teil der Ihren akzeptiert, ist auch eher gering, erklärt Patric Louis, der Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Naherholung Karlsbrunn (VFN).

Der VFN kümmert sich ehrenamtlich um den Erhalt und die Pflege des Tierparks. Der Tierschutz habe das kleine, recht zutrauliche Wildschwein gefunden und wieder aufgepäppelt, berichtet Louis. Nun sitzt Eberhard in seinem eigenen kleinen Gehege gegenüber der Rotte und läuft auch schon mal die Wege, die außerhalb jemand an ihm vorbeigeht, im Inneren mit, so anhänglich ist er.

Patric Louis gibt die Hoffnung jedoch nicht komplett auf, dass der kleine Keiler Anschluss findet. Er erinnert an Fridolin, einen ähnlichen Fall. Auch er sei schwach und alleine gewesen, dann habe er Anschluss bei einem ebenfalls allein lebenden Wildschwein gefunden und quasi eine eigene Rotte gebildet. "Heute ist er einer unserer stärksten Keiler", sagt Louis stolz.

Auf knapp sechs Hektar Waldfläche sind in zwei Gehegen derzeit 18 erwachsene Wildschweine und ihre Frischlinge untergebracht. Hinzu kommen auf weiteren 21 Hektar afrikanische Zwergziegen, Kamerunschafe, Damwild und Sikahirsche. Letztere sind vor wenigen Wochen ausgebüxt. Die neun weiblichen Tiere sind wieder ins Gehege zurückgekehrt, vom Hirsch fehlt weiterhin jeder Spur. Letzte Sichtung war Richtung Großrosseler Kläranlage, die Hoffnung, dass er nochmal auftauche, sei eher gering.

Da das Verhältnis zwischen den Geschlechtern stimmen müsse und derzeit ansonsten nur noch ein starker Hirsch im Wildpark sei, bedeute dies: "Wir müssen einen neuen Hirsch kaufen."

Mit Kosten bis zu 600 Euro rechnet der Vorsitzende für das neue Tier.

Für einen Verein ist das natürlich schwer zu stemmen, auch wenn man mit mehr als 100 Mitgliedern derzeit eigentlich ganz gut dastehe. Neben den Mitgliedsbeiträgen kommen noch Spenden hinzu, die beispielsweise Besucher bei Veranstaltungen vor Ort locker machen. Auch der Kiosk-Betreiber lässt regelmäßig eine "Sammelbüchse" rundgehen. Doch die Einnahmen vom Kiosk an sich kommen nicht dem Wildfreigehege zugute. Der Kiosk ist zwar vereinseigen, aber an einen Gastronomen verpachtet.

Seit vier Jahren ist Patric Louis schon der Vorsitzende. Wenn 2018 die Neuwahl ansteht, möchte er nach aktuellem Stand auch wieder antreten - und das, obwohl er doch schon recht viel Zeit in sein Ehrenamt investiert. Neben der regelmäßigen Kontrolle von Tieren und Gehegen kümmert er sich auch um Organisatorisches. Da man zur Park-Kontrolle auch Ein-Euro-Jobber beschäftigt, tritt der Verein sozusagen als Arbeitgeber auf. Das heißt, dass er auch zusätzliche Seminare besuchen muss, beispielsweise zum Thema Arbeitsrecht. Gott sei Dank habe er eine verständnisvolle Partnerin, sagt Louis. Die hat er vor kurzem auch vor den Traualtar geführt - im Jagdschloss Karlsbrunn natürlich.

Ansonsten arbeitet man als Verein daran, sich noch bekannter zu machen und sich optimaler zu präsentieren, beispielsweise noch den nahen Premium-Wanderweg mit dem Wildpark zu verbinden. Ein neues Ziegengehege soll mittelfristig entstehen, ein Stall für Schafe und Ziegen bereits kurzfristig. Die Internetseite wird überarbeitet und die Kindergeburtstage sind bereits ganz gut angelaufen. Dabei könne man die jungen Besucher prima über die heimischen Tiere aufklären.

Auch biete der Wildpark die Gelegenheit, am Wildschweingehege vorbei Richtung Frankreich zu gehen und dabei einen wunderschönen Ausblick über das umliegende Tal zu genießen. Auch das wolle man bekannter machen. "Es steht also immer etwas auf der Agenda", sagt Patric Louis lächelnd.