Die gute Seele des Nikolauspostamts in Großrosseln

Großrosseln : Die gute Seele des Nikolauspostamts

Sabine Gerecke, Leiterin der Kinderbriefaktion in St. Nikolaus, hat in den nächsten Tagen und Wochen viel zu tun.

Jetzt schreiben wieder viele Kinder in der ganzen Welt Briefe und Wunschzettel an den Nikolaus im Warndt. Ihre Post landet allerdings nicht auf dem Schreibtisch des heiligen Mannes, sondern in einem Haus in der Schulstraße im Großrosseler Ortsteil St. Nikolaus. Dort wohnt Sabine Gerecke (44) mit ihrer Familie. „Zurzeit kommen etwa 60 bis 70 Briefe am Tag“, berichtet die Leiterin der Kinderbriefaktion des Festausschusses St. Nikolaus.

In den kommenden Tagen steigert sich die Zahl, rund um den Nikolaustag treffen dann etwa 700 Schreiben täglich ein. „Da hat man schon mal sechs bis sieben Stunden zu tun“, erklärt Gerecke. Wolfgang Pfortner und Bianca Wagner gehören ebenfalls zum Leser-Team, insgesamt kümmern sich fast 40 ehrenamtliche Helfer um die Kinderpost. Im Vorjahr versendeten sie über 24 000 Antwortbriefe in 42 Länder. Die Kinder schicken dem Nikolaus ein selbst gemaltes Bild, berichten von Schulproblemen und Urlaubsabenteuern, bedanken sich für Geschenke oder grüßen die Oma im Himmel. „Mama und ich gehen morgen meine neue Meerjungfrauenflosse Probe schwimmen“, schreibt Amelie. Frida hofft, dass der heilige Mann bei seinem nächsten Besuch wieder leckere Süßigkeiten mitbringt. Viele Kinder wünschen sich Schnee, sagt Gerecke. Sie wollen endlich mal wieder richtig Schlitten fahren.

Manche schreiben schon im Sommer, damit dem Nikolaus genügend Zeit bleibt, alle Geschenke zu besorgen. Oft enthalten die Briefe Wunschzettel. Bei den ganz Kleinen steht meistens Spielzeug ganz oben auf der Liste. Ab dem Grundschulalter rücken dann auch Handy und Tablet in den Fokus. Eigentlich ist der Nikolaus ja für Geschenke gar nicht zuständig. Die Kinder müssen sich aber keine Sorgen machen, ihren Wunschzettel leitet er ans Christkind weiter.

Sabine Gerecke fischt einen Brief mit chinesischen Schriftzeichen aus einem Stapel, laut Absender aus Taiwan. Auch wenn die Post keiner der Helfer lesen kann – eine Antwort in Mandarin gibt‘s trotzdem. Die Schreiben in den unterschiedlichsten Sprachen sind bereits gedruckt, Kummerbriefe werden persönlich beantwortet. Das Briefpapier, die Kuverts und die Briefmarken sponsert die Deutsche Post. Auf eine Antwort müssen die Kinder noch ein bisschen warten. Die Briefe gehen erst am 5. Dezember auf die Reise. Im Nikolauspostamt, das an diesem Tag öffnet, wird der Sonderstempel auf die Post gedrückt. Gerecke freut sich besonders auf den 6. Dezember. Dann denkt sie an die vielen Kinder, die mit leuchtenden Augen ihren Brief vom Nikolaus öffnen.

Gerecke kümmert sich auch beruflich um Kinder, sie arbeitet als Erzieherin im Kindergarten. Vor 16 Jahren hat sie sich mit dem Nikolausvirus infiziert. Damals wurde Unterstützung beim Lesen der Briefe gesucht. Gerecke war im Mutterschutz und hatte Zeit. Heute hilft Tochter Jule (15) selbst mit, ebenso wie ihre Schwester Hanna (10). Papa Peter Gerecke stellt sich ebenfalls gerne in den Dienst des heiligen Mannes, er ist Vorsitzender des Festausschusses. Die Anschrift des berühmten Bischofs lautet: An den Nikolaus, 66351 St. Nikolaus.