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Was der Entsorger plant
Neue Pläne bei Sintfluten vom Himmel

Ein renaturierter Rohrbach in Scheidt kann die Folgen von Starkregen nur begrenzt mildern.
Ein renaturierter Rohrbach in Scheidt kann die Folgen von Starkregen nur begrenzt mildern. FOTO: BeckerBredel
Dudweiler/Scheidt. Wo sind die größten Risiken, wenn es wieder schüttet. Eine Karte der Stadt Saarbrücken führt die Gebiete auf. Von Stefan Bohlander

Gleich zweimal hat sich der Dudweiler Bezirksrat mit dem Zentralen Kommunalen Entsorgungsbetrieb (ZKE) befasst. Zum einen erläuterte Werksleiterin Simone Stöhr das Saarbrücker Konzept im Kampf gegen die Folgen sintflutartiger Regenfälle.  Zum anderen stellte sie das Investitionsprogramm für den örtlichen Wirtschaftsplan vor.


Nach dem starken Regen Anfang  Juni, der den Dudweiler Bezirk Scheidt heimgesucht und dabei große Schäden angerichtet hat, baten die Kommunalpolitiker um Infos. Solch eine Katastrophe,  hieß es in der entsprechenden Vorlage, trete in dieser Stärke wahrscheinlich alle 85 Jahre ein. Die Auswirkungen seien nicht zu begrenzen.

Bei den Fluten Anfang Juni zählte die Berufsfeuerwehr 15 Notrufe. Dabei soll es Grundstücke entlang des Rohrbachs in Scheidt getroffen haben. Die Stadt habe für das gesamte Stadtgebiet Schäden von rund 2,7 Millionen Euro der Landesregierung gemeldet. Der kommunale Entsorger ZKE sprang ein, holte Sperrmüll kostenlos ab und schaffte Abwasser aus Sammelgruben weg, Das Land habe Geld angeboten, hieß es des Weiteren im Bericht. Zum Hintergrund: Der ZKE ist in der Landeshauptstadt für Abfall- und Abwasserentsorgung sowie Stadtreinigung verantwortlich.



Um künftig die Folgen solcher Unwetter in den Griff zu bekommen, erarbeite die Verwaltung ein entsprechendes Konzept. Dazu sei eine gute Zusammenarbeit der verschiedenen Ämter und Dezernate „zwingend erforderlich“. Zudem müssten die Grundstückseigentümer dabei sein. Besagtes Konzept bestehe aus den drei Säulen Risikomanagement, räumliches Vorsorgekonzept und Öffentlichkeitsarbeit.

Die vom ZKE ermittelten Risikogebiete seien in einer  Starkregenkarte zusammengefasst. Ebenfalls unerlässlich: die Zusammenarbeit zwischen Zivilschutz, Bauhöfen und Saarbrückern. Das müsse verbessert werden. Zum Vorsorgekonzept gehöre, bei Neubaugebieten  Mittelrinnen zu planen, so genannte Notfließwege freizuhalten oder bei renaturierten Gewässern Platz für große Wassermengen zu schaffen. Grundstückeigentümer in besonders gefährdeten Gebieten sollen gesondert beraten werden.

Konkret: Ein renaturierter Rohrbach in Scheidt könne nach Auskunft aus dem Amt für Stadtgrün und Friedhöfe die Folgen extremer Regenfälle nur teilweise dämpfen. Ganz zu verhindern seien Überschwemmungen nicht, weil „der Flächen- beziehungsweise Nutzungsdruck innerorts zu hoch“ sei. Bei Gesprächen mit Grundstückseigentümern stießen Behörden häufig auf Unverständnis. Von ihnen geplante Stege, Brücken oder Mauern würden jedoch den Abfluss bremsen.

Bei der Abwasserentsorgung möchte der ZKE kommendes Jahr  10,6 Millionen Euro in Dudweiler investieren. „Das ist eine hohe Summe“, sagte Bezirksbürgermeister Reiner Schwarz. „Aber im Hinblick auf die Kanalsituation ist das erforderlich.“ Wie Simone Stöhr erläuterte, werde hinter der Feuerwehr eine Verbindung zum Tierbach hergestellt.

Fünf Millionen Euro werden für sanierte und erneuerte Kanäle in Dudweiler selbst fällig. Hohe Summen sind dort unter anderem für die Straße In den Welkertswiesen, am Geisenkopf, in der Gehlenbergstraße und am Bärenbach vorgesehen.

Nach einem besonders hohen Posten erkundigte sich SPD-Mitglied Mark Fey. Denn alleine im Bereich der Straße Im Flürchen in Scheidt seien fast 1,8 Millionen Euro veranschlagt. Die Projekt beginne an der Universität und gehe über den Ortseingang durch den Bahndurchgang zu einem EVS-Sammler. Dieser solle an den ZKE übergeben werden, damit man dort auch dann „Herr des Verfahrens“ werde.