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Humor
Die Aufreger des Jahres im Schnelldurchlauf

Bei ihrem kabarettistischen Jahresrückblick im Domizil Leidinger zogen sie in gewohnter Manier kräftig vom Leder: Barbara Scheck und Peter Tiefenbrunner. 
Bei ihrem kabarettistischen Jahresrückblick im Domizil Leidinger zogen sie in gewohnter Manier kräftig vom Leder: Barbara Scheck und Peter Tiefenbrunner.  FOTO: Iris Maria Maurer
St. Johann. Kult und gut: Brunner & Barscheck präsentierten ihren kabarettistischen Jahresrückblick im Hotel Leidinger. Von Anja Kernig

„Lassen Sie uns über fette Katzen reden.“ Man ist ja schon so einiges gewohnt von Brunner & Barscheck. Aber Witze auf Kosten des Menschen liebsten Lieblings zu reißen, erscheint dann doch als gewagter Einstieg in den so traditionellen wie charmant-routinierten Jahresrückblick im Theater Leidinger.


Tatsächlich waren mit jenen adipösen Miezen aber Topmanager gemeint, die am vierten Tag des Jahres bereits so viel Geld eingestrichen haben wie Normalsterbliche bis Dezember, nämlich 32 650 Euro.

Och nee, ist man da – und ab diesem Moment aller paar Minuten – geneigt, auszurufen. Wie ungerecht und gemein. Anderseits pilgerte man ja genau deshalb hierher: Um Barbara Scheck und Peter Tiefenbrunner dabei zuzusehen, wie sie sich durch die Aufreger des Jahres arbeiten. Mal leichtfüßig und spritzig, mal echt betroffen, wie es sich für Altlinke gehört.



Gesprächsstoff hatten die zwei, oben auf ihren Barhockern thronend, reichlich: ob rechtsextremer Bodensatz bei der Bundeswehr, „die normative Kraft des Faktischen“, erörtert am Beispiel der Sommer-/Winterzeit, G-20-Gipfel in Hamburg oder die 50 Millionen Euro, welche der „Gelben-Sack-Mafia“ plötzlich für das Recyceln von Verpackungsmüll fehlen.

Personelle Steilvorlagen boten das Trumpstilzchen im Weißen Haus, der „Godfather der Verschlimmbesserung“, oder das ganzjährig von den Protestanten gehuldigte Geburtstagskind, Herr Luther.

Schaudernd erinnerte das Kabarett-Duo an des Reformators krude Ansichten, etwa, dass Zauberinnen getötet gehören und Frauen gern im Wochenbett verenden dürfen. Originalton Luther: „Das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.“

Was dagegen nicht stirbt oder vielmehr zuletzt, ist die Hoffnung. Die materialisierte sich bereits am 29. Januar bei der „Ankunft des Erlösers“, als „Martin von Würselen“ auf den Plan trat. Mit neuen Ideen? Das nicht, aber „er wird bis zum letzten Atemzug darum kämpfen“.

Auch Regionales galt es zu kommentieren, etwa die Landtagswahl: „Im April schauten die Eliten zwei Wochen auf uns, wo wir doch sonst nur als Größenvergleich für Katastrophengebiete herhalten müssen“ oder, im September, als sich Oberbürgermeisterin Britz für ein Bettelverbot einsetzte.

Gewürzt wurden die zwei Halbzeiten mit persönlichen Schrulligkeiten wie Brunners Hang zum „mal schnell nachrechnen“ oder Barschecks Technologie-Ignoranz, mit der sie genüsslich des Nachbars intelligente Wohnzimmerbeleuchtung durch den Kakao zog.

Musikalisch war dieser Abend nicht minder spritzig. Jeder Monat hatte sein ganz eigenes Intro vom Band, Rio Reisers „Junimond“ etwa, aber auch Schräg-Uriges von Brigitte Mira, Uriah Heep oder Tom Waits – manches davon, wie Brunner witzelte, wohl „nur einmal im Jahr genießbar“.

Letztmalig aufgeführt wird der Jahresrückblick am Samstag, 30. Dezember, um 19.30 Uhr.