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| 21:10 Uhr

Erinnerungen
In der Schreibwerkstatt geht es um das eigene Leben

Saarbrücken. Von Silvia Buss

„Das ist das Wichtigste überhaupt bei einer Schreibwerkstatt, dass Kaffee auf dem Tisch steht, sonst geht gar nichts“, sagt Stefanie Ludwig lachend. Doch damit es den Frauen und Männern, die sich an diesem wie jedem Mittwochvormittag im Kultur- und Lesetreff (KuLe) Burbach eingefunden haben, an nichts mangelt, hat die KuLe-Leiterin auch noch Mineralwasser, Säfte und Kekse bereitgestellt.

Zu dritt sind sie diesmal ausnahmsweise nur, um sich gegenseitig etwas über ihr sechzigjähriges Leben zu erzählen und vorzulesen. Denn das Schreiben machen sie in der Regel zu Hause, um sich hier unter Anleitung von Buch- und Drehbuchautor Peter Tiefenbrunner darüber auszutauschen, wie man überhaupt die persönlichen Erinnerungen am besten aufschreibt.

Ohne diese Schreibwerkstatt würde er gar nicht schreiben, er brauche diesen Impuls, erklärt Gerd, der diesmal den Anfang macht und zum Mitlesen Zettel verteilt, um vorzutragen, was „Helmrech“ als kleiner Junge in kurzen Hosen auf Ferienbesuch bei seiner „Gode“ erlebte. Abends etwa kredenzte die Tante dem kleinen immer einen Zaubertrank aus Rotwein, Zucker und Eigelb. „Er sollte Kräfte wecken, doch Helmrech machte er müde, und das Zubettgehen war kein Problem mehr“, liest Gerd. Ein wiedererkennendes Lächeln huscht über die Gesichter der anderen. Kaum hat Gerd geendet, ist die Zaubertrank-Episode das Thema Nummer eins.

Jedem fällt dazu etwas aus seinem eigenen Leben ein. „Wir bekamen immer einen Grog“, sagt Dieter. „Das ist ja noch schlimmer“, meint Stefanie Ludwig lachend. Und Peter Tiefenbrunner erinnert es an seine Mutter, die „im Krieg Bratkartoffeln in der Not in Lebertran gebraten bekam“.

Doch warum er denn nicht „ich“ schreibe, sondern von „Helmrech“, wenn er von sich erzähle, will Tiefenbrunner nun wissen. Schließlich geht es in der Schreibwerkstatt nicht nur um Inhalte, sondern auch darum, wie man schreibt. Es sei für ihn einfacher, in der dritten Person zu schreiben, es schaffe Distanz, erklärt Gerd. Das gehe ihr ähnlich, meldet sich Teilnehmerin Christel zu Wort. Wieder wird hin und her diskutiert, Für und Wider abgewogen. „Aber wenn es dir hilft“, sagt Schreib-Profi Tiefenbrunner schließlich, „dann ist es gut.“

Um die Erinnerungen seiner Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Gang zu bringen, gibt Tiefenbrunner ihnen jedes Mal ein Motto mit nach Hause. Das könne wie zuletzt „früheste Erinnerungen“ lauten oder auch der Auftrag sein, einen Brief an sich selbst zu schreiben oder sich von einem Foto oder einem Gemälde inspirieren zu lassen, erläutert Tiefenbrunner dieses in vielen autobiografischen Schreibkursen angewandte Verfahren.

Insgesamt sechs Frauen und Männer sind sie, die sich seit dem 10. Mai immer mittwochs im KuLe treffen. Ein bisschen Zuwachs, sagt KuLe-Leiterin Ludwig, könnte man durchaus noch gebrauchen. „Mitmachen kann jeder, egal in welchem Alter, man sollte sich auch nicht davon abhalten lassen, dass man denkt, man könne nicht schreiben“, betont sie. Dieter nickt lebhaft: „Meine Schulnoten waren unter aller Sau – und trotzdem schreibe ich mit Begeisterung.“ Die Gründe, warum die Runde ihr Leben zu Papier bringen will, sind vielfältig. „Um mir über mein Leben klar zu werden“, sagt Gerd etwa. Christel wiederum will es für ihre Enkel aufschreiben.

Neben dem Sprechen übers Schreiben schätzen sie an den Mittwochs-Treffs aber auch die Geselligkeit, das Erzählen. „Es kommt sogar schon mal vor“, sagt Peter Tiefenbrunner, dass wir die ganzen zwei Stunden nur reden.“ Und dabei Kaffee trinken. Stefanie Ludwig holt jetzt eine neue Kanne.