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Schon wieder gibt es Ärger rund ums Grubenwasser und PCB
Bürgermeister: „Das ist eine Frechheit“

Quierschied. Der Verwaltungschef im Quierschieder Rathaus bemängelt nicht vorhandene Kommunikation hinsichtlich des Umweltschutzes. Von Patric Cordier

Über 13 000 Menschen leben in der Gemeinde Quierschied. Eine der vornehmensten Aufgaben des Bürgermeisters ist, dafür zu sorgen, dass gesundheitliche Gefahren von den Bürgerinnen und Bürgern abgewendet werden. Doch genau in diesem entscheidenden Punkt  sieht sich Amtsinhaber Lutz Maurer wieder einmal von Stellen außerhalb seiner Kommune übergangen - und das stinkt dem parteilosen Verwaltungschef so richtig.


„Dass wir von den erhöhten PCB-Werten im Fischbach aus der Saarbrücker Zeitung erfahren haben, war ein starkes Stück. Aber Umweltminister Reinhold Jost hat sich umgehend entschuldigt und die RAG zu einer Aufklärungsveranstaltung aufgefordert, welche dann ja auch in der Q.lisse stattgefunden hat“, blickt Maurer zurück auf einen Vorfall zu Jahresbeginn (wir berichteten), um seinem Zorn dann in ganzer Breite seinen Lauf zu lassen: „Dass wir jetzt wieder erst aus der Zeitung von den RAG-Plänen für die Grubenwassereinleitung in den Fischbach erfahren, ist ein starkes Stück, ja eine Frechheit.“

Am Standort Camphausen soll eine Art Versuchslabor zur Reduzierung des hochgiftigen PCB entstehen. Das Umweltministerium hat entsprechenden Plänen des Konzerns bereits zugestimmt. Zwar gehen die meisten Experten davon aus, dass eine direkte Gefährdung der Bevölkerung durch die Einleitung von PCB auszuschließen ist, dennoch will man die Menge des eingeleiteten Giftstoffs künftig reduzieren. Dies soll damit erreicht werden, dass Schwebstoffe, an denen sich PCB anhaftet, die Gelegenheit bekommen, abzusinken. Dies soll auch durch eine „Verstetigung der Einleitung“, also durch ein gleichmäßiges Zuführen von Grubenwasser in den Fischbach erreicht werden. Außerdem will man den Einsatz von Flockungsmitteln zur verstärkten Absinkung erproben. „Wir wissen nur, was in der Zeitung stand“, ärgert sich Maurer auch über die Begrifflichkeiten: „Allein das Wort Versuchslabor sorgt doch für unnötige Verunsicherung.“ Maurer gehörte bislang zu den Verwaltungschefs, die beim Thema Grubenwasser auf eine sachbasierte Diskussion des Themas gesetzt haben.



Doch die neuen RAG-Pläne könnten auch Auswirkung auf die Gemeinde-Entwicklung haben. „Die Gemeinde Quierschied ist nicht mit Flächen gesegnet, die sich als Gewerbegebiete eignen. Schon meine Vorgängerin Karin Lawall hatte das Gelände rund um den denkmalgeschützten Hammerkopfturm als Fläche angesehen, auf der künftig neue Betriebe ihre Heimat finden können. Wenn dort nun eine Absinkfläche entsteht, kann man diese Ansiedlungpläne vergessen. Zumal uns noch niemand erklärt hat, was denn mit dem abgesunkenen PCB passieren soll. Bleibt es vor Ort? Und was passiert, wenn die Absinkfläche irgendwann einmal trocken fällt?“ Auch dass die Laborphase vom Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) überwacht werden soll, beruhigt Maurer nicht. „Der RAG-Bezirksbevollmächtigte Uwe Penth hat vor wenigen Monaten in der Q.lisse von mehr Transparenz gesprochen“, ärgert sich der Quierschieder Bürgermeister, „die jetzige Informationspolitik hat mit Transparenz aber absolut gar nichts zu tun.“ Maurer will nun sowohl bei der RAG als auch beim Umweltministerium vorstellig werden. Schließlich ist die Gefahrenabwehr für Leib und Leben seiner Bürger eine seiner Aufgaben. Und dazu wird er wohl schon am morgigen Donnerstag (23. August) ab 18 Uhr in der nächsten Sitzung des Gemeinderates Stellung nehmen müssen.