Vor dem Fest geht hier die Post ab

Stramme Waden und starke Arme brauchen die Paketboten vor allem rund um Weihnachten. Allein bei DHL erhöht sich das bundesweite Sendungsaufkommen von 3,4 auf acht Millionen am Tag. Die SZ begleitete den Zusteller Marc Rauch bei seiner Arbeit in der St. Ingberter Innenstadt.

Mit fünf aufgetürmten Paketen auf seinem linken Arm steuert er auf das Juweliergeschäft zu, öffnet die Tür mit der rechten Hand, balanciert den Stapel gekonnt in einen Hinterraum. Viel Zeit bleibt nicht, der Paketzusteller von DHL, Marc Rauch (41) aus Niedergailbach, ist im Weihnachtsstress. 242 Pakete müssen heute in seinem St. Ingberter Bezirk an 155 Kunden verteilt werden. Diese Menge hat er sonst auch - jedoch in einem größeren Bezirk. Je näher es auf Weihnachten zugeht, desto kleiner werden die Flächen, in denen die DHL-Boten Pakete zustellen, damit die Masse an Geschenken und Waren bewältigt werden kann. Rauch: "Das sind nur 60 Prozent von dem, was ich sonst abfahre." Für die neu entstehenden Bezirke, müssen zusätzliche Arbeitskräfte her. Aus 60 Fahrern werden dann 100 Fahrer, so Rauch. Neue Kollegen werden ab August angelernt, im rückläufigen Briefdienst Beschäftigte werden eingespannt, Angestellte aus der Verwaltung helfen aus.

Besonders der Online-Handel bestimmt den Arbeitsalltag des Paketzustellers. "Die Bestellungen aus dem Internet machen etwa 70 Prozent aus, gerade von Amazon", erzählt Rauch. Der Premiumversand des Online-Händlers Amazon regelt auch den Arbeitsbeginn von Rauch. "Wir müssen warten bis die ‚Prime'-Pakete da sind. Erst dann fahren wir los".

Bundesweit stellt DHL im Schnitt 3,4 Millionen Sendungen am Tag zu, sagt Heinz-Jürgen Thomeczek, Pressesprecher der Deutschen Post. "An den Spitzentagen vor Weihnachten sind es acht Millionen." In St. Ingbert erreicht laut Rauch das Paketaufkommen sein Hoch am vierten Adventssonntag, an dem es für ihn auch noch lange keinen besinnlichen Urlaub gibt. Auch am 24. Dezember werden noch heiß ersehnte, oft in letzter Minute bestellte Geschenke ausgefahren. "Wer bis 14.30 Uhr noch was vermisst, der hat Pech gehabt", scherzt Rauch.

Doch auch nach dem Fest nimmt das Pensum an Paketen so schnell nicht ab. Rauch: "Wer glaubt nach Weihnachten ist es vorbei, liegt falsch." Rücksendungen, Umtausch, aber vor allem der nach Weihnachten lockere Geldbeutel bedeutet für die Paketzusteller weiterhin viel Arbeit. Bis Mai werden Gutscheine eingelöst und Geldgeschenke in Materielles eingetauscht, erzählt Rauch und macht sich derweil in seinem Zustellfahrzeug ans Sortieren. Große und kleine Pakete liegen auf den Ablageflächen an den Seitenwänden, der Gang ist zugestellt mit neuer Ware für die Geschäfte in der St. Ingberter Kaiserstraße. Rauch hieft die teils schweren Pakete mit einem Ruck auf seine Sackkarre. 31,5 Kilogramm wiegen sie maximal, erklärt der Zusteller. Am Eingang des Büchergeschäfts dann die Panne: Die Schiene, über die die Karre die Treppen hochgezogen werden kann, ist kaputt. Jetzt muss er alles von Hand tragen. Treppen hoch, Treppen runter. Sein Kollege habe letztens während der Arbeit einen Schrittzähler benutzt, erzählt Rauch. 21 000 Schritte hat er gezählt. Die viele Laufarbeit von Haus zu Haus in St. Ingberts Innenstadt macht Marc Rauch auch zu einem bekannten Mann. "Hallo Petra", ruft er, "hallo Steffi". Mit manchen Kunden trinkt er in ruhigen Minuten einen Kaffee in der Stadt. Muss er vor Weihnachten dann mal wieder "eine Schippe drauflegen", dann ist das für ihn auch nicht fatal: "Den Kaffee kann man ja auch ins Auto stellen."

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