Konzert der Leibniz-Chöre in St. Ingbert

Leibniz-Chöre : Wenn Musik den Kirchenraum erhellt

Am vergangenen Sonntag gaben der Leibniz-Chor, die leibniz|vocal|group und ein Orchester ein Konzert, das für die Chöre des Leibniz-Gymnasiums den musikalischen Jahresauftakt darstellte. Im Mittelpunkt stand Vivaldis Gloria.

Die Veranstaltung lockte viele Zuhörer in die Engelbertskirche. Und die Zeit dafür schien gut gewählt. In der Weihnachtszeit jagt eine Verpflichtung und eine Veranstaltung die nächste. Muse und Zeit zum Innehalten bleibt bei manchem kaum. Ganz anders sieht das zu Beginn eines Jahres aus. Auch die angekündigten Stücke dürften mit dazu beigetragen haben, dass es auf den Kirchenbänken richtig eng wurde. Der Zuspruch war so groß, dass die Programmhefte ausgingen, die gleichzeitig als Eintrittskarten galten. Timo Uhrig, der die Chöre leitete, hatte als Hauptstück das „Gloria“ von Antonio Vivaldi ausgesucht. Doch zuvor erklang mit „Suscepit Israel“ ein Stück aus einem kantatenähnlichen Werk Johann Sebastian Bachs. Es ist wie Vivaldis „Gloria in D-Dur“ ein Werk des Barock, die beide im Kontrast zu den ebenfalls aufgeführten Gitarrenstücken der Gegenwart standen.

Virtuos an der klassischen Gitarre war der Venezolaner Ender Javier Rangel Vielma zu hören, in dessen Spiel von Stücken seines Landsmannes Antonio Lauro, des Kolumbianers Gentil Montaña und von Hans Werner Henze man sich verlieren konnte. Nicht nur die Besucher des Konzerts genossen es, ihm zuzuhören, sondern auch die Sänger und Sängerinnen des Chores, die teilweise die Augen geschlossen hielten und Vielmas fingerfertiger Saitenkunst lauschten.

Allerdings hat nicht Lateinamerika, wie man bei den Gitarrenklängen denken konnte, die Auswahl der Chormusik des Konzertes vorgegeben, sondern Italien. Dazu passte die „Messa per coro a due voci bianche“ von Pierangelo Valtinoni, die auf den italienischen Komponisten einstimmte, dessen Namen in großen Lettern auf dem Programmheft stand – Antonio Vivaldi. Das Gloria ist das bekannteste geistliche Werk Vivaldis und gehört zu seinen bedeutendsten kirchenmusikalischen Kompositionen. Es ist im Gegensatz zu anderen musikalischen Lobgesängen kein Teil einer Messe, sondern wurde als selbstständiger Einzelsatz Anfang des 18. Jahrhunderts von ihm geschrieben. Dem Gloria kommt eine besondere Bedeutung in der Kirchenmusik zu, denn in der Geschichte von der Geburt Jesu wird erzählt, wie Hirten die Nachricht vom neugeborenen Messiaskind von Engeln überbracht wurde, die dann gemeinsam Gott lobpreisten. Und so engelgleich erklang das Werk dann auch in der Alten Kirche. Nicht nur die Chöre versuchten diese Erzählung aus der Bibel mit glockenhellem Gesang lebendig werden zu lassen, sondern auch die beiden Solistinnen. Die Stimmen der Sopranistin Anna Major und Altistin Maria Eichler harmonierten ausgesprochen gut miteinander. Sie verschmolzen zu einer regelrechten Einheit, bei der die Grenzen zwischen den Stimmlagen aufgehoben schienen. In dem Stück und in dessen Aufführung lag eine Leichtigkeit, die die Belohnung für viele Proben war. Uhrig sucht mit seinen Klangkörpern die Herausforderung, die er in Vivaldis Gloria durchaus fand. Kein leichtes Stück. An manchen Stellen musste er das Zusammenspiel von Orchester und Chor geringfügig, aber kaum merklich korrigieren. „Es ist schwer, bei dem schnellen, virtuosen Stück alle zusammenzuhalten“, so der Dirigent, „doch die Sänger sind mit Elan dabei, so dass es auch mir Spaß macht. Da wird nichts abgespult, da steckt Leidenschaft dahinter. Und das springt auch aufs Publikum über.“ Recht hatte er, denn die Akteure im Altarraum nahmen das Publikum mit jeder gesungenen und gespielten Note mehr gefangen. Ein Ohrenschmaus vor allem das Gloria, das in der Advents- und der Fastenzeit nicht aufgeführt wird und so zu Beginn des Jahres zu besonderer Ehre kam.

Der Schulleiter des Leibniz-Gymnasiums, Erik Brill, saß ergriffen und sichtbar stolz auf seine Musiker und Chöre im Publikum und genoss den frühen Sonntagabend musikalisch. Auch das restliche Publikum war von der Aufführung, in der Barock auf Moderne traf, begeistert. „„Ich versuche für das Repertoire immer etwas mit Neujahrscharakter für den Neustart zu finden. Denn das Jahr muss man festlich beginnen. Es muss glitzern, es muss strahlen. Vor allem, wenn es draußen so dunkel ist, muss man Licht herein bringen“, sagte Dirigent Timo Uhrig. Und in der Engelbertskirche wurde es einem am Sonntag nicht nur warm ums Herz, sondern im übertragenen Sinne auch gleißend hell.

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