Kolumne Unsere Woche St. Ingbert : Der „Tag der reifen Leistung“

Der Mensch lebt nicht vom Verzehr allein, es muss auch am Boden zu besichtigen sein. Getreu dieser Devise sah es nach den Umzügen in unserer Region aus wie’n Sau. Wildsau, sozusagen – aber nichts Neues.

Am Sonntag etwa in St. Ingbert, als der (rundum schöne) Gaudiwurm gerade im Auflösungsprozess begriffen war: raus aus dem Büro und rein in die närrische Pampe in der Fußgängerzone. Das Knacken der Plastikbecher bei fast jedem Schritt, das Umschiffen klitschigen weil feuchter Konfetti, hüpfen über Reste von da Roschdwurschd, weil de Hund nit alles fresst, was Frauche üwwarisch losst.

So ist des Einen Vergnügen des Anderen Verbiegen. Und wie haben sie sich zur Freude aller verbogen, die fleißigen und flinken Leute der Baubetriebshöfe. Da waren die Narren unter freiem Himmel noch nit zugudds fertig mit ihrem Alleh hopp, da rückte er schon an, der routinierte Säuberungs-Tsunami. Hunderte von Bürgerinnen und Bürgern haben sich auf der Facebook-Seite der Stadt St. Ingbert bedankt für diese reibungslose Teamarbeit und das von Erfolg gekrönte Bemühen, die Straßen in einen wieder ansehnlichen Zustand zu versetzen.

Wir haben am Aschermittwoch nachgefragt bei Christoph Anstadt, Leiter des städtischen Betriebshofs in St. Ingbert. 480 Stunden haben seine Leute fürs Gelingen der Freiluftsause gearbeitet, allein auf den Umzugssonntag entfielen 250 Stunden. Gesamtkosten: 25500 Euro, inklusive Personal. Und rund drei bis vier Tonnen Müll, die auch noch entsorgt werden mussten. In Reinheim fand ebenfalls ein ganz großer Umzug statt. Fazit des bunten Gaudiwurmes: Knapp 90 Arbeitsstunden insgesamt und ein halber Kubikmeter eingesammter Müll. In Blieskastel wiederum waren allein nur beim Sonntagsumzug 20 Leute im Einsatz – also Vor- und Nachbereitung mit Absperrungen etc. nicht mit eingerechnet. Aus der Barockstadt hören wir auch, dass immer mehr Zuschauer am Straßenrand mit Schnaps und Likör „vorglühen“ und so erstaunlich viele kleine Glasfläschchen auf dem Asphalt landen. Da macht am Morgen danach der „Kleine Klopfer“ genannte Kurze im Gehirn seinem Namen alle Ehre.

Vielleicht sollte man die Menschen, die anderen Leuten auf kommunalem Gebiet hinterher räumen, einmal besonders würdigen. Die Chefs in den Rathäusern könnten quasi zum (noch auszurufenden) „Tag der reifen Leistung“ ordentlich einen springen lassen: ein Fässchen Bier vielleicht mit zauberhaften Schnittchen, garniert mit ein paar freundlichen Worten des Dankes.

Alles denkbar. Alles drin.