In St. Ingbert geht man konsequent gegen Müll-Sünder vor

Kostenpflichtiger Inhalt: Illegal entsorgt : Wie St. Ingbert gegen Müll-Sünder vorgeht

Mit Schutzanzügen und Handschuhen ausgestattet, machen sich städtische Mitarbeiter auf Spurensuche durch die illegalen Müllhalden.

Auf dem absolut richtigen Weg ist offenbar die Stadt St. Ingbert, wenn es darum geht diejenigen Leute zu erwischen, die hemmungslos ihren Müll in die Landschaft kippen – bevorzugt im Wald, aber auch an Container-Standplätzen. Da sprechen Zahlen Bände, denn bis zum jetzigen Zeitpunkt hat die Verwaltung in diesem Jahr 89 Mal illegales Müllabladen festgestellt und dabei nicht weniger als 27 Verursacher erwischt. Und das geht so: Städtische Mitarbeiter wühlen sich mit Schutzanzügen, Handschuhen und Mundschutz durch den Unrat und werden erstaunlich oft fündig. An der Oststraße beispielsweise stießen sie in einem riesigen Müllberg auch auf einen Schulranzen. In diesem steckte noch das aktuelle Halbjahreszeugnis des Nachwuchses. Schön einfach gestalteten sich so die weiteren Ermittlungen.

Dies und noch viel mehr erfuhr die SZ im Gespräch mit Gerd Lang, Leiter des städtischen Abfallbetriebes, Christoph Scheurer, Chef des Geschäftsbereiches Bürgerservice und Ordnung, sowie Henning Fremgen, Leitung Ordnungsdienst und Ordnungsaufgaben. 2015 waren es lediglich sieben Ordnungswidrigkeits-Anzeigen hinsichtlich illegaler Müllablagerung. Als man jedoch vor rund zwei Jahren damit begann, mit allem Nachdruck den Umweltferkeln auf die Eisen zu gehen und systematisch den hinterlassenen Dreck zu durchforsten, waren es 2018 schon 35 Anzeigen. Wobei die Männer vom Bauhof die Sachlage vor Ort dokumentieren, Fotos machen und anhand eines von Henning Fremgen entworfenen Formulars alle wichtigen Eckdaten angeben. Es werden Beweise gesichert, um die Verursacher unter keinen Umständen entkommen zu lassen. „Nach wie vor sind wir aber auf die Mitwirkung der Bevölkerung angewiesen“, sagt Gerd Lang. Viele Menschen würden sich über die Umweltsünder aufregen und von daher schon ihre Beobachtungen der Stadt mitteilen. Autokennzeichen etwa, mit Hilfe derer man zum Verursacher gelangt. 150 000 Euro pro Jahr kostet die Stadt das Reinigen der Müllabladeplätze, was sich, ganz nebenbei, auch auf die Müllgebühren auswirkt.

Die einen fahren in den Wald, um ihren Dreck loszuwerden, andere wiederum sehen, dass der von ihnen angesteuerte Container voll ist und schmeißen den Unrat dann einfach daneben. Oder werfen ihren Hausmüll in Papiercontainer. Was natürlich auch wieder unnötige Kosten verursacht, denn der Müll muss vor dem Papier-Recycling aussortiert werden.

Die drei Gesprächspartner im St. Ingberter Rathaus schütteln den Kopf in Anbetracht der Tatsache, dass man in der Mittelstadt überhaupt auf die Idee des illegalen Müllabladens kommen kann. Dass man sich einem Risiko aussetzt, das völlig unnötig ist. Weil man in der „Stadt der kurzen Wege“ ganz zentral ein Wertstoffzentrum vorfindet, in dem man alles, wirklich alles – von der Knopfzelle bis zur Kloschüssel – loswerden kann. Das sei doch echt der leichtere Weg. Dort handelt man sich mit den Mitarbeitern oft auch noch ein nettes Gespräch ein und fährt mit gutem Gewissen wieder nach Hause.

Verursacher schnell ermittelt: In diesem Müllhaufen fanden städtische Mitarbeiter einen Schulranzen mit Zeugnis vor. Foto: Stadt St. Ingbert

266 Tonnen von in die Landschaft gekipptem Unrat – inklusive dem, was die Teilnehmer der picobello-Aktion zusammentragen – beseitigt die Kommune jährlich, wobei die Dreistigkeit offenbar keine Grenzen kennt. So haben die Bauhof-Mitarbeiter auch schon einen halben Hausstand aus dem Wald gefahren. Wer als Verursacher auffliegt, zahlt da schon bis zu 2500 Euro. In einem Fall erging sogar mal Erzwingungshaft, wie Henning Fremgen erzählt. Da wollte ein Mann, den man erwischt hatte, die Geldbuße nicht zahlen. Also ging’s vorübergehend mal in den Knast.

Wo die sogenannte soziale Kontrolle nicht oder spärlich vorhanden ist, wo also – weil etwas abseits oder versteckt – niemand ein Auge drauf hat, ist die Stadtverwaltung mit den größten Problemen konfrontiert. Etwa am Container-Standplatz an der Rohrbachhalle, der sich gerade in Auflösung befindet, da man dort der illegalen Müllberge nicht mehr Herr wurde. Auch im Pottaschwald hat sich der Container-Stellplatz deswegen erübrigt. Und wegen diverser Essensreste am Umsteigeparkplatz in Sengscheid stellte sich eine Rattenplage ein. Um die Viecher wirksam zu bekämpfen, kamen auch dort die Container weg. Noch ein Aspekt am Rande: Gerd Lang hat sich mit Kollegen in anderen Städten ausgetauscht. Wobei diese auch feststellen, dass es völlig egal ist, ob man bei der Hausmüll-Abfuhr das Ident- oder das Verwiege-System einsetzt. Das Mehr an illegalem Treiben habe eher etwas mit der Tendenz zur gesellschaftlichen Verwahrlosung zu tun. Auf der anderen Seite sinkt bei vielen umweltbewussten Bürgern die Toleranz gegenüber den Müllsündern. So spaltet sich auch bei diesem Thema die Gesellschaft auf.

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