1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. St. Ingbert

Frauensitzung der Stampesse in Rohrbach

Fastnacht : Frauen waren ganz doll feierwütig

Die Hausmannskost ließen die Gäste am Freitagabend zu Hause, um sich auf der Bühne die „Sahneschnittchen“ anzuschauen. Die Frauensitzung der „Stampesse“ in der Rohrbachhalle ist inzwischen Kult.

Man fühlte sich in die falsche Zeit versetzt, als Christiane Heib die Närrinnen in der ausverkauften Rohrbachhalle zur 30. Frauensitzung des RCV „Die Stampesse“ begrüßte. Wusste man ja, dass es „erst“ die 19. war. Doch das war genau so gewollt, schließlich hatte sich die Moderatorin der Veranstaltung im Gegensatz zu den vielen Besucherinnen für dezente schwarze Kleidung entschieden, die einer 75-Jährigen angemessen schien. Wie jetzt?, mag mancher denken, so alt ist sie doch noch gar nicht. Stimmt! Aber man befand sich ja auch im Jahr 2030, wie es von der Bühne hieß. Und die „Stampesse“ ist dann noch immer da, so die Botschaft. Und mit ihr all die liebgewonnenen treuen Akteure, die den Veranstaltern mittlerweile zu Freunden geworden sind. Bei soviel Begeisterung der Organisatoren, Macher und Gäste dürfte es wohl keine Frage sein, dass diese Erfolggeschichte weitergeht und noch in elf Jahren das Zeug dazu hat, die Närrinnen von den Sitzen zu reißen. Einiges Liebgewonnene wird man dann nicht mehr sehen. So „Los Vambos“, die sich am Freitag von der großen Bühne verabschiedeten und als Samba-Tänzerinnen noch einmal alles gaben. Es ist nur schwer vorstellbar, dass dieses Männerballett, das jedes Jahr in Rohrbach den „Eisbrecher“ gibt, mit dem Tanzen aufhört. So ganz schien es auch Christiane Heib nicht zu glauben. „Vielleicht sehen wir uns ja im nächsten Jahr doch wieder?“, so die Hoffnung der Moderatorin. Schön wäre es, denn die Stimmungskracher aus dem Bliesgau gehören seit 13 Jahren zum festen Repertoire.

Aber „the show must go on“. Und so ließ der vereinseigene Stimmungssänger Wolfgang mit seinen Partyliedern keine Traurigkeit aufkommen. Und dann kamen sie – Männer wie aus dem Bilderbuch. Die Frauen kreischten, sie flippten aus. Und das, obwohl sich diese spezielle Spezies der tanzenden Männer aus Losheim nicht (mal) auszog. Was will man mehr als Männer, die tanzen können und dabei noch eine Story erzählen. „Wünsch dir was“, hieß das Programm diesmal. Autos, Geld, Ruhm und Macht können nichts gegen den Applaus sein, der dann aufbrandete. Selbst Christiana Heib wurde der Einhörner, Charleston-Tänzerinnen, Panzerknacker und all der anderen verboozten Besucherinnen kaum Herr. „Lassen mich doch emol was sagen“, versuchte sie gegen die Zugaberufe und Begeisterungsstürme anzukämpfen. „Herzbeben, lass uns leben, wir wollen was erleben“, wurde beim „Nachschlag“ sogar vor der Bühne ausgelassen mitgetanzt. Von diesem so musikalisch augerollten Klangteppich wurde Stripper Markus ebenfalls mitgetragen, der sich Streicheleinheiten einer Auserwählten aus dem Publikum abholte. Körperkontakt der anderen Art zelebrierten die „Stampesstrampler“ mit ihrem Aufstand der Kriegerinnen. Eine Show, die auch beim wiederholten Anschauen im Verlauf der Session nie langweilig wird. Mit tanzenden „Höllenhunden“, die sich bei sportlicher Betätigung die Shirts von den Leibern rissen, mit den Neunkirchern, die Spaß beim (Voll-)Gas geben hatten und sogar samt Boxenluder die Bühne rockten und mit den „Blumenjungs“ aus Bebelsheim, die als Pharaonen Kleopatra Dampf machten, ging die Party weiter. Sogar die „Shopping Queens on tour“ schauten in Rohrbach vorbei – neben den „Stampesstramplern“ die einzigen weiblichen Acts, die auf die Bühne „durften“.

Stimmungsgaranten sind schon seit mehr als 15 Jahren auch die „Magic Artists“, die mit den Rohrbachern groß geworden sind, wie Frontfrau Katja sagte. Bevor sie wieder mit DJ Bobo auf Tour gehen, kamen die Gäste in der Rohrbachhalle schon mal in den Genuss eines Teils der Show. Feuer, Lichtspiele, Seilakrobatik, (Menschen-)Pyramiden-Bau – all das beherrschen sie. Nachahmen sei da eher nicht empfohlen.

Die Frauensitzung sei aber nun mal eine Mitmachveranstaltung, erinnerte Christiane Heib. Und so entführte „Angy“ das Publikum mit ihren Liedern nach Mallorca, um die Halle an diesem Abend zum besten Beach-Club der Stadt zu machen. Ein Wunsch, der in Erfüllung ging. Begeisterungsfähig waren sie, die Mädels bei ihre ganz eigenen Frauensitzung. Und das durch alle Altersklassen hinweg. Diese Veranstaltung schlug im positiven Sinne aufs Gemüt, denn wie hatte die Moderatorin so schön gesagt: „Seele und Herz kriegen keine Falten.“