Drei Wortsegler im Aufwind

Grund zur Freude bei den Gymnasiasten Franziska Lammert, Julius Kraus und Hazal Petroff: Alle drei glänzten im Wortsegel-Wettbewerb für kreatives Schreiben mit herausragenden Beiträgen. Die Texte sollten sich auf Rainer Maria Rilke beziehen.

Vor dem Rathaus Tholey: Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (links) zeigt stolz das Buch der AG Geschichte des Saarpfalz-Gymnasiums, das ihm die Homburger Wortsegler Franziska Lammert, Julius Kraus und Hazal Petroff zusammen mit ihrem Lehrer Eberhard Jung als Gastgeschenk mitgebracht haben. Foto: Eberhard Jung/Saarpfalz-Gymnasium. Foto: Eberhard Jung/Saarpfalz-Gymnasium

Am 4. Dezember 1875 wurde Rainer Maria Rilke in Prag geboren. Er gehört zu den bedeutendsten Lyrikern der literarischen Moderne, obwohl er schon 1926 im Alter von 51 Jahren starb. Sein 140. Geburtstag bot den Anlass, ihm den diesjährigen Wortsegel-Wettbewerb für kreatives Schreiben zu widmen. Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen drei (Grundschule) bis 13 (Oberstufe) wurden aufgerufen, sich mit dem Autor zu beschäftigen und mit Bezug zu ausgewählten Zitaten und Themen aus seinem Gesamtwerk eigene Texte, bevorzugt Gedichte oder Kurzprosa, zu verfassen.

Bereits zum zehnten Mal veranstaltete die Gemeinde Tholey zusammen mit dem saarländischen Bildungsministerium diesen Wettbewerb. Er ist nach der Wortsegel-Stahlplastik benannt, die von Professor Heinrich Popp als "Denkmal für Poesie" auf den Höhen der Gemeinde Tholey-Sotzweiler mit Blick auf den Schaumberg geschaffen wurde. Die offizielle Siegerehrung samt Preisverleihung fand bereits Ende Juni statt (wir berichteten). Da aber die Homburger Preisträger, die allesamt das Saarpfalz-Gymnasium besuchen, zu dieser Zeit auf einer Lehrfahrt in Rom beziehungsweise Barcelona waren, erhielten sie einen Nachtermin im Rathaus Tholey, wie es in einer Pressemitteilung der Homburger Schule heißt.

Bevor sie dort von Bürgermeister Hermann Josef Schmidt , dem Initiator und leidenschaftlichen Förderer des Literaturwettbewerbs, empfangen wurden, besuchten sie mit ihrem Lehrer Eberhard Jung das Wortsegel auf den luftigen Höhen von Sotzweiler, wo man einen vorzüglichen Blick auf das Schaumberger Land genießen kann. Schmidt überraschte die jugendlichen Nachwuchsautoren, als er sie aufforderte, seiner Mitarbeiterin und ihm ihre Gedichte vorzutragen. Dann unterhielt er sich angeregt mit ihnen über die Interpretation ihrer Beiträge und lobte in höchsten Tönen ihr Können, ihren Ideenreichtum und ihre Fantasie. Anschließend händigte er ihnen die Preise aus, die von der Gemeinde Tholey, dem Bildungsministerium und "Melusine - der Literarischen Gesellschaft Saar-Lor-Lux-Elsass" gestiftet wurden: großzügige Geldgeschenke, kostenlose Theaterbesuche für die ganze Klasse, eine Freikarte für das Schaumbergbad, Buchpräsente und Einladungen für Autorenbegegnungen.

Julius Kraus aus dem E-Kurs Deutsch 11 erreichte mit seinem Gedicht "Was bin ich?" den ersten Preis, seine Mitschülerin Franziska Lammert mit "Vergissmeinnicht" den zweiten in der Altersgruppe IV (11. bis 13. Klasse der weiterführenden Schulen). Beide hatten sich das Motto "Hiersein ist herrlich" als Schreibimpuls ausgesucht. Julius überzeugte mit seiner freimütigen Darstellung eines jungen Menschen "im Übergang" zwischen Jugendlichkeit und Erwachsenendasein: "Ein vorläufiger Charakter./(...)Ein schwankendes Ego/zwischen Würmchen- und Elefantengröße." Franziskas Naturgedicht lebt aufgrund geheimnisvoller Personifizierungen von der Spannung, dass mit "Vergissmeinnicht" auch ein Mensch gemeint sein könnte. Ihre Powerpoint-Präsentation mit ausdrucksstarken Fotos unterstreicht diese Sichtweise. Hazal Petroff aus der Klasse 9d, die bereits 2013 Preisträgerin beim saarländischen Mundartwettbewerb war, wurde mit ihrem Gedicht "Sehnsucht" - wie die beiden anderen Saarpfälzer - in die Rilke-Broschüre mit den besten Wettbewerbstexten aufgenommen.

Daneben gibt es diesmal noch ein Jubiläumsbändchen mit den Siegertexten aus den zurückliegenden zehn Jahren, in dem zahlreiche Beiträge des Saarpfalz-Gymnasiums enthalten sind. Angesichts dieser Erfolge war das Hiersein in Tholey für die vier Homburger ganz im Sinne Rilkes herrlich.

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