Der Traum vom großen Glück

Das Aktionsprogramm „Glücksspielsucht“ am Berufsbildungszentrum Homburg zeigt auf spielerische Weise die Risiken des Glücksspiels auf. Das konnten Schüler nun selbst beim Roulette erfahren – durch Pech im Spiel.

Für Saskia Müller lief gestern Morgen alles im schlechtesten Sinne nach Plan. Schon ihre ersten beiden Einsätze am Roulette-Tisch bringen Gewinne. Das hebt die Laune, nicht nur bei Saskia - sondern auch bei den beiden Croupiers Ralf Dittgen und Christine Maurer. Beiden wissen: Die Bank gewinnt immer am Ende.

Und so kommt es dann auch. Angespornt vom ersten Glück setzt Saskia immer wieder, zuerst, um noch mehr zu gewinnen, später, um die Verluste wieder reinzuholen, darunter auch das Handy ihrer Freundin Leonie Roos. Wieder und wieder dreht sich das Rad, die Liste dessen, was Saskia verliert, wird immer länger. Und was machen die beiden Croupiers ? Sie spielen gekonnt auf der Klaviatur der Verführer, locken, machen Lust - und kassieren ab. Am Ende hat Saskia nichts mehr, außer der Erkenntnis, dass sich Glücksspiel nicht lohnt, weil es alles macht, nur nicht glücklich.

Gut für Saskia: Alles ist in der Tat nur ein Spiel, ein Teil des Aktionsprogramms "Glücksspielsucht " am Berufsbildungszentrum Homburg . Ralf Dittgen und Christine Maurer geben die geldgierigen Lustmacher mit einiger "krimineller Energie", als Kreis-Jugendpfleger und Mitarbeiterin von "Praesent", der Fachstelle für Suchtvorbeugung und -beratung der Arbeiterwohlfahrt , soll ihr Auftritt am mitgebrachten Roulette-Tisch Schülern wie Saskia so klarmachen, welche Gefahren hinter dieser Jagd nach dem Glück stecken.

Und diese Gefahr ist groß für die, die aus welchen Gründen auch immer es nicht schaffen, für sich selbst eine Grenze zu ziehen. Ralph Dejon von Praesent, auch er gestern einer von denen, die aufklären: "Ein Süchtiger spielt, weil er spielen muss, er hat keine Alternative mehr. Und selbst, wenn eigentlich alle Gründe dagegen sprechen, wird er seine gesamte Energie darauf verwenden, wieder 'zum Zuge' zu kommen."

Dass das Team von "Praesent", unterstützt von Mitarbeitern des Saarpfalz-Kreises, gestern Gast des Berufsbildungszentrums ist, ist für dessen Schulleiter Norbert Moy folgerichtig. "In Zeiten des Internets mit Angeboten wie Online-Poker hören wir von Eltern, dass ihre Kinder danach wirklich geradezu süchtig sind." Gefährlich sei hier vor allem, wenn junge Menschen bei solchen Glücksspielen am Anfang gewännen, "denn dann werden sie gierig für weitere Gewinne". Damit beschreibt Moy genau das, was seiner Schülerin Saskia nur wenig später im Experiment am Spieltisch widerfährt. Und genau solche Erfahrungen sollen die Schülerinnen und Schüler für eben den Moment rüsten, in dem aus einem ungezwungenen Wunsch nach ein bisschen Spaß ein Drang wird, der für manchen dann nur noch schwer oder auch gar nicht zu beherrschen ist.

Dass man seitens der Aufklärer gestern eben auf Taten und nicht nur auf Worte setzt, das soll die Gefahr anschaulich machen. "Wir freuen uns darauf, hier am Spieltisch zu gewinnen - um den jungen Leuten zu zeigen, wie es im Leben gehen kann", beschreibt Christine Maurer ihren Auftritt als "Abzockerin". Und Ralf Dittgen ergänzt: "Wir machen klar, wie einfach es ist, verführt zu werden." Dass die beiden vor allen Augen das Spiel auch noch manipulieren, das scheint keinen der "Spieler" zu interessieren. Dittgen: "Und das gibt auch die Realität wieder, etwa im Bereich der illegalen Sportwetten." Saskia selbst ist sich gestern Morgen sicher, dass ihr das Leben einer Spielsüchtigen auf keinen Fall droht. "Ich spiele keine Glücksspiele!" Welch ein Glück.

Zum Thema:

Auf einen Blick In Deutschland gelten nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) 241 000 Menschen als problematische und 215 000 als pathologisch Glücksspielende. Am Mittwoch, 28. September, soll ein bundesweiter "Aktionstag Glücksspielsucht " mit ganz unterschiedlichen Informationsangeboten auf dieses Problem aufmerksam machen. thw