So wurden die Wildkatzen in der Mastau nachgewiesen

Methode Lockstab mit Baldrian : Wildkatze oder nicht: So läuft der Nachweis

Die äußerst scheuen Tiere lieben Baldrian und hinterließen an drei Lockstöcken in dem Gebiet ihre Haare.

Es war rund um den Besuch des Grünen-Bundespolitikers Cem Özdemir im Dezember bei der Bürgerinitiative „Erhaltet die Mast­au – gegen die B 423-neu“ eines der Aufregerthemen. Der Landesverband Saarland des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) hatte nämlich da gerade bekannt gegeben, dass hier, wissenschaftlich nachgewiesen, geschützte Wildkatzen unterwegs seien. Das sorgte naturgemäß bei den Gegnern der Umgehungsstraße für einigermaßen frohe Gesichter, während deren Befürworter Zweifel anmeldeten (wir berichteten).

Wie aber läuft so ein Nachweis für das Vorkommen eines Wildtieres überhaupt ab? Der BUND lieferte dazu Antworten in seinem offiziellen Bericht. Dazu gehört auch die Einordnung, die besagt: Der Nachweis der Wildkatze belege, dass das Gebiet von Wildkatzen aufgesucht werde. „Er gibt jedoch keinen Hinweis auf die Frequenz und die Intensität ihrer Anwesenheit. Als Fortpflanzungsraum erscheint die Mastau auf Grund fehlender Ruhezonen eher ungeeignet.“ Ein für Wildkatzen idealer Lebensraum bestehe aus Wald als Ruheraum, Offenland zur Mäusejagd und einem Gewässer. Mit dem Kirkeler Wald, der Blies und den Wiesen der Mastau seien diese Verhältnisse gegeben. So sei es denkbar, „dass die Wildkatze (regelmäßig?) aus dem Kirkeler Wald entlang der Blies mit ihrem Gehölzsaum als Deckung die Mast­au als Jagdraum aufsucht, womit die Bliesaue zum Revier mindestens einer Wildkatze gehören könnte“.

Neben der Funktion als Jagdgebiet könnte die Mastau auch Teil eines Wanderkorridors zwischen den von Wildkatzen besiedelten Gebieten Kirkeler Wald und Karlsbergwald sein.

Klar ist auch laut Bericht: „Der Einzelnachweis der Wildkatze in der Mastau klärt nicht, welche funktionale Bedeutung das Gebiet für die Wildkatze hat.“ Dazu seien weitere Untersuchungen erforderlich.“

Nachgewiesen hat man die geschützten Wildkatzen in der Mast­au mit der Methode „Lockstock“. Hierbei werden Holzpflöcke mit Baldrian besprüht. Wildkatzen mögen nämlich Baldrian, reiben sich dann am Holz und hinterlassen so Haare. Diese werden anschließend genetisch analysiert. So könne die Artzugehörigkeit des Tieres sicher nachgewiesen werden.

Ende April 2018 wurden drei Lockstöcke aufgestellt: zwei in der Mast­au sowie einer in Schwarzenbach. Sie seien mehrfach auf Haare kontrolliert worden. Die gefundenen Proben seien an das Senckenberg-Institut für Wildtiergenetik nach Gelnhausen versandt worden mit dem Auftrag, die Haare mittels Untersuchung der „mitochondrialen DNA“ auf Wildkatze zu prüfen.

Am 30. November erhielt der BUND das Ergebnis: An einem der Stöcke in der Mastau sei die Wildkatze nachgewiesen worden.

Wildkatzenvorkommen auf dem Stadtgebiet Homburgs seien übrigens seit längerem bekannt. Es gebe etliche Hinweise neben Beobachtungen wurden auch tote Tiere an und auf den Autobahnen A6 und A8 gefunden.

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