Osterbrücker Rennstar mit kurzer Karriere

Osterbrücker Rennstar mit kurzer Karriere

Osterbrücken. Den jüngeren Motorsportfans sagt der Name Oswin Zimmer nichts. Bei der älteren Generation aber hat er noch immer einen guten Klang. "Oswin Zimmer - das war doch der Rennfahrer, der mit seiner Maschine 1949 über den St

Osterbrücken. Den jüngeren Motorsportfans sagt der Name Oswin Zimmer nichts. Bei der älteren Generation aber hat er noch immer einen guten Klang. "Oswin Zimmer - das war doch der Rennfahrer, der mit seiner Maschine 1949 über den St. Wendeler Stadtkurs gedüst ist und den ersten Platz belegt hat", hört man von älteren Motorradfreunden, denen die Ereignisse der einstigen Rennsportstadt unvergesslich geblieben sind.Zimmer ist Jahrgang 1929 und stammt aus Dörrenbach. Seine Lebensgeschichte liest sich abenteuerlich und spannend wie ein Kriminalroman. Und immer dreht sie sich um Motoren in Landmaschinen und Traktoren, in Motorrädern und Autos. Schon mit 16 durfte er den Führerschein machen und mit einer Sondergenehmigung Traktor fahren. "Ich war bei der Landmaschinenfirma Klein in St. Wendel beschäftigt, hatte Landmaschinenschlosser gelernt und war im Außendienst", erzählt Zimmer. "Mein Interesse für Motoren war so groß, dass ich einem Nachbarn ein 98er-NSU-Motorrad mit drei Gängen abkaufte." Als er im Dörrenbacher Arbeitslager einige Russen beobachtete, die sich mit einem Miele-Motorrad abmühten, luchste er es ihnen gegen Corned Beef und Schnaps ab und setzte es daheim wieder in Gang. Kurz später tauschte er das Fahrzeug in Werschweiler gegen eine 250er-NSU von der Wehrmacht ein. Weil Oswin Zimmer von dieser Maschine keine Papiere besaß, sie also nicht zulassen konnte, montierte er das Nummernschild von der 98er-NSU einfach um. Bei einer Fahrt fiel er in Tholey prompt auf. Franzosen beschlagnahmten die Maschine. In Saarbrücken besorgte er sich nicht ganz legal Papiere, bekam sein Krad zurück, startete 1948 in Frankreich bei Cross-Rennen.

1949 kam Zimmers großer Tag in St. Wendel. Auf dem Stadtkurs belegte er beim Maipokalrennen den ersten Platz unter vielen Saarländern, die an den Start gegangen waren. Auch 1950 war er dabei und landete 1951 mit einer 125er-Puch erneut auf Rang eins.

Schon bald gab Zimmer seine so verheißungsvoll angelaufene Rennfahrerkarriere auf. "Im St. Wendeler Motorsportclub liefen Sachen, die mir nicht gefallen haben", erinnerte er sich. "Ich hörte deshalb auf mit den Motorradrennen - aber auch wegen meiner Braut, die immer Angst um mich hatte." Das Interesse an den Motoren hat er sich aber bis heute bewahrt, auch wenn er keine Maschine mehr besitzt. Und dass er im vergangenen Jahr zu den Mitgründern der MCW-Motorsport-Historikern gehörte, war für ihn selbstverständlich, war er doch schon Mitgründer des legendären MCW. Wenn die Historiker im August im Wendelinuspark eine Großveranstaltung aufziehen, will sich Zimmer erneut auf eine Rennmaschine setzen und nach über 60 Jahren eine Ehrenrunde über den Stadtkurs drehen. gtr