Esprit, Witz und bitterböse Satire: Neunkirchen liegt wieder am Broadway

Esprit, Witz und bitterböse Satire : Neunkirchen liegt wieder am Broadway

Bis 12. August gibt das Musical-Projekt Neunkirchen in der Gebläsehalle erneut „The Producers“. Die SZ war bei der Generalprobe.

Es ist jedes Mal der selbe Zauber, der die eingefleischten Fans des Neunkircher Musical-Projektes (und nicht nur die) überkommt, wenn sie an einem Tag im August die Neunkircher Gebläsehalle betreten. Traditionell am Wochenende vor Beginn des neuen Schuljahres geht es los. Acht Vorstellungen sind es auch in diesem Jahr, die die 100 Ehrenamtlichen auf und hinter der Bühne stemmen. Gezeigt wird: „The Producers“. Das Stück von Mel Brooks, das bereits im vergangenen Jahr für acht Mal ausverkauftes Haus sorgte und die Zuschauer von den Sitzen riss. Wer gerne vorm Besuch ein paar laufende Bilder sehen möchte, dem sei eine Busfahrt empfohlen. Denn in den Bussen der Neunkircher Verkehrs Gesellschaft stimmt seit Wochen einer der Linienbusse ein auf diese Show voller Esprit, Witz und bitterböser Satire.

Musik und Gesang stammen von Meister Mel Brooks persönlich, der hat zusammen mit Thomas Meehan auch das Buch geschrieben, Originalregie und -choregrafie stammt von Susan Stroman. Bekanntermaßen sind die Neunkircher das erste Amateur-Ensemble, das das Erfolgsstück — „The Producers“ hat zwölf Tonys gewonnen, den „Bühnen-Oscar“ — in Deutschland auf die Bühne bringt. Und das haben die Neunkircher Verantwortlichen Matthias Stockinger (Inszenierung), Ellen Kärcher (Künstlerische Leitung und Choreografie) und Franceso Cottone (musikalische Leitung) in diesem Jahr noch ein Stück spritziger, schneller, runder geschafft, als es im vergangenen Jahr sowieso schon war.

In die Hand spielt den Verantwortlichen da natürlich das mittlerweile eingespielte Team. Lediglich eine Neubesetzung gab es: den Carmen Ghia spielt Thorsten Sprengart und die bezaubernde Ulla gibt in diesem Jahr nur Rebecca Bruckmann (vergangenes Jahr war doppelt besetzt). Wie gut das Zusammenspiel klappt, das hat sich beispielsweise gezeigt, als während der Generalprobe beim Rollator-Tanz der alten Damen die Musik ausfiel. Da die Damen unbeirrt ihren akrobatischen Tanz weiter tanzten, fiel das den 300 Generalprobe-Gästen gar nicht auf, dass da etwas schief gegangenen war. Wobei die Musik: Hier vollbringt Cottone wahre Meisterwerke – er dirigiert die im Nebenraum live spielende Band, ebenso die Akteure via Bildschirm, spielt Keyboard und sorgt für die Einspielung der wenigen Playback-Teile. Aber auch auf der Bühne geben alle alles. Die vielen Akteure, die in wechselnden Kostümen tanzen, singen und wenn sie nicht selbst auf der Bühne sind teils den Background-Chor machen, sowieso. Wer es schon gesehen hat, der wird sich auch auf ein Wiedersehen mit den Hauptfiguren freuen. Alle anderen dürfen in gespannter Erwartung sein. Markus Müller als Max Bialystock meistert seine anspruchsvolle Paraderolle ebenso mit Bravour wie sein schüchterner und entzückend einfältiger Partner Leo Bloom. Ob tuntig grazil im neuen langen Silberkleid oder als aus der Not geborener originellster Hitler-Darsteller aller Zeiten: Philipp Schwindlung als Roger DeBris ist einfach grandios köstlich. Wie auf den Leib geschrieben ist die Rolle von Frank Müller. Sobald der ewig gestrige Tauben züchtende Franz Liebkind auf der Bühne erscheint, mutiert er zum Publikumsliebling.

„Horch, da spielt von fern die Blasmusik“ — Franz Liebkind alias Frank Müller, weiß, wie’s richtig geht. Foto: Jörg Jacobi
Roger DeBris alias Philipp Schwindling hat Visionen, unter anderem vom Tony. Sein Rezept: „Mach es warm.“ . Foto: Jörg Jacobi
Das kann der biedere Rechnungsprüfer Leo Bloom alias Nicolas Schneider kaum fassen: Produzent Max Bialystock alias Markus Müller hat seine ganz eigene Art, von älteren Damen Geld für seine Produktionen zu bekommen. . Foto: Jörg Jacobi
So hat sich Leo Bloom (Nicolas Schneider) die Zukunft vorgestellt. Kein Wunder, wenn er sich wünscht: „Ich wär’ so gern ein Producer.“. Foto: Jörg Jacobi
Carmen Ghia alias Thorsten Sprengart ist entzückt von Rogers Kleid. Foto: Jörg Jacobi
„Was du hast, das zeig auch“ — dieses Motto hat Ulla Inga Hansen Benson Yonsen Tallen-Hallen Svaden-Svanson alias Rebecca Bruckmann von ihrer Mutter gelernt. Max Bialystock (Markus Müller) und Leo Bloom (Nicolas Schneider) sind begeistert. Foto: Jörg Jacobi
„Griass die Gott-Pitsch-Patsch“ Franz Liebkind alias Frank Müller macht es den Producern vor, Leo Bloom und Max Bialystock lernen noch. Foto: Jörg Jacobi

Nicht nur die Bühnenmeister Thomas Hoheisel und Daniel Gräsel oder Regieassistentin Sibille Sandmayer dürften längst die Lieder als Ohrwurm mit sich herumtragen. Die hat man nämlich hier ganz schnell. Allerdings: lieber nicht im öffentlichen Raum laut grölen. Aus dem Zusammenhang gerissen könnte diese wunderbare Verhöhnung der Nazis dann vielleicht doch zu unbeabsichtigten Missverständnissen führen...

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