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Wie geht es weiter mit der Fark: Bleibt die Fark dem Landkreis erhalten?

Wie geht es weiter mit der Fark : Bleibt die Fark dem Landkreis erhalten?

Veranstalter ziehen positives Fazit und verkünden Rekordzahlen, wünschen sich aber mehr Unterstützung vonseiten der Politik.

Mit weit über 40 000 Besuchern ist der Fantasie- und Rollenspiel-Konvent, die Fark, zur größten Veranstaltung des Saarlandes aufgestiegen. Das ist eines der positiven Fazite, die die Veranstalter beim Abschluss der Messe am Sonntagabend zogen. Logisch, dass es damit auch „die beste und größte Fark ist, die wir je hatten“, wie es Ideengeber, Organisator und Kopf des ausrichtenden Vereins Fit4Charity, Benjamin Kiehn, gegenüber der SZ nannte.

Dass er allen Grund hat, stolz auf das zu sein, was er hier geschaffen hat, das zeigte die stattliche Summe von 55.000 Euro an Spendengeldern. Ursprünglich waren es 54,816, aufgestockt nach Bekanntgabe von einem unbekannten Spender. Das brachte ohrenbetäubenden Jubel von vor der Bühne, Tränen und jede Menge Umarmungen auf der Bühne. Mit jeder Menge Auszeichnungen, wie einem Zeitreisepass, würdigte der Moderator des Abends, Zauberer und „Gründungsmitglied“ Kalibo, alias Kai Borchert, den Erfolg. Schließlich ist er vom Amt für Aetherangelegenheiten zum Minister für Zeitreisen ernannt worden und darf derlei Auszeichnungen übergeben.

Mitglieder des Amtes hatten gemeinsam mit weiteren Steampunkern, mit Endzeitlern, Drachen, Zombies, Fantasy-Figuren quer durch die Science-Fiction-Literatur und vielen anderen Teilnehmern der Fark an der abschließenden Cosparade vor der offiziellen End-Veranstaltung auf der Bühne teilgenommen, jeder einzelnen Gruppe dankten die Veranstalter. Denn: Den großen Schuh des Erfolges alleine tragen, das möchte Kiehn nicht. Den Dank gab er deshalb von der Bühne aus weiter: an die Besucher, die die hohe Spendensumme zusammengebracht hatten, an die vielen Sponsoren - darunter Prowin, mit alleine 25.000 Euro der Hauptsponsor, und vor allem an die 120 Helfer, die so genannten Fark-Ranger. „Ihr seid das Herz, der Arm und die Seele dieser Fark“, brachte es Kalibo zusammenfassend auf den Punkt.

Aufbau, Müll-Beseitigung, Kloreinigung - sie waren überall dort, wo sie gebraucht werden. Für sie war die Fark dann auch noch nicht wirklich zu Ende. Während die Steampunker, Mittelalter-Freaks, Endzeitler, Samurai und all die anderen im wahrsten Sinne des Wortes ihre Zelte abbrachen, hatten sie noch über 70 Stunden Arbeit vor sich: den Abbau eben. Und weil man jede helfende Hand brauchen kann, ist der Verein um jedes weitere Mitglied froh. „Werdet Teil von etwas Großem“, rief Kiehn auf, „wenn ihr keine Angst davor habt, 24 Stunden kostenlos zu arbeiten“. Schließlich unterstrich Kalibo, sind es die Fantasten, die die Welt verändern.

Ob die Fantasten die Welt auch weiterhin vom ehemaligen Grubengelände in Reden aus verändern, steht noch in den Sternen. Klaus Schulz aus Aachen, dem die SZ am Abschlussabend bei der Suche nach der Parade geholfen hat, war drei Tage lang mit seinem Sohn hier („Es hat sich sowas von gelohnt - da macht auch die vierstündige Heimfahrt nichts.“) hatte beispielsweise gehört, dass man in zwei Jahren nach Saarbrücken gehe. Benjamin Kiehn möchte gerne mit seiner Veranstaltung in Reden bleiben. Allerdings: „Es gibt diverse Hürden, die entweder die Politik ausmerzt und für Planungssicherheit sorgt, oder es wird die Standortfrage gestellt werden“, sagte er zur SZ. Will sagen: etwas mehr Unterstützung von Land, Kreis und Gemeinde, vor allem auch in „kleinen“ Dingen, wäre sicherlich willkommen.

Die Gerüchte, die auch der Herr aus Aachen gehört hat, sind schon länger im Umlauf. So soll sich die Stadt Saarbrücken offenbar, wie zu hören ist, alle zehn Finger nach der Veranstaltung lecken und dafür auch zu so einigem bereit sein. Die Teilnehmer hingegen finden das Ambiente in Reden „optimal, das passt super hierher“, um als Beispiel Steampunk-Teilnehmer Simon Hirth aus München zu zitieren. Oder auch Besucherin Monika Nikolaus aus Neunkirchen, die findet: „So eine wunderbare Umgebung, das hätte ich gar nicht erwartet.“

Eines jedenfalls ist klar: Bis Mitte Oktober muss die Standortfrage geklärt sein. Dann wird sich entscheiden, ob die Fark, die größte Veranstaltung des Landes, möglicherweise in die Landeshauptstadt abwandert oder ob der „Highway to Fark“ auch 2019 nach Reden führt. Vielleicht gilt ja auch hier, was zum Abschluss der stimmungsvollen Bühnenshow Kiehn den Menschen mit auf den Heimweg gab: „Don‘t stopp believing - glaubt an euch und eure Sache, so wie ich es getan habe. Denkt immer daran: Wir waren vor fünf Jahren noch die kleine hässliche Schwester und heute sind wir die Braut mit der jeder tanzen will.“