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Kolumne zum Ausfall der Fastnacht

Kolumne Ach was?! : Mit Erwin und dem Sultan nach Knieritz an der Knatter

Warum ein Fastnachtsmuffel traurig darüber ist, dass die Fastnacht ausfällt.

Bei der Fastnacht hört der Spaß auf, wird ja gerne mal gesagt. Stimmt nicht. Das Gegenteil ist der Fall: Ohne Fastnacht hört der Spaß auf. Nämlich der Spaß, den Muffel wie ich Jahr für Jahr haben, wenn sie ordentlich über das ganze Heiterkeitsgedöns herziehen können. Das Geschunkel, die ollen Verkleidungen, die schief sitzenden Schiffchen auf den Köpfen der Elferräte. Das Alleh, das Hopp, das Hei und das Joo, und überhaupt. Da gibt es reichlich, worüber man sich mit Gleichgesinnten auslassen kann (um dann an Rosenmontag doch mit zwei Atü in der Birne die Wunderschönheit des Umzugs und dieses Tags zu feiern und sich mit alten Kumpels hinter Erwins Schultern zu klemmen um in Richtung Blankenese aufzubrechen – aber das tut hier nichts zur Sache). Und dieses Jahr? Nix, keine Fastnacht. Nicht in Knieritz an der Knatter und auch nicht in Rio. Kein durstiger Sultan, keine Pferde auf dem Flur, kein Humpa, nicht mal ein klitzekleines Täterä. Alle gucken in die Röhre: die Bumbelbacher Bumbeskäpp, die Schnorreszuppler aus Schwemmelsheim, die Frankelautrer Fleischkäspittscher und wie sie alle heißen, die Frohsinnsvereine, für die es am Fetten Donnerstag eigentlich erst so richtig los geht. Und die uns hochnäsigen Fastnachtsverächtern stets Stoff für Häme und Spott liefern. Sie treiben sogar viele dazu, in andere Landstriche zu flüchten, wo man Luftschlangen für eine bedrohte Tierart hält. Aber daraus wird ja in diesem Jahr auch nichts. Ach, es ist alles ganz fürchterlich. Daher, ihr lieben Fastnachter, wünsche ich euch und uns, dass ihr im kommenden Jahr wieder all das machen könnt, was euch in diesem Jahr versagt bleibt. Dann habt ihr euren Spaß und wir auch. Und jetzt nicht mehr traurig sein. Ihr wisst ja: Heile, heile Gänsje, ’s werd bald wieder gut...