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Videodreh bei der Neunkircher VHS: Fantasievolle Ferien im Filmstudio

Videodreh bei der Neunkircher VHS : Fantasievolle Ferien im Filmstudio

„Drehe deinen eigenen Videofilm“, dieses Angebot der Neunkircher Volkshochschule für Jugendliche kommt gut an. Die SZ war dabei.

„Wer hat denn schon einen Plan“, fragt Kursleiterin Françoise Fournelle in die Runde. Xenia meldet sich: „Also, ich bin nicht krimininell.“ Sagt die Frau, die Bürgermeister Schulz um zehn Millionen Euro erleichtert, um sie angeblich binnen eines halben Jahres zu verdoppeln. Xenia spielt diese Gaunerin, und so wie es scheint, geht sie voll in ihrer Rolle auf. Genau wie Tom, der den Superagenten mimt oder „Kommissarin“ Hanna. Willkommen beim VHS-Kurs „Drehe deinen eigenen Videofilm“.

Der gehört zur Kinder- und Jugendoffensive der VHS Neunkirchen. „Wir versuchen verstärkt, Themen für Jüngere aufzugreifen“, informiert VHS-Leiterin Elke Leonhardt-Jacob. Wofür es zwei Kriterien gibt: „Erstens muss es Spaß machen.“ Und zweitens wäre es immer auch gut, wenn das Angebot irgendwie zu Neunkirchen passt. Wie dieser Kurs, der in einer Musical- und Filmstadt, die mit dem Günter-Rohrbach-Preis dabei ist, sich einen Namen in der Filmbranche zu verschaffen, bestens aufgehoben ist.

Cineastisch dürfte „Der komplizierte Fall Schulz“, so der Arbeitstitel des etwa zehnminütigen Videos, zwar nicht der Riesenbringer werden. Aber ein Gefühl fürs Große-Ganze springt in jedem Fall raus. „Die Jugendlichen erhalten ansatzweise ein Verständnis dafür, was es an Abläufen am Film-Set hat“, sagt Françoise Fournelle, gelernte Mediengestalterin Bild/Ton, die als Dozentin bei Workshops sowie Referentin der Landesmedienanstalt Saarland tätig ist. Letzten Sommer hielt sie zum ersten Mal diesen für eine Woche konzipierten Kurs, auch damals war er gut besucht. Entschieden hatten sich die jungen Filmemacher damals wie heute für einen Krimi als Rahmenhandlung.

„Zunächst sammeln wie Ideen und sprechen darüber, wie diese im Film realisiert werden.“ Mit das Wichtigste für die Kinder ist immer die Rollenfindung, wer spielt wen. Wer will, kann sich verkleiden, dafür hat Françoise Fournelle einen kleinen Fundus an Perücken, Hüten, Sonnenbrillen und ähnlichem dabei. „Dann wird die Story festgeklopft.“

Geeinigt hat man sich auf eine Betrugs- und Erpressungsgeschichte. Darin kommt Bürgermeister Schulz nach einem Sporthallenbrand in die Verlegenheit, pleite und damit handlungsunfähig zu sein - weil er ja die ihm anvertrauten Gelder zum „Vermehren“ an Sabine Hering („so lautet mein Tarnname“, lacht Xenia) verliehen hat. Woraufhin etliche Agenten auf den Plan treten und das Chaos perfektionieren.

Von der Idee bis hin zum Schnitt übernehmen die sieben Kids im Alter von zehn bis zwölf Jahren abwechselnd den Part des Darstellers, Regisseurs, Kameramanns oder Cutters. Nebenbei vermittelt ihnen die Kursleiterin etwas Theorie: Wann wählt man Detail- oder Nahaufnahmen, was hat es mit den Perspektiven auf sich, was ist eine Totale, was eine Halbtotale und wie kommt der Ton zum Film. Denn aufgenommen werden Bilder und Ton separat. „Wir sagen zum Beispiel auch: Film ab, Kamera läuft und klatschen“ – alles wie bei einem richtigen Dreh, „fürs echte Film-Feeling“.

„Mein Papa hat erzählt, dass es so eine Kurs gibt“, erzählt Illtalgymnasiastin Hanna (11). „Es ist sehr interessant, wie man Filme dreht.“ Um nicht allein zu sein, überredete sie ihre Freundin Lina (12), mitzumachen. Die bereut ihre Zusage nicht. „Es hat Spaß gemacht.“ Für sie sei es keine große Überwindung gewesen, vor der Kamera frei zu spielen. „Nein, ich musste mich nicht überwinden.“ Auch Benjamin (10) fühlte sich spontan angesprochen von dem Kurs. „Ich kuck viel Fernsehen oder Youtube“, am liebsten Serien wie „The Boss Baby“. Ob er später mal zum Film gehen will, weiß er noch nicht. Aber das Drehen mit der Kamera und das Schauspielern hat dem Schüler der Schillerschule richtig Laune gemacht.

So, dann also noch mal zum Abspann. In den wollen die Teilnehmer Mini-Interviews aller Darstellern integrieren: „Ihr erzählt die Geschichte aus eurer Sicht“, erläutert Françoise Fournelle. „Wer fängt an?“