1. Saarland
  2. Neunkirchen
  3. Eppelborn

Humes: Ein Dorf rettet seine Kirche

Humes: Ein Dorf rettet seine Kirche

Viele Humeser Bürger wollen auf ihre Kirche nicht verzichten. Für die dringend notwendige Dachsanierung sind 240 000 Euro gesammelt worden.

An der Kirche Maria Himmelfahrt kommt kein Humes-Besucher vorbei. Ihr wuchtiger Turm zieht die Blicke auf sich, sei es von Durchreisenden oder Gottesdienstbesuchern. Und derer gibt es immer noch bemerkenswert viele, wie Günter Britz zu berichten weiß. Am letzten Zähltag seien 344 Besucher im Gottesdienst gewesen, und dies bei 440 Plätzen. Das sei spitze bei den Besucherzahlen im Dekanat, sagt Günter Britz. Seit 49 Jahren ist der Humeser im Verwaltungsrat der Kirchengemeinde. Anfang April wurde er vom Bistum sogar zu dessen Vorsitzenden benannt, was normalerweise dem Pastor vorbehalten ist. Und als solcher stellte er unserer Zeitung ein Großprojekt vor, auf das der 1750-Seelen-Ort stolz sein darf.

Mit einer gehörigen Portion Ausdauer, mit Überzeugungskraft auch bei auswärtigen Sponsoren und in gemeinsamer Kraftanstrengung haben es die Humeser geschafft, den vom Bistum geforderten Eigenanteil für eine Sanierung des Kirchendaches und der Naturwerksteine aufzubringen. Maßgeblich dazu beigetragen hat der Förderverein unter dem Vorsitz von Georg Schwarzkopf.

60 Prozent Zuschuss war der katholischen Kirchengemeinde in Aussicht gestellt worden, wenn diese 40 Prozent selbst stemmen kann. Bloße Lippenbekenntnisse reichten hier natürlich nicht. Bereits im Jahr 2009 war die Sanierung des Kirchendaches zumindest gedanklich in Angriff genommen worden auf Empfehlung des Bistumsarchitekten Robert Mitchell. Damals waren 280 000 Euro veranschlagt. Heute, sagt der verantwortliche Architekt Stefan Klein, dessen Merchweiler Büro bereits mit etlichen Kirchensanierungen beauftragt worden ist, kostet die gesamte Maßnahme 575 000 Euro. 335 400 Euro übernimmt das Bistum, die Kirchengemeinde bringt 240 000 Euro auf, etwas mehr als 40 Prozent.

Ein ganzes Team ist in das Projekt involviert, neben dem Architekten auch Tragwerksplaner, das Institut für Steinkonservierung, Sachverständige für Schiefer usw.

Die Kirche Maria Himmelfahrt, in ihrem Ursprung ein Werk des Architekten und Kunsthistorikers Lambert von Fisenne/Gelsenkirchen, steht unter Denkmalschutz. Sie wurde errichtet in den Jahren 1896 bis 1898 von der Firma Ackermann in Hillesheim/Eifel. Eingesegnet wurde sie 1898, die Konsekration durch Weihbischof Carl Ernst Schrod erfolgte am 13. Juli 1907. In den Jahren 1952/53 wurde die Ostanlage der Kirche nach Plänen des Völklinger Architekten Heinrich Bandel und des Saarbrückers Moritz Gombert um ein Joch und einen breit gelagerten großen Chorraum erweitert. Schon damals brachten sich die Bewohner von Humes, die zum überwiegenden Teil Katholiken waren und sind, mit Eigenleistung in das Bauvorhaben ein.

Über 1000 Quadratmeter Dachfläche sind jetzt zu sanieren, der 38 Meter hohe Turm bleibt ausgenommen. Dieser wurde bereits 1988 saniert. "Das Dach, das aus elf Teilflächen besteht, hat einige problematische Teile", sagt Stefan Klein. Alle Schieferplatten werden abgetragen und erneuert. Außerdem muss die Dachkonstruktion aus Stahlfachwerk ertüchtigt, das heißt gegen Sturm gesichert werden. Die hölzernen Sparren auf den Seitenschiffen müssen ausgetauscht werden, weil sie durchhängen. Auch der rote Sandstein hat über die Jahre gelitten. Er soll gereinigt und beschädigte Fenstergewände ausgetauscht werden. Allein die Gerüstplanung ist eine Wissenschaft für sich. Für die elf Bauteile muss eins ins andere passen, um Zeit und Kosten zu sparen. Jetzt, da die Finanzierung gesichert und die Genehmigung der Denkmalbehörde erteilt ist, kann die Ausschreibung erarbeitet werden. Die Ausschreibung soll über Winter laufen, sodass im Frühjahr 2018 mit der Sanierung begonnen werden kann. Ende 2018 soll diese abgeschlossen und mit einem großen Fest gefeiert werden. Petra Johänntgen, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, freut sich schon darauf. Und Günter Britz verspricht: "Das wird ein Fest, so hat's noch kenn's genn!"

Zum Thema:

Notdürftig repariert wurde irgendwann diese geschädigte Turmspitze des kleinen Turms im Seiteneingangsbereich der Kirche. Foto: Stefan Klein Foto: Stefan Klein
Das Foto zeigt den Firstbereich mit einem Dachbinder in Stahlkonstruktion und Dachsparren aus Holz mit aufgebrachter Brettschalung des Anfang der 1950er Jahre angebauten Querschiffs. Foto: Stefan Klein Foto: Stefan Klein

"Im Namen des Bischofs Josef Ackermann" hat der Generalvikar des Bistums Trier, Ulrich Graf von Plettenberg, am 17. Februar 2017 in einer Mail an Günter Britz geschrieben: "Der große Einsatz, um private Spenden zu erzielen und so die Eigenleistung allein auf Spendenbasis aufzubringen, ohne die Kirchengemeinde zu belasten, ist besonders anerkennenswert. Herzlichen Glückwunsch dazu an alle Beteiligten."