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Die Wirtschaft im Kreis Neunkirchen leidet stark unter Corona

Kurzarbeit im Kreis Neunkirchen : Corona löst Digitalisierungsschub aus

Die Wirtschaft im Kreis Neunkirchen leidet stark unter der Pandemie. Über 12 256 Menschen sind in Kurzarbeit gegangen.

Die Corona-Pandemie hat das Wirtschaftsleben über viele Wochen lahmgelegt. Neuerliche Corona-Ausbrüche wie in der deutschen Fleisch-Industrie lassen die Sorge wachsen, eine zweite Welle könne für ein neuerliches Einfrieren von gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Leben sorgen. Die Folgen der Pandemie sind aber auch so schon schwerwiegend. Klaus Häusler, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Kreis Neunkirchen (WFG), erklärt: „Das aktuelle Wirtschaftsleben im Landkreis Neunkirchen stellt sich nach der Wiederöffnung der Geschäfte, dem wöchentlich schrittweisen Restart von Gastronomie und Beherbergungsgewerbe und den sukzessiven Lockerungen der Kontaktbeschränkungen verhalten und nach ersten Rückmeldungen und meinen eigenen Beobachtungen von Branche zu Branche hinsichtlich Kunden- und Umsatzentwicklung unterschiedlich dar.“ Die finanziellen Einbrüche bei den Betrieben einzelner Branchen seien in den vergangenen Wochen schon sehr schmerzlich gewesen und von einem Normalniveau wie vor der Corona-Krise sei man noch weit entfernt. Dies belegten auch Zahlen und Prognosen der Wirtschaftsweisen und führender Wirtschaftsinstitute. Es gebe aber auch Unternehmen, die von Corona wirtschaftlich weniger betroffen waren. Der Wirtschaftsförderer: „Im Handwerksbereich waren nicht alle Unternehmen vom Lockdown betroffen.“ Friseurbetriebe zum Beispiel hatten Zwangspause, Handwerksfirmen imBau- und Ausbaugewerbe wie Dachdecker, Stuckateure, Boden- Estrichleger arbeiten weiter.

Der Wirtschaftsförderer spricht von 1239 Unternehmen, die seit dem Beginn der Pandemie Kurzarbeit angezeigt haben. Hinter dieser Zahl stünden 12 256 Menschen (Stand Ende Mai). Häusler: „Im gesamten Saarland waren dies zum gleichen Zeitpunkt 11 106 Unternehmen mit einer betroffenen Zahl an Arbeitsplätzen in Höhe von insgesamt 147 817 nach den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit sei deutlich zu erkennen. Die Zahlen der Arbeitsagentur wiesen im Mai einen Sprung nach oben aus. Im März hatte die Quote bei 7,0, im Mai dann schon bei 8,3 gelegen. Das waren 1,7 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Hinter der Quote stehen 5951 Frauen und Männer.

Wirtschaftsförderer Häusler ist sich sicher: „Das Instrument Kurzarbeitergeld hat aber einen noch stärkeren Anstieg abgefedert.“ Das von der Bundesregierung beschlossene Konjunkturpaket in Höhe von 130 Milliarden Euro – eine historisch einmalige Dimension, wie Häusler betont – werde in all seinen Teilaspekten sicher zur Ankurbelung der Wirtschaft beitragen. Auch die Landesregierung habe durch das „Zukunftspaket Saarland“ umfangreiche Finanzmittel zur Revitalisierung der Wirtschaft beschlossen und auf den Weg gebracht, um die saarländische Wirtschaft in allen Bereichen zu unterstützen.

Die WFG selbst biete seit ein paar Wochen Online-Beratungen und Webinare mit Netzwerkpartnern zu verschiedenen Themen an. Häusler: „Die WFG war im Landkreis Neunkirchen die erste im Saarland mit einem virtuellen Onlinesprechtag zum Thema Digitalisierung, bei dem individuelle Fragen der teilnehmenden Unternehmen beantwortet und alle Förderprogramme vorgestellt wurden.“ Corona habe bei allen Beteiligten einen großen Schub in Sachen Digitalisierung ausgelöst. Homeoffice, Telefonkonferenzen und virtuelle Meetings befänden sich auf dem Vormarsch. Die kommenden Wochen und Monaten müsse man abwarten und sehen, wie sich die regionale Wirtschaft beziehungsweise die Gesamtwirtschaft im Saarland und im Bund sukzessive entwickelten.

Häusler: „Die WFG wird weiterhin alle Unternehmen, Gewerbetreibenden und freiberuflich Selbstständige, wie zu Beginn der Corona-Krise, mit umfangreichen Informationen und Unterlagen zu Finanz- und Wirtschaftshilfen unterstützen.“ Sie werde aktive Hilfestellung bei der Beantragung der entsprechenden Fördermittel von Bund und Land oder dem zuständigen Ministerium und den öffentlichen Förderbanken wie KfW und SIKB leisten. Das werde in den kommenden Wochen unter anderem neue „Corona-Überbrückungshilfen“ und Bundesförderung für die Ausbildung betreffen.