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Ganztagsgemeinschaftsschule Neunkirchen wird Schule der Nachhaltigkeit

Große Freude in Neunkirchen : Ausgezeichnet: Nachhaltigkeit mit drei Sternen

Großer Bahnhof beim Festakt in der Aula der GGS Neunkirchen. Überzeugt hat die Jury das Komplettpaket auf allen Ebenen.

Mitten am helllichten Tag gingen im Wagwiesental nicht nur ein oder zwei Sterne auf – nein, die Ganztagsgemeinschaftsschule Neunkirchen macht gleich Nägel mit Köpfen. Auf Anhieb erhielt sie die höchstmögliche Anzahl Sterne und damit den Titel „Schule der Nachhaltigkeit***“.

Die Verleihung der Auszeichnung wurde klein, aber fein und vor allem hygienisch korrekt in der Aula der GGS gefeiert. Wie man dazu kommt, nachhaltige Schule werden zu wollen? „Mir hat ein Film die Augen geöffnet“, verriet Schulleiter Clemens Wilhelm. „Tomorrow“ nämlich, eine französische Dokumentation aus dem Jahr 2015, welche Lösungen aufzeigt zum Aufhalten des global drohenden ökologischen Kollapses. „Wenn wir die Welt verändern wollen“, funktioniert das nur „im Kleinen“. Und wo könne man „das Vertrauen in die Welt besser einpflanzen“ als in der Institution Schule?

Damit rannte Clemens offene Türen bei den Anwesenden ein, allen voran den Vertretern des Umwelt- und des Bildungsministeriums, die das Zertifikat verleihen – dieses Jahr an insgesamt sechs Schulen, Neunkirchen ist der zweite Preisträger überhaupt. Verdient haben sich das Kollegium, Schüler und Eltern mit einem ganzen Bündel Maßnahmen. So werden die Fünftklässler seit 2018 mindestens einmal pro Woche einen halben Schultag im Schulwald unterrichtet - im selbst gebauten Outdoor-Klassenzimmer, wobei Entdeckergeist, eigenes Zupacken und Ausprobieren im Vordergrund stehen. „Parallel zum Waldprojekt haben wir seit diesem Schuljahr die Forscherzeit Wald im Jahrgang 5 fest im Stundenplan verankert“, so Wilhelm. Gependelt wird, so oft es geht, mit den 30 schuleigenen Fahrrädern, Bäume wurden gepflanzt, eine Steuergruppe arbeitet an einem „Waldcurriculum“. Unterstützt wird die Schulgemeinschaft bei ihren „grünen“ Aktivitäten von Wald- und Wildnispädagogen, „unserem Schulförster“, einem Imker, einer Künstlerin und zwei ehemaligen Abiturientinnen, die ihr freiwilliges ökologisches Jahr an der Schule absolvieren.

An der Schule gibt es selbstverständlich auch eine Umwelt- und eine Upcycling-AG, Müll wird konsequent getrennt. Doch da geht noch viel mehr. „Wir verfolgen das Ziel, langfristig das Thema Nachhaltigkeit nicht nur in regelmäßigen Projekten umzusetzen, sondern fest in den schuleigenen Stoffverteilungsplan der verschiedenen Fächer zu etablieren“, betont der Schulleiter. Was durchaus von den Eltern honoriert werde. Etwa von Heike Sicurella, die als Ehrenamtskoordinatorin des mit der GGS NK kooperierenden Bund für Umwelt und Naturschutz als auch in ihrer Funktion als Elternvertreterin beim Podiumsgespräch interviewt wurde: „Meine zweitälteste Tochter hat hier Abitur gemacht (und studiert zurzeit in Südkorea) und weil an dieser Schule faire Behandlung, Fair Trade und Nachhaltigkeit schon immer Thema waren und nicht nur eine Modeerscheinung, habe ich bewusst auch meine beiden jüngeren Söhne hier angemeldet.“

Überzeugt hat das Komplettpaket letztlich auch die Jury - auf allen Ebenen: „Alle am Schulleben Beteiligten arbeiten engagiert am Thema Nachhaltigkeit“, lobte Isabelle Kiehn vom Bildungsministerium. „Direkt positiv aufgefallen“ seien die vielen Aktionen im Bereich Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) und die „strukturelle Implementierung der Waldklassen“. Besonders beeindruckt zeigte sie sich nicht zuletzt vom nachhaltigen Schulfest, für Isabelle Kiehn ein „weiterer Höhepunkt des Engagements“.

Zu den Gratulanten zählte neben Staatssekretär Sebastian Thul, der gerade erst Pate der schuleigenen Blumenwiesen-Challenge gewesen ist und den „Spirit“ dieser Schule hervorhob unter anderem auch Landrat Sören Meng. Er würdigte die Authentizität, mit der Nachhaltigkeit hier im Haus vorgelebt werde: „Das imponiert jungen Menschen.“

Oberbürgermeister Jörg Aumann bedankte sich bei der Gelegenheit im Namen der Neunkircher für die neuen Wildblumenflächen, die die Schule im Wagwiesental angelegt hat.