| 21:05 Uhr

Veranstaltung von Missbrauchsopfern in Trier geplant
Ist Ackermanns „Giftschrank“ abgesperrt?

Missbrauchsopfer im Bistum Trier haben noch viele Fragen an ihren Oberhirten Stephan Ackermann, die bisher unbeantwortet seien.
Missbrauchsopfer im Bistum Trier haben noch viele Fragen an ihren Oberhirten Stephan Ackermann, die bisher unbeantwortet seien. FOTO: dpa / Arne Dedert
Saarbrücken/Trier . Missbrauchsopfer im Bistum Trier und Pastoralreferenten fordern die Öffnung aller Archive durch den Bischof. Und die Nennung der Missbrauchstäter, die noch unerkannt ihren Dienst tun. Von Dietmar Klostermann
Dietmar Klostermann

Die Empörung unter den Missbrauchsopfern katholischer Geistlicher und in der Laienschar des Bistums Trier ist groß. 442 Opfer, 148 Priester als mutmaßliche Sex-Täter und nur 16 zu Haftstrafen Verurteilte im Sprengel seit 1946: Das Ergebnis der Missbrauchs-Studie der Deutschen Bischofskonferenz und die Aussagen von Bischof Stephan Ackermann haben bei Mitgliedern der Betroffenen-Initiative MissBiT (Missbrauchsopfer im Bistum Trier) und einigen Pastoralreferenten als Vertreter der Laien neben der Empörung viele unbeantwortete Fragen hinterlassen. MissBiT und Pastoralrefrenten fragen sich, warum das Ziel der Studie, die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der Kirche,  nicht erreicht worden sei. Statt  so transparent wie möglich eine umfassende Vollerhebung aller Fälle durchzuführen habe nur ein Bruchteil der Diözesen teilgenommen.


Wie ist das möglich?“, fragten gestern Thomas Schnitzler von MissBiT und Heiner Buchen, Pastoralreferent aus Saarbrücken. Beide kritisierten, dass nicht alle Akten zur Einsicht bereitgestellt worden seien. „Wurden zum Beispiel im Bistum Trier alle Dokumente ausgehändigt? Ist der so genannte Giftschrank – das ist das Geheimarchiv der Kurie, zu dem nur der Bischof Zugang hat – geöffnet?“, fragten Schnitzler und Buchen. Der Leiter der Studie spreche von einer „Spitze des Eisbergs“. Was bedeute, dass viele Verbrechen, die an Kindern und Jugendlichen geschahen, bisher unbekannt geblieben seien. „Das bedeutet aber auch, dass immer noch unerkannt Täter als Priester im Einsatz sind“, betonten Buchen und Schnitzler. Sie wollen von Bischof Ackermann, dem Missbrauchsbeauftragten der Bischofskonferenz, wissen, welche Priester das sind. Im Saarland waren in den vergangenen Jahren mehrere Missbrauchsfälle etwa in Freisen, Homburg oder Lebach bekannt geworden.

Schnitzler und Buchen sehen einen Grund für das jahrzehntelange Vertuschen der Missbrauchsverbrechen katholischer Geistlicher an Kindern und Jugendlichen auch in einem „blinden Vertrauensvorschuss des Staates in die kirchlichen Institutionen“. Sie forderten von der deutschen Politik einen klugen Kontrollmechanismus einzuführen. Sie konstatierten eine schwere Glaubenskrise, in die Gemeinden und viele Gläubige geraten seien.



Die Initiative kündigte eine Veranstaltung unter der Überschrift: „Wir sind empört!“ für den 29. Oktober in Trier an. Angefragt seien Mitarbeiter der Studie, der Jesuit Klaus Mertes und der Bonner Kirchenrechtler Professor Norbert Lüdecke. Auch Missbrauchsopfer würden zu Wort kommen. Der Saar-Landtagsabgeordnete Sebastian Thul (SPD) sagte: „Kein Vertreter der Amtskirche ist dazu bereit, persönliche Verantwortung für das System des Wegsehens und der Vertuschung zu übernehmen.“ Die kirchlichen Strukturen, die den Missbrauch begünstigten, würden weiter bestehen.