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Wiedersehen mit Kreuzwegbildern

Zwei der restaurierten Kreuzwegstationen.
Zwei der restaurierten Kreuzwegstationen.
Morscholz. Nach einer wechselvollen Geschichte verschwanden die 14 Bilder des so genannten Nazarener Kreuzwegs aus der Kirche St. Wolfgang in Morscholz. An diesem Samstag sind die Bilder in einer kleinen Ausstellung wieder zu sehen. Erich Brücker

Vor genau 100 Jahren, am 21. März 1915, sind in der Kirche St. Wolfgang in Morscholz 14 Kreuzweg-Stationen aufgehängt und in der Sonntagsmesse von Pastor Anton Schmitz aus Wadern (denn die Pfarrei Morscholz gehörte bis Mitte 1936 zur Pfarrei Wadern) eingeweiht worden.

Diese Kreuzweg-Stationen hatte der Schreiner Johann Wollscheid, geboren am 21. Mai 1865, nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges ab Oktober 1914 in seiner Schreinerei gefertigt, wohl ahnend, was auf die Menschheit zukommen wird. Denn er hatte den Krieg 1870/71 als Kind erlebt. Die Rahmen der Kreuzwegstationen (90 mal 44 Zentimeter) waren aus Eichenholz, die Bilder Öldrucke im Nazarener Stil. Sie blieben bis 1934 in der Kirche hängen, wurden wegen Erweiterung des Gotteshauses entfernt.

Nach der erneuten Einsegnung der Kirche am 22. Januar 1935 durch Dechant Peter Klas wurden die Kreuzwegstationen wiederum zwischen den Fenstern der Kirche aufgehängt. Bis 1974 verblieben sie dort, mussten wegen erneuter Innenrenovierungsarbeiten wieder abgehängt werden und verschwanden in der Versenkung, blieben nach Fertigstellung der Kirche vermisst.

Unverhoffte Entdeckung


Erst 1993 entdeckte der Helmut Müller, Mitglied im damaligen Pfarrgemeinderat, die verschollenen Stationen über der Sakristei im Heizungsraum. Wegen einer unsachgemäßen Lagerung waren etliche Stationen stark beschädigt worden. Die Bilder waren teilweise eingerissen, es fehlten an den Eichenholzrahmen Teile und Kreuze sowie Inschriften.

Es gründete sich ein Freundeskreis Nazarener Kreuzweg, der mit Zustimmung von Pastor Heinrich Schlags die Stationen renovieren durfte. Die Holzrahmen konnten ausgebessert werden, leider waren die beschädigten Öldrucke nicht zu reparieren. Erst 1997 gelang es Gabi Lohrig vom gleichnamigen Fotogeschäft in Wadern, die Öldrucke zu reproduzieren und zu retuschieren. War der damalige Pastor Asbach zunächst zufrieden mit der Arbeit und den neu hergerichteten Stationen, entschied er zusammen mit dem Pfarrverwaltungsrat und Pfarrgemeinderat und teilte dem Freundeskreis im Januar 1998 mit, dass die Kreuzwegstationen künstlerisch nicht wertvoll seien und nicht in den neuen Kirchenraum passen.

Seit dieser Zeit werden die restaurierten Stationen und die Originale der früheren beschädigten Öldrucke bei einem Mitglied des Freundeskreises Morscholzer Kreuzweg aufbewahrt.

An diesem Samstag, 21. März, werden die sicherlich historisch wertvollen Kreuzwegstationen im Bürgersaal in Morscholz ab 14 Uhr (barrierefreier Zugang) in Erinnerung ihrer ersten Einsegnung vor 100 Jahren ausgestellt und können bis 17 Uhr bei Kaffee und Kuchen besichtigt werden. Der Erlös - freiwillige Spenden werden gerne angenommen - kommt der Auslandshilfe der Caritas im Bistum Trier zugute, die damit verfolgte Albino-Kinder in Tansania von der Straße holt und in Internaten aufwachsen lässt. Dazu soll körperlich und geistig behinderten Kinder in der Ostukraine geholfen werden.

Die Bilder wurden nach den alten Vorlagen detailgetreu bearbeitet. Fotos: Erich Brücker
Die Bilder wurden nach den alten Vorlagen detailgetreu bearbeitet. Fotos: Erich Brücker