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Nordsaarlandklinik
Selzer fordert Klinik im Hochwald

Seit Ende vergangenen Jahres ist die Waderner St.-Elisabeth-Klinik geschlossen.
Seit Ende vergangenen Jahres ist die Waderner St.-Elisabeth-Klinik geschlossen. FOTO: rup
Wadern. Dass ein potenzieller Standort im Nordsaarland in den Plan aufgenommen worden ist, schreibt Henry Selzer, Mitglieder der Task-Force, dem Engagement der Bürgerinitiative zu.

Ein Ziel haben sie klar vor Augen: ein leistungsfähiges Krankenhaus für den Hochwald. Dafür machen sich Henry Selzer, seine Mitstreiter von der Bürgerinitiative (BI) Nordsaarlandklinik und Waderns Bürgermeister Jochen Kuttler stark. Seit die Marienhaus GmbH Anfang Juni vergangenen Jahres das Aus für das St.-Elisabeth-Krankenhaus verkündet hatte, engagieren sie sich dafür, dass ein neues Haus im Nordsaarland hochgezogen wird.


Bestärkt in ihrem Kampf hat sie das Gutachten, das Ende vergangenen Jahres vorgestellt worden ist. „Die Expertise hat ja eindeutig dargelegt, dass ein solches Klinikum sowohl lebens- als auch zukunftsfähig ist“, sagt der Kreisvorsitzende der Grün-Alternativen Liste (GAL), der in der Bürgerinitiative mitarbeitet und mit drei weiteren BI-Mitgliedern in der Task-Force mitarbeitet. Jetzt liegt der neue Krankenhausplan auf dem Tisch, der die Nordsaarlandklinik in dem Plan festschreibt. „Die Aufstockungen bestätigen ja zuerst einmal einen Bedarf, erst recht bei bestimmten Abteilungen und medizinischen Bereichen“, kommentiert er den Entwurf. Dass ein potenzieller Standort im Nordsaarland in den Plan aufgenommen worden ist, schreibt er dem Engagement der BI Nordsaarlandklinik zu. Allerdings sei eine Voraussetzung daran geknüpft: Ein Träger wird gefunden. Was ihn dabei wurmt: „Eine nennenswerte Ini­tiative zur Findung eines Trägers bleibt aber eher der BI überlassen und soll nur von der Politik ‚unterstützt’ werden.“

Seine Forderung an die Politik: ein klares Bekenntnis zu einem Standort Nordsaarlandklinik und aktive Hilfe bei der Suche nach einem Träger. Die Politik muss nach seinen Worten aus der Erkenntnis heraus handeln, dass es absehbar ist, dass im Nordsaarland ein Versorgungsloch entsteht. Das wird nach seiner Einschätzung noch akuter, wenn die Fünf-Jahres-Garantie für Losheim ausläuft. Jetzt bereits müsse dieses ernste Problem systematisch angegangen und an der Realisierung einer Perspektive im Nordsaarland gearbeitet werden, damit die Klinik im Nordsaarland in sechs bis acht Jahren steht.

Wenige Tage, nachdem die Marienhaus GmbH angekündigte hatte, das Krankenhaus zu schließen, hat das Team unter Leitung von Stephan Kolling, Staatssekretär im Gesundheitsministerium, seine Arbeit aufgenommen. „Auch Waderns Bürgermeister Jochen Kuttler sitzt mit am Tisch, ebenso Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich sowie Träger und Verbände“, sagt Selzer. Mit 25 Leuten werde nach seinen Worten die Thematik Gesundheitspolitik im Allgemeinen und die Situation im Besonderen beackert, wie die Erstellung der Machbarkeitsstudie für die Nordsaarlandklinik. Dabei mische die Gruppe aus dem Hochwald den runden Tisch auf. „Ohne uns wäre es eine ruhige Veranstaltung“, verrät er.

„Unser Interesse ist, dass der Hochwald ein leistungsfähiges Krankenhaus erhält, und wir lassen in unserer Bemühung nicht locker“, gibt er die Marschrichtung seiner Gruppe vor. Dass sich ein solcher Neubau selbst finanzieren kann und keine Luftnummer ist, sieht er durch das Gutachten belegt. „Ab 30 Prozent Eigenanteil oder sonstiger Zuschüsse kann der Schuldendienst bedient werden, es werden schwarze Zahlen geschrieben.“ Und noch eines ist nach seiner Darstellung aus der Expertise herauszulesen: „Die kleinen Kliniken sind auf Dauer nicht haltbar“, sagt das Task-Force-Mitglied. Die BI geht nach Worten von Selzer davon aus, dass es mittelfristig sechs bis acht Krankenhäuser im Saarland geben wird. Eines der Häuser sollte dann im Hochwald stehen. „Es ist nicht nur für diesen Raum da, sondern für das gesamte Nordsaarland. Es geht auch um die Bereiche von Nohfelden bis nach Tholey. In diesen Gemeinden gibt es kein Krankenhaus. Daher ist der Standort in Wadern immens wichtig.“



Seine Befürchtung: In dem neuen Krankenhausplan werden die Zuteilungen ja nun in allen Standorten getätigt, ohne dass für das Nordsaarland schon eine Lösung in Sicht wäre. „Das stabilisiert eher die Unwucht in der Versorgung: die möglicherweise eher überversorgten Achsen.“ Als Beispiele nennt er die Saarachse und die Achse St. Ingbert, Neunkirchen, Homburg und Ottweiler. „Diese werden noch überversorgter, und das Nordsaarland bleibt außen vor.“ Zudem macht die bereits erfolgte Zuteilung die Perspektiven für eine Nordsaarlandklinik nach seiner Ansicht nicht leichter.

„Die laufende Zentralisierung mit der Tendenz zu Großkrankenhäusern wird so noch verstärkt“, argwöhnt der Kreisparteichef der GAL. Die Politik lasse so den „Markt“ gewähren und komme nicht genügend ihrer Aufgabe nach gleichmäßiger Grundversorgung nach. „Dabei wäre es doch die Aufgabe der Politik, die Standorte so zu steuern, dass sie im gesamten Land gleichmäßig verteilt sind.“

Henry Selzer
Henry Selzer FOTO: rup