Informatikzentrum Schloss Dagstuhl präsentiert zeitgenössische Kunst

Ausstellung im Schloss Dagstuhl : Wo sich Wissenschaft und Kunst ergänzen

Im Schloss Dagstuhl ist nicht nur die Informatik zu Hause. Es bietet auch Platz für Kunst. Derzeit stellt Gisela Zimmermann im Schloss aus.

Am Fuß der Burg Dagstuhl bei Wadern, deren bizarre Ruine heute noch an die ritterlichen Kriegswirren des Mittelalters gemahnt, erbaute 1760 Graf Anton von Öttingen-Soetern-Hohenbaldern das Schloss Dagstuhl. Im Jahr 1961 übernahmen die Franziskusschwestern den Komplex und richteten dort ein Altenheim ein, das sich wirtschaftlich leider nicht rechnete. Also sprang 1989 das Saarland als neuer Besitzer ein, das im Schloss Dagstuhl bei Wadern das renommierte Leibniz-Zentrum für Informatik (LZI) etablierte. Jährlich kommen rund 2600 Wissenschaftler aus aller Welt zu Seminaren und sonstigen Veranstaltungen (siehe Infokasten). Neben der modernen Informatikforschung gehören auch wissenschaftliche Fort- und Weiterbildung sowie Wissenstransfer zwischen Forschung und Anwendung zu den Zielen und Aufgaben des Zentrums.

„Aber seit rund 24 Jahren sorgen wir auch mit kulturellen Angeboten wie der aktuellen Ausstellung von Gisela Zimmermann, die noch bis zum 11. Oktober läuft, für künstlerische Alternativen zu den gerade laufenden Fach-Seminaren mit eher nüchternen Titeln wie ‚Algorithms and Complexity for Continuous Problems’ oder ‚Advances and Challenges in Protein-RNA Recognition, Regulation and Prediction’.“ Der, der die SZ mit diesen Informationen anlässlich der jüngsten Vernissage versorgte, muss es eigentlich wissen. Immerhin gehörte Professor em. Reinhard Wilhelm zu den Mitbegründern des LZI.

„Seit etwa 24 Jahren stellen wir hier immer wieder mal Künstler aus der Region und darüber hinaus ihre Werke in unserem Kreuzgang aus, der sich in dem ehemaligen Kloster für solche Ausstellungen wirklich anbietet“, berichtet Wilhelm. Und als unbefangener Besucher von Schloss Dagstuhl kann man ihm nur recht geben: Das ganze Ambiente des architektonisch harmonisch mit dem restaurierten Schloss kombinierten Gebäudekomplexes, eingebettet in eine idyllische Landschaft, bietet Wissenschaftlern aus aller Welt neben der Forschung im weiten Spektrum der hochtechnisierten Informatik auch schöngeistige Abstecher in die völlig andere Welt der Kunst.

Wilhelm erzählt weiter: „Aber gerne begrüßen wir auch andere Besucher in unserer neuen Ausstellung mit großformatigen Bildern von Gisela Zimmermann, die als gebürtige Merzigerin Mitglied im Saarländischen Künstlerbund ist.“ Bei der Ausstellungseröffnung übernahm er schmunzelnd die Rolle des „Lob-Hudelers“ – und das sowohl in Deutsch als auch in Englisch. Während er die Arbeitsweise der heute in Saarbrücken beheimateten Malerin erläuterte – „in ihren großen Formaten soll sich der Betrachter frei bewegen“ –, erklang leise die Hintergrundmusik, die Gisela Zimmermann zu ihren Werken inspiriert, ohne die sie gar nicht arbeiten könne.

Ihre Malerei sei geprägt von dynamischen Prozessen im Akt der Entstehung, die der abschließenden Bildgestalt jene kraftvolle Aufladung verleihen, die den Betrachter in die expressiv gestalteten Farbräume hineinzieht, sagte Laudator Wilhelm. Die hohe Suggestivkraft ihrer Bilder ziehe Betrachter emotionalisierend in den Bann und fessele mit einer kaum vergleichbaren Wirkmächtigkeit und atmosphärischen Intensität. Davon konnten sich nach der Rede die Besucher der Ausstellungseröffnung beim Bummel durch den so empfundenen Kreuzgang selbst überzeugen.

Das gelte natürlich auch für die Wissenschaftler aus aller Welt, die gerade in diesem Zentrum für die Dauer der in der Regel einwöchigen Seminare wohnen, das bis zu 70 Gästen Platz bietet und in dem sie von der eigenen Küche versorgt werden. Mit dem erprobten Konzept und vielen Details wird so laut Wilhelm dafür gesorgt, dass alle Teilnehmer im LZI einerseits eine optimale Arbeitsatmosphäre vorfinden und sich andererseits auch mit solchen Kunstausstellungen auf andere Gedanken bringen lassen können. Daher dienten die Freizeitangebote der Kommunikation der Gäste untereinander. So gebe es beispielsweise im ganzen Haus keine Fernsehapparate, dafür aber beispielsweise Musikzimmer, Weinkeller und eine Sauna. Ferner werde den angereisten Wissenschaftlern nahegelegt, mindestens an einem Nachmittag der Seminar-Woche eine Wanderung in die traumhafte Umgebung des Hochwaldes zu unternehmen.

Mehr von Saarbrücker Zeitung