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Kappensitzung und Umzug bei den Fratzenmachern Wadrill

Wadrill : Höhepunkte aus der Vergangenheit bei der Kappensitzung

„Alles schon mal da gewesen“ – oder denglisch „Best of “: Unter diesem Motto interpretierten die wieder einmal in höchster Form agierenden Wadriller Fratzenmacher ihre Jubiläumssitzung. Mit rund 750 Närrinnen und Narren war die Festzelt-Narrhalla auf dem Dorfplatz anlässlich ihres 5-x-11-jährigen Vereinsjubiläum besetzt.

Das Jubiläum haben die Fratzenmacher, wie die vier Narren-Geburtstage zuvor, im Sommer gefeiert.

Bei der Sitzung blieb kein Auge trocken, keiner aus dem Narrenvolk blieb ruhig auf seinem Sitz, alle trieb es auf die Bänke und zuweilen auch auf die Tische. Mit frenetischem Beifall und Zugabe-Rufen wurden die vielen altbekannten Akteure, in deren Adern immer noch heißes Narrenblut fließt, auf der Narrenbühne wie Helden gefeiert. Oberfratzenmacher Christian „Festus“ Lauer führte gewohnt souverän durch ein voll mit viel Aktion gespicktes Narrenprogramm, musikalisch lautstark unterstützt von der saarländischen Liveband Die Konsorten.

Der Thronadel mit Prinzessin Claudia III. und Prinz Alfred I. und dem Kinderprinzenpaar Moritz Schmitt und Melina Marmitt sowie der Schirmherrin – keine geringere als Queen Elizabeth II. alias Max „Stumpen“ Barth – stimmten das Narrenvolk mit ihren Botschaften zur Jubiläumssession und -sitzung nach ihrem glorreichen Einzug ein. „Genießt euer Vereinsleben in vollen Zügen, denn das ist allererste Sahne“, gab die königliche Majestät den Fratzenmachern mit auf ihren weiteren Narrenweg.

Zu Ehren ihrer Majestäten wirbelten Tanzmariechen Emmy Konz, die große Prinzengarde, die Schautanz-Junioren als Neptun, Meerjungfrauen und viele bunte Fische sowie die Schautanz-Senioren, die in zurückliegenden gesanglichen Erinnerungen schwelgten, über die Narrenbühne. Das Männerballett durfte natürlich auch nicht fehlen, die Tänze der letzten elf Jahre boten die Jungs gekonnt und immer noch schwungvoll in Kurzform dar.

Mit Jaqueline Schuh und Yannik Fontaine stand der Nachwuchs der Fratzenmacher in der Bütt. Als zänkisches altes Ehepaar ließen sie kein gutes Haar am Partner. Schon vor 50 Jahren in der Bütt und heute immer noch ist Edi Koch, der diesmal ein Loblied angestimmt hatte auf die frühere sorgenfreie Jugend. „Unsere Generation hatte eine Jugend wie Pippilotta Viktualia Rollgardina Schokominza Efraimstochter Langstrumpf, heute darf kein Kind mehr Pippi Langstrumpf sein“, lautete sein Tenor.

Auch das Waderola-Duett stimmte lautstark Lieder und Begebenheiten aus ihrem Mottenkoffer an. „Wadrill wächst im Osten, Norden und Westen, aber Wadern will man nicht“, quälten Patrick Neumeyer und Christian Hans ihre Gitarrensaiten. Derweil ließen die Pilskäpp, auch schon ewige Zeiten mit trefflichen Pointen auf der Fratzenmacherbühne zu Hause, ihre Kalauer vom Lottoladen, vom Vogel der Nacht sowie von „vielen Wadriller Geschäften und den Kneipen voller Leit“ auf das Narrenvolk los.

Auch das Liedchen vom Waderner Schwimmbad, das ausnahmsweise mal an Heilig Abend geöffnet hatte und Polizei und Feuerwehr auf den Plan rief, durfte nicht fehlen. Erstmals auf der Bühne und seine Sache vortrefflich gut gemacht fand sich ein geplagter Ehemann (Detlef Junk), der im Festzelt schöne Frauen wie Porzellan vorfand, daheim aber Steingut aus dritter Wahl hatte.

Höhepunkte waren zweifelsohne die Auftritte der Büttenkanonen aus der Vergangenheit. Wahrsagerin Benny ließ diese nach einem Blick in die Zukunft des Vereins allesamt aufmarschieren. Der scheinheilige Engel Juppes (Franz Josef Barth) hatte seinen Gesang nicht verlernt, den Leuten auf das Maul zu schauen.

Flipper (Hans Werner Lauer) glänzte mal wieder mit seinen Witzen ebenso wie der Franzose Robäär (Robert Swenne), der sein „Agatt“ mal wieder trefflich durch den Kakao gezogen hatte. Türke Murat und Elfriede Grimmelwiedisch (Christian Lauer) gratulierte ebenso zum Geburtstag wie die Eiermänner (Klaus Schonarth und Günther Großmann), die mit ihren Witzen und Anekdoten wiederum glänzten wie zu ihrer aktiven Zeit.

Dass bei diesen Auftritten im Narrenvolk die Hoffnung aufkeimte, diese altbewährten Akteure bei den nächsten Kappensitzungen wieder erleben zu dürfen, war wohl selbstverständlich. Die Zeit wird es zeigen.

Könige und Königinnen aus Ägypten bevölkerten beim Jubiläumsumzug der Fratzenmacher die Straßen. Foto: eb

Mit einem großen Finale endete die Jubiläumssitzung nach fünfeinhalb Stunden voller Unterhaltung, wobei etliche der erschienen Narren anschließend die Nacht zum Tag werden ließen.