Die Tradition zum Erbsensonntag lebt

Die Tradition zum Erbsensonntag lebt

In Wadrill wird die Fastenzeit mit dem Lauf des Erbsenrades begonnen. Die Heimat- und Naturfreunde halten das Brauchtum aufrecht.

Mit dem kommenden Sonntag, 5. März, wird die Fastenzeit eingeläutet. Zugleich ist dieser erste Fastensonntag für die Wadriller Bevölkerung ein besonderer Sonntag, zumal er seit früherer Zeit auch Erbsensonntag genannt wird.

Dann lassen die Mitgliederglieder der Wadriller Heimat- und Naturfreunde wiederum älteste Vergangenheit aufleben, die bis in die Keltenzeit zurückreicht - der Lauf des Erbsenrades. Dieser Brauch wird seit einigen Jahrzehnten alljährlich von den Heimatfreunden gepflegt. Bei Anbruch der Dunkelheit gegen 19 Uhr rollen sie ein brennendes Strohrad, früher mit Erbsenstroh gewickelt (daher auch sein Name), von der Anhöhe Perscher Kopf bis in die Wadrill.

Mit diesem Brauch soll das Rad als Symbol der Sonne den Segen über Wiesen, Felder und Äcker bringen sowie für eine erfolgreiche Ernte sorgen.

Der ursprünglich heidnische Brauch wurde unter dem Einfluss der Kirche zur Neuzeit hin mit christlichen Symbolen ergänzt. Zwei Kerzen und ein Kreuz werden ebenfalls aus Stroh gewickelt und zunächst angezündet. Dann wird das Erbsenrad mit dem Kreuz angezündet und über eine 500 Meter lange Strecke von vier bis sechs Mitgliedern der Naturfreunde an einer Stange in die Wadrill getrieben. Zudem wird das Lied "Großer Gott, wir loben dich" angestimmt.

Alljährlich verfolgen unzählige neugierige Zuschauer auch aus der weiteren Umgebung von Wadrill dieses ebenso interessante wie spektakuläre Schauspiel.

Eine gute und gepflegte Tradition ist es auch, dass die Vereinsmitglieder bereits am Sonntagnachmittag im Dorf unterwegs sind, um Eier einzusammeln. Nach dem Erlöschen des brennenden Erbsenrades treffen sich Akteure, Bevölkerung und auswärtige Schaulustige in der Wadrilltalhalle zum Eieressen, aber auch zum Plausch miteinander.

Frühe schriftliche Zeugnisse über Brauchtum, in dem Feuerräder eine Rolle spielen, stammen aus Nordeuropa. In einem alten englischen Gedicht wird die Zeremonie wie folgt beschrieben: "Die Leute nahmen ein altes, verfaultes, nicht mehr benutztes Rad, umwanden es ganz und gar mit Stroh und Werg und trugen es auf den Gipfel eines Berges. Wenn es dunkel geworden war, zündeten sie es an und ließen es den Berg hinunter rollen, ein merkwürdiges und ungeheures Schauspiel. Man konnte meinen, die Sonne sei vom Himmel gefallen." Es ist schon erstaunlich, wie deutlich sich das in Wadrill gepflegte Brauchtum in solchen Beschreibungen widerspiegelt.

Mit dem Lauf des brennenden Erbsenrades soll der Winter vertrieben und für eine gute Ernte gesorgt werden. Fotos: Erich Brücker.

Sonne, Erde und Wasser gelten als die Urkräfte des Lebens. Das gemeinsame Wirken dieser drei Elemente sorgt für Wachstum und hält den Kreislauf auf Erden in Gang. Der Lauf des Erbsenrades ist die symbolische Verbindung dieser drei Elemente. Das brennende Rad ist das Symbol der Sonne. Ihre wärmende Kraft wird gleichsam vom Himmel herabgeholt, damit sie sich mit der Erde verbindet. Wenn das brennende Rad am Ende seines Weges im Bach erlischt, ist die dritte Kraft, das Wasser, eingebunden. Die drei Elemente sind zu einer gemeinsamen, Leben spendenden Kraft vereint. Außerdem sollte die Wärme der Sonne den Winter endgültig vertreiben und die Erde aus ihrem Winterschlaf wecken.

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