Hals- und Nasenbeinbruch

Von Verletzungen gebeutelt mobilisierte Handball-Oberligist HSV Merzig-Hilbringen am Samstag im Thielspark die letzten Kräfte. Die 27:28-Heimniederlage gegen Mülheim war unglücklich. Ein Remis wäre verdient gewesen.

Der Winkel ist zu spitz, die Wurfposition schlecht, trotzdem muss es Marius Merziger wagen. Zehn Sekunden vor Schluss liegt Handball-Oberligist HSV Merzig-Hilbringen am Samstag im Thielspark gegen den TV Mülheim mit 27:28 hinten und hat nach aufopferndem Kampf nun die letzte Chance auf ein Remis. Und weil die Zeit verrinnt, fackelt Merziger nicht lange, läuft von der rechten Ecke los, springt in den Kreis, zieht ab - und scheitert. 27:28 - es bleibt dabei und rund 200 Zuschauer verstummen.

Neuzugang fürs Wölfe-Rudel

"Da war mehr drin - schade", seufzt David Pfiffer, der auf der Tribüne mitfieberte. Eine Woche nach seinem Horror-Unfall sitzt der Rückraumspieler drei Meter von der Stelle entfernt, wo er sich im Bingen-Spiel nach einer unglücklichen Kollision einen Wadenbeinbruch zuzog. Die Operation verlief gut. Das dick bandagierte linke Bein tut noch weh, doch der Kummer über die personelle Notlage schmerzt mehr. "Fast ein komplettes Oberliga-Team schaut heute verletzt zu. Mein Bruder Lars, Laszlo Kincses, Christian Jung, Julius Rost und ich - unglaublich", klagt Pfiffer. Schlimmer geht's nimmer? Die zertrümmerte Nase von HSV-Torjäger Tomas Kraucevicius zeigt später - es geht.

Zum Spiel: Verstärkt mit Zweite-Welle-Oldie Sebastian Bochem und Neuzugang Lukas Fischer vom Saarlandligisten TuS Elm-Sprengen fiel die HSV-Rumpftruppe nach offenem Beginn (1:1, 3:3, 6:6) auf 9:12 (20.) zurück, kämpfte sich aber wieder heran. In der letzten Sekunde der ersten Halbzeit markierte Kraucevicius den 16:16-Pausenstand, bekam dabei aber den Ellbogen des bulligen Mülheimers Max Zerwas zu spüren und schrie auf. "Die Nase ist wohl gebrochen, aber gerade, also kann ich weiterspielen", stellte der Litauer nach kurzer Behandlung unbeeindruckt fest.

Fünf Minuten nach dem Wiederanpfiff kam er wieder aufs Feld und verkürzte auf 17:18. Die Gastgeber, die mangels Alternativen kaum wechselten, liefen dem Rückstand (18:20, 20:24) hinterher, gaben aber nie auf und wurden mit rhythmischem Beifall belohnt. In der 51. Minute bejubelte das Publikum das Tor-Solo von Kraucevicius zum 25:24 - in doppelter Unterzahl. Vom Kreis netzte Marcel Rudolph fünf Minuten später zum 27:26 ein. Es war der letzte Treffer für den HSV. Die entscheidenden Tore legte Mülheim nach. Die Schlüsselszenen: Beim Stand von 27:28 (59.) schloss Merzig in Überzahl überhastet ab. Dann scheiterte Merziger. "Toller Kampf, tolle Zuschauer - daran lag es nicht. Schuld waren leichte Fehler und die dünne Bank", resümierte Trainer Marcus Simowski enttäuscht. Fürs nächste Spiel kann man den Wölfen nur mehr Glück wünschen. Und besser nicht Hals- und Beinbruch. Ein Nasenbeinbruch reicht.

Die Tore für den HSV Merzig-Hilbringen: Tomas Kraucevicius (7), Norbert Petö (6), Sebastian Klein und Marius Merziger (je 5), Marcel Rudolph (2), Lukas Fischer und Maurice Duchene (je 1).

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Am RandeDas Saarlandliga-Spiel beim HC Schmelz vor gut sechs Woche hatten die Handballer des TuS Brotdorf knapp und unglücklich mit 24:26 verloren. "Wir hätten gewinnen müssen", haderte TuS-Trainer Thomas Schmitt damals. Diesen Sieg holte sein Mannschaft nun am Freitag im Pokal und vor eigenem Publikum nach. Angetrieben von 250 Zuschauern und mit einer mannschaftlich couragierten Leistung bezwangen die Wombats den Ligarivalen klar mit 26:19 (15:11) und wurde danach frenetisch gefeiert. Bester Torschütze war Patrick Stengel mit sechs Treffern. Am kommenden Sonntag um 17 Uhr empfängt der auf Platz neun liegende TuS in der Liga den TuS Elm-Sprengen (Zehnter). Bereits heute um 20 Uhr steht in der Seffersbachhalle das nächste Pokalspiel an: der TuS III erwartet dazu Saarlandliga-Spitzenreiter HSG Nordsaar. red