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Lokalausgabe der SZ für Merzig-Wadern am Tag des Kniefalls von Warschau

Die SZ am 7. Dezember 1970 : Umweltsorgen sind immer aktuell

Es gibt Tage, die Geschichte schrieben – sei es, weil an ihnen erstmals Menschen auf dem Mond landeten, sei es, weil Deutschland völlig unerwartet erstmals Fußballweltmeister wurde, weil der Eiserne Vorhang fiel oder sei es wegen schlimmer Naturkatastrophen oder Terrorattentate. Doch was hat sich an diesen geschichtsträchtigen Tagen bei uns in der Region getan? Womit hat sich unsere Zeitung an diesen historischen Terminen beschäftigt? Wir haben im Archiv geblättert und nehmen Sie mit auf eine kleine Zeitungs-Reise in die Vergangenheit.

Der Kniefall von Bundeskanzler Willy Brandt am Ehrenmal für die Toten des Warschauer Ghettos am 7. Dezember 1970 (siehe Infokasten) löste eine Diskussion in der Bundesrepublik aus. Ähnlich kontrovers wird heute die Debatte über die Klima- und Umweltpolitik geführt. Diese Thematik war bereits zu Beginn der 1970er-Jahre in den Köpfen der Menschen präsent, wie ein Blick auf die Titelseite des „Anzeigers für Merzig-Wadern“ zeigt. In der SZ-Lokalausgabe war ein Slogan zu sehen, der an „Fridays for Future“ erinnert: „Zwei Wege zum Jahr 2000 – Zurück zur Natur oder Nach uns die Sintflut“. Derjenige, der für den Seitenbau zuständig war, stimmte dieser Ansicht offenbar zu, denn in der Bildunterschrift heißt es in Großbuchstaben: „DAS IST DEUTLICH – UND ES TRIFFT ZU!“.

Der Artikel „Mensch und Natur“ begann passenderweise mit einer Mahnung, die sich aktuell anhört: „Die Menschheit ist mit einem ebenso grotesken wie sturen Elan dabei, sich selbst zugrunde zu richten, so, als habe sie eine satanische Freude an der Selbstzerstörung.“ Der Artikel räumte ein, dass der Umweltschutz viel Geld kosten werde, aber er betonte auch, dass diese Ausgaben notwendig seien, um das Überleben zu gewährleisten. Außerdem müssten die entsprechenden Maßnahmen auf internationaler Ebene abgestimmt sein – Sätze wie diese gehören heute zum täglichen Sprachgebrauch.

Eine Thematik, die ebenfalls nicht an Aktualität verloren hat, ist die Förderung der französischen Sprache. In der jüngeren Vergangenheit sorgte die Frankreich-Strategie der Landesregierungen Kramp-Karrenbauer und Hans für Schlagzeilen. Aber bereits im Dezember 1970 wurde im Artikel „Rundblick von der Porta Nigra“ die Sorge zum Ausdruck gebracht, dass es zu wenig Französisch an deutschen Schulen gebe. Im Rathaus von Trier trafen sich Kommunalpolitiker aus Frankreich, Belgien, Luxemburg und der Bundesrepublik Deutschland. Diese diskutierten „mit Eifer in Französisch“ und erhoben eine Forderung, die auch aus dem Jahr 2020 stammen könnte: „In der Region sollte man zweisprachig werden.“ Zu diesem Zweck sei die Kenntnis der gegenseitigen Sprache erforderlich, so die Teilnehmer der Sitzung „Retal 4“. Georges Ditsch, der damalige Bürgermeister von Thionville, stellte die Notwendigkeit heraus, „in den Grenzgebieten den Wert der französischen Sprache stärker zu betonen“.

Heutzutage beklagen sich viele Vereine über Nachwuchssorgen. Dem Männergesangverein (MGV) „Almenrausch“ Weiler waren solche Sorgen vor 50 Jahren offenbar fremd. Die SZ-Lokalausgabe „Anzeiger für Merzig-Wadern“ berichtete unter dem Titel „Verjüngter Vorstand der Sänger“ über die Wahl von Bernd Rolinger zum neuen Vorsitzenden des Vereins. Überhaupt scheint der MGV Weiler fest in der Hand der Familie Rolinger gewesen zu sein, denn neben Bernd wurden auch noch Toni und Willi Rolinger namentlich erwähnt. Nach dem Ende der Generalversammlung wurde laut Artikel noch viel gesungen.

Weniger vergnüglich ging es da in Mettlach zu. Der Artikel „Versuchte Notzucht“ berichtete über eine versuchte Vergewaltigung. So hätten zwei Franzosen ein 13 Jahre altes Mädchen entführt, um sie zu sexuellen Handlungen zu zwingen. Jedoch habe die Polizei gerade noch rechtzeitig reagiert: „Die sofort eingeleitete Fahndung führte zur Festnahme der Täter.“ Wie es dem Mädchen nach der versuchten Vergewaltigung ging, ließ der Artikel indes offen.

Im Gemeinderat Beckingen stand derweil die Umwandlung des bisherigen Wasserlieferungsverbandes in einen Wasserzweckverband auf der Tagesordnung. Laut dem Artikel „Nachtragshaushalt in Beckingen“ stimmten die Räte dem Vorhaben zu und ermöglichten den Beitritt zum Zweckverband. Außerdem befasste sich der Bau- und Vergabeausschuss des Gemeinderates mit einem Anliegen der Karcher Schraubenwerke (heute Nedschroef). Diese forderten eine angemessene Ausleuchtung der Wege, die von den Arbeitern vor der Frühschicht und nach der Nachtschicht benutzt wurden. Der Ausschuss zeigte Verständnis für die Problematik und gab bekannt, dass er dem Gemeinderat einen Kostenvoranschlag der Vereinigten Saarländischen Elektrizitätswerke (VSE) vorlegen wolle.