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27-Jähriger will für die SPD nach Berlin

Symbolfoto.Location:Frankfurt Am Main
Symbolfoto.Location:Frankfurt Am Main FOTO: Fredrik von Erichsen/dpa
Kirkel/Neunkirchen. Die SPD im Ostsaarland muss entscheiden, ob sie 2017 eine amtierende Bundestagsabgeordnete ins Rennen um ein Mandat in Berlin schickt – oder einen 27-jährigen Newcomer. Beide unterscheiden sich nicht nur altersmäßig. Daniel Kirch

Ein gutes Jahr vor der nächsten Bundestagswahl laufen in der Saar-SPD die Personaldiskussionen auf Hochtouren. Sicher ist, dass Landeschef Heiko Maas Spitzenkandidat wird. Doch in den Wahlkreisen sind noch Fragen offen. In der Saarbrücker SPD gibt es - wie berichtet - zwei Bewerberinnen für die Nachfolge der langjährigen Abgeordneten Elke Ferner , die 2017 aufhören wird: Josphine Ortleb (29) und Moschgan Ebrahimi (50). Auch im Wahlkreis Homburg, der den Saarpfalz-Kreis sowie Neunkirchen, Spiesen-Elversberg, Friedrichsthal, Quierschied und Sulzbach umfasst, könnte es zu einer Kampfabstimmung kommen. Dort bringt sich der 27 Jahre alte Jurist Esra Limbacher aus der Gemeinde Kirkel als Direktkandidat in Stellung. Er wurde bereits von der SPD in Homburg und Kirkel nominiert.


Damit könnte es im Herbst zum Duell mit der Neunkircher Bundestagsabgeordneten Heide Henn kommen, die im Jahr 2013 über Platz 3 der Landesliste überraschend in den Bundestag rutschte. 2017 wird sie wegen des Geschlechter- und Regionalproporzes des SPD-Landesverbandes vermutlich nur auf Listenplatz 4 kommen, der allerdings völlig aussichtslos wäre. Sie müsste auf das Direktmandat im Wahlkreis Homburg setzen - genauso wie Limbacher.

Limbacher sagte der SZ, es entspreche "dem Selbstverständnis der SPD Saarpfalz" als größtem Kreisverband in dem Wahlkreis, mit einem eigenen Kandidaten für das Direktmandat anzutreten. Motiviert habe ihn zur Kandidatur der Direktkandidat von 2013, David Lindemann. Der hatte damals den Wahlkreis gegen den CDU-Politiker Alexander Funk verloren. Funk will 2017 in den Landtag. Wer nun CDU-Kandidat wird, ist noch nicht klar. Genannt wird der Name von Markus Uhl, Ex-Landeschef der Jungen Union.

Limbacher und Henn sind grundverschiedene Typen. Limbacher arbeitet nach seinem Jura-Studium in England mittlerweile an der Saar-Uni und berät nebenher Start-up-Unternehmen im Bereich der Patent- und Innovationsvermarktung. Er bezeichnet sich selbst als "Vertreter mit einem engagierten sozialen Profil" und ist Mitglied der IG Metall . Gemessen an seinem Alter hat Limbacher bereits viel politische Erfahrung: Er war Kreisvorsitzender der Jusos und ist aktuell Vizechef des SPD-Kreisverbandes Saarpfalz und Fraktionschef im Kirkeler Gemeinderat. 2013 leitete er Lindemanns Wahlkampf.

Henn stieg hingegen vergleichsweise spät in die Politik ein. Sie lernte zunächst Floristin, schulte später auf Altenpflegerin um und war zuletzt Diakonin in der Altenpflege. Die 54-Jährige sitzt in Berlin im Verteidigungsausschuss und ist in der Bundeswehr bis in die politische und militärische Spitze hinein vernetzt. Besonders setzt sie sich für bessere Arbeitsbedingungen der Soldaten und deren soziale und seelsorgerische Betreuung ein. Henns große Sympathie für die Bundeswehr wird von manchen in der Saar-SPD indes kritisch beäugt. Sie selbst sagt dazu: "Auch Soldaten sind unsere Wähler und Mitbürger. Das vergessen viele."