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Bosch
Trotz Investitionen geht die Angst um

Volkmar Denner, Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung, betonte anlässlich der Bilanz-Pressekonferenz im Frühjahr, dass Bosch weiter auf seine hochentwickelte Diesel-Technik setze. In Homburg hofft man, dass er Recht hat.
Volkmar Denner, Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung, betonte anlässlich der Bilanz-Pressekonferenz im Frühjahr, dass Bosch weiter auf seine hochentwickelte Diesel-Technik setze. In Homburg hofft man, dass er Recht hat. FOTO: dpa / Sebastian Gollnow
Homburg. Bosch investiert in die Ausbildung. Bei der IG Metall fürchtet man dennoch um die guten Arbeitsplätze. Die Diesel-Krise schlägt zu. Von Christine Maack

Die besten Investitionen sind diejenigen, die in die Zukunft weisen und Optimismus verbreiten. Dazu gehört die Eröffnung des neuen Ausbildungscampus’ am vergangenen Freitag am Bosch-Standort in Homburg. Das neue Ausbildungsgebäude, das die beiden bereits vorhandenen ergänzt, stand über zehn Jahre auf der Wunschliste bei Bosch in Homburg. Denn es war der ehemalige kaufmännische Direktor Uwe Gackstatter, der Vorvorgänger von Karin Gilges, der den Neubau angeregt hatte. Gackstatter verließ Homburg vor ziemlich genau zehn Jahren – und schickte jetzt eine Video-Grußbotschaft nach Homburg, in der er sich bedankte, dass seine damalige Idee nun doch verwirklicht worden ist.


Es hätte auch anders kommen können, zum Beispiel hätte Bosch Gackstatters Wunsch einfach still und leise begraben können, wer hätte nach über zehn Jahren schon danach gefragt.

Außerdem hätte es zu den Befürchtungen gepasst, die die IG Metall hegt: Nämlich, dass Bosch sich auf Raten aus Homburg verabschieden könnte. Wer baut in dieser Situation noch für drei Millionen Euro ein Ausbildungsgebäude? Aber nein, es wurde investiert. Also doch alles gut? „Wir finden das Engagement von Bosch sehr gut und freuen uns darüber“, betonte Peter Vollmar von der IG Metall Homburg.



Dennoch seien gewisse Befürchtungen nicht von der Hand zu weisen, die auch vor einigen Tagen anlässlich einer Veranstaltung der IG Metall mit der Firma Bosch im Sitzungssaal des Homburger Rathauses zur Sprache gekommen sind: „In Homburg werden ausschließlich Teile für Dieselmotoren hergestellt. Da der Diesel ins Trudeln geraten ist, bangen wir nicht ohne Grund um die Zukunft des Homburger Standortes“, so Vollmar. Die IG Metall habe zum Ausdruck gebracht, „dass wir uns ein dauerhaftes und tragfähiges Konzept für Bosch in Homburg wünschen, das sich nicht darin erschöpft, immer mehr Arbeitsplätze abzubauen.“ Die Belegschaft sei bereits auf 4500 Mitarbeiter geschrumpft, „wir hatten bei Bosch schon mal 1000 Arbeitplätze mehr als heute“, so Vollmar.

Bei der Veranstaltung im Rathaus seien neben Rolf Bulander von der Bosch-Geschäftsführung auch hochrangige politische Vertreter aus dem Saarland und Rheinland-Pfalz gekommen, „das zeigt, dass hier auch länderübergreifend gedacht wird“, betonte Vollmar. Denn im Falle einer größeren Krise bei Bosch in Homburg sei die Pfalz genauso betroffen wie das östliche Saarland. Die strategische Ausrichtung des Konzerns sowie die Zuteilung der Verantwortung auf die jeweiligen Standorte würden ausschließlich in der Stuttgarter Konzernzentrale entschieden, habe Bulander betont. Homburg habe dort einen guten Ruf und sei „sehr innovativ“, wie auch Christoph Kübel, ebenfalls aus der Bosch-Geschäftsführung, anlässlich der Eröffnung des Ausbildungszentrums bestätigt hatte.

Dennoch sollte man, so der Betriebsratsvorsitzende von Bosch Homburg, Oliver Simon, sowohl das Lob als auch das neue Ausbildungszentrum nicht als Versicherung nehmen, dass sich Homburg auf der sicheren Seite befinde: „Wir haben noch eine gute Auftragslage im Lkw-Bereich, aber bei den Pkw brechen die Zahlen schon ein. Wenn die Lkw-Zahlen auch schlecht werden, weiß ich nicht, was kommt. Da hilft ein neues Ausbildungszentrum auch nicht weiter.“ Auch bei dem großen Bosch-Projekt „Industrie 4.0“ ist er skeptisch: „Das ist eine Zukunftsausrichtung. Doch bei uns geht es um Produktion, um echte Industrie-Arbeitsplätze.“ Jedenfalls nehme Bosch bei strategischen Entscheidungen keine Rücksicht auf Neubauten: „Als sich die Solarsparte nicht mehr rechnete, wurden teure und ganz moderne Produktionsstätten einfach aufgelöst.“ Simon findet den neuen Ausbildungscampus prima, sieht darin aber keine Garantie für eine goldene Zukunft: „Über die Brücke würde ich nicht gehen.“

Für die Auszubildenden bei Bosch in Homburg – insgesamt sind es 130 – wird viel getan, sie blicken optimistisch in die Zukunft.
Für die Auszubildenden bei Bosch in Homburg – insgesamt sind es 130 – wird viel getan, sie blicken optimistisch in die Zukunft.