| 20:27 Uhr

Sodom und Gomorrha
Kalauer zu Kaviar und Currywurst

Szene aus der Herbitzheimer Aufführung: An der Theke sitzend Rainer Eiswirth, dahinter einschänkend Walter Sand, zudem Caroline Welsch mit weißem Hut und Kristina Sand.
Szene aus der Herbitzheimer Aufführung: An der Theke sitzend Rainer Eiswirth, dahinter einschänkend Walter Sand, zudem Caroline Welsch mit weißem Hut und Kristina Sand. FOTO: Wolfgang Degott
Herbitzheim. Einen witzigen Dreiakter hatte die Theatergruppe „Sodom und Gomorrha“ ihren Zuschauern vorbereitet. Die Lacher hatten sie auf ihrer Seite.

„Wir haben einige Stücke gelesen, uns dann ausgetauscht und danach für diese Handlung entschieden“, meinte Thomas Klein, der als Regisseur die Fäden zieht, bei einer der Proben im Herbitzheimer Bürgerhaus. Gemeint war damit die noch ziemlich neue Komödie „Kaviar trifft Currywurst“ der jungen Autorin Winnie Abel. Ihr Behagen mit dem Dreiakter demonstrierten elf Akteure des Ensembles „Sodom und Gomorrha“ im Förderverein der Spielgemeinschaft Herbitzheim-Bliesdalheim an den beiden gut besuchten Spieltagen in der Bürgerhaushalle. Zu erleben war ein liebevoll inszenierter 120-Minuten-Spaß, in dessen Mittelpunkt die Wirtin Erna Wutschke stand.


Die Hauptrolle, für die die Autorin fast 200 Einsätze geschrieben hat, nahm diesmal Kristina Sand ein. Sie gehört zu den festen Größen der Herbitzheimer Theatergruppe, die seit 1984 existiert und seither insgesamt 60 Akteure auf die „Bretter, die die Welt bedeuten“ brachte. Rainer Eiswirth spielte in der aktuellen Inszenierung den schweigsamen Stammgast Heinrich, der das komplette Stück über auf der Bühne – die durchweg die Kneipe „Zum Warmen Würstchen“, wo der Schriftzug später das „W“ vom „Warmen“ verliert – ist, aber nur ein einziges Mal etwas sagt. Sein Einsatz: „Jeder muss an was glauben – und ich glaub’, ich trink noch einen.“

An derlei Kalauern war das gesamte Stück reich, das die Darsteller durch die Bank urkomisch und mit der für diese Komödie gebotenen Theatralik auf die Bühne brachten. „Du bist ja total dicht“, warf die Bürgermeister-Frau Annabelle (Dagmar Nicolai) dem Rathaus-Chef (Wolfgang Albrecht) vor. Der konterte: „Aber Goethe war (D)dichter.“ Insofern fiel es nicht schwer, den Dialogen zu folgen. Und der Handlung sowieso nicht. Im Rahmen eben dieser musste Wirtin Wutschke binnen 24 Stunden ihre heruntergekommene Kneipe in ein Edelrestaurant verwandeln, weil sie das ihrem neureichen Cousin Prinz Harry (Thomas Klein) vorgegaukelt hatte. Dem stand seine aktuelle Affäre Heike (Deborah Klein) zur Seite. Doch schätzte sie an ihm in erster Linie sein Geld, mit dem sie ihrer großen Leidenschaft, dem Shoppen, nachgehen konnte. Wutschkes Lebensgefährte Blümchen (wieder mal zum Schreien: Walter Sand) war ihr bei der Arbeit ebenso wenig eine echte Hilfe wie die Stammgäste Sandy Stutzke (Caroline Welsch) und Uwe Stern (Tim Schumacher).



Neben dem Bürgermeister, der den berechtigten Verdacht hegte, dass im „(W)armen Würstchen“ das Rauchverbot umgangen wird, machte auch noch der benachbarte Nobelgastronom Wolfgang (Christine Helmer) Stress. Die Hektik komplett machte der Besuch der Feinschmeckerin und Testerin Ludmilla von der Steppke (Laura Klein). Am Ende wurde aus dem „Warmen Würstchen“ zwar kein Gourmettempel, aber doch noch eine anständige Gaststätte. Auch Wirtin Wutschke wuchs optisch und organisatorisch zusehends an ihren Aufgaben. Die Zeiten, als das einzig wirklich Warme auf der Speisekarte das Bier war, gehörten der Vergangenheit an – und Blümchen kam bei seiner Erna sogar noch mit seinem Heiratsantrag durch. Die Laiendarsteller wurden von der Souffleuse Kerstin Görgen unterstützt. Für den guten Ton sorgte Jürgen Meidinger und Lea Theis sorgte als „Visagistin“ dafür, dass die Maske stimmte.