Für Neros Machterhalt mussten Christen bluten

Für Neros Machterhalt mussten Christen bluten

Die Trierer Sonderausstellung „Nero – Kaiser, Künstler und Tyrann“ ist ein Ereignis. Gleich drei Museen widmen sich dem mythenumrankten Kaiser: das Rheinische Landesmuseum, das Stadtmuseum Simeonstift und das Museum am Dom – mit ihm beginnen wir unsere Vorstellung der Ausstellungen.

Sie ist schon einen Ganztagesausflug wert, die Trierer Sonderschau über Nero, den Muttermörder, Kunstfreund, scheinbaren Brandstifter Roms und jenen Kaiser, unter dem die staatliche Christenverfolgung begann. "Nero - Kaiser, Künstler und Tyrann" heißt die Schau mit 774 Exponaten aus 21 Ländern. Thematisch verteilt sind sie über drei Museen: Das Rheinische Landesmuseum blickt auf Leben, Aufstieg und Untergang Neros; das Stadtmuseum Simeonstift zeigt, welche Spuren der Mythos Nero in der Kunstgeschichte hinterlassen hat.

Wie geht nun ein kirchliches Haus wie das Museum am Dom an den grausigen Christenverfolger Nero heran? Es zeigt keine Schau über ihn allein, sondern widmet sich der Christenverfolgung und auch allgemein der Religionsfrei- und -unfreiheit. Museumsdirektor Markus Groß-Morgen will das Bild Neros differenzieren, der zwar bei der Christenverfolgung "der Erste und der Schrecklichste" war, aber "weniger aus religiösen Gründen gehandelt hat, sondern aus Machttaktik". Denn nach dem Brand Roms im Jahre 64 kamen die Nero gerade recht als Sündenbock und als Ablenkung vom Verdacht, er selbst habe die Stadt in Brand setzen lassen - eine These, die Hollywood-Filme wie "Quo vadis?" genüsslich vertreten - Geschichtswissenschaftler aber immer seltener.

Unbestritten ist jedoch, dass Nero zum ersten römischen Kaiser wurde, der Christen hinrichten und das als blutiges Spektakel inszenieren ließ. Mit 130 Exponaten erzählt die Ausstellung von den Hintergründen der Verfolgungen, vom römischen Staatskult und von den Opfern an die Götter - eine Loyalitätsbekundung gegenüber dem Kaiser und dem Reich; zu sehen ist etwa ein römisches Papyrus, das besagt, dass der Inhaber des Papiers den himmlischen Mächten Opfergeschenke dargereicht hat - eine Göttergaben-Quittung sozusagen. Die Ablehnung dieser Opfer seitens der Christen machte sie suspekt und zum Opfer von Verfolgungen nach Nero. Kaiser Decius führte das erste Opferungs-Edikt der römischen Geschichte ein - schließlich hatte er mit Kriegen die Staatskasse nahezu ruiniert und wollte so wieder Geld einnehmen. Unter Valerian und Diokletian ging die Verfolgung weiter - hier unter anderem illustriert von einem kunstvollen Schrank, in dessen Innerem kleine Wachsfiguren ein Gemetzel an Christen nachstellen und dabei im Blut waten. Am Ende schlägt die Schau einen Bogen in die Gegenwart. Schautafeln klären über aktuelle Verfolgung auf - darunter der Ägypter Mohammed Hegazy, der vom Islam zur koptischen Kirche konvertierte und deshalb aus Todesangst im Untergrund lebt. (Wird fortgesetzt).

Bis 16. Oktober. Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Infos: www.nero-ausstellung.de