Staatsbegräbnis von Altgroßherzog : „Au revoir, Jean!“: Großer royaler Abschied in einem kleinen Land

Staatsbegräbnis von Altgroßherzog : „Au revoir, Jean!“: Großer royaler Abschied in einem kleinen Land

Das Staatsbegräbnis für Luxemburgs früheren Großherzog Jean vereinte das kleine Land in tiefer Trauer. Aber es war auch ein Treffen von Königen und Prinzen, wie es das nur selten gibt. Quasi der komplette europäische Hochadel war vertreten.

Das Land ist klein, aber die Trauer ist groß. Und sie reicht weit über Luxemburg hinaus. Nicht nur Tausende Bürger waren am Samstag trotz nasskalten Wetters zum Staatsbegräbnis von Altgroßherzog Jean von Luxemburg in der Hauptstadt gekommen. Auch zahlreiche gekrönte Häupter und prominente Mitglieder europäischer Adelsfamilien erwiesen Jean die letzte Ehre, bevor er im engsten Kreis in der Krypta der Kathedrale in der Familiengruft beigesetzt wurde. Jean, von 1964 bis 2000 Staatschef des Großherzogtums, war in der vergangenen Woche im Alter von 98 Jahren gestorben.

Still und andächtig verfolgten die Luxemburger den letzten Weg des ehemaligen Großherzogs, der im Land ungemein beliebt war. Sein Sarg wurde in einem Trauerzug von der Familie vom Palast in die nahe gelegene Kathedrale Notre-Dame gebracht. „Mit ihm geht ein Stück Luxemburg. Ich werde seine Herzlichkeit nie vergessen“, sagte Marie-Therese Klopp unter Tränen. Sie hatte sich schon früh hinter einem Absperrgitter positioniert, um nahe dabei zu sein. Den Gottesdienst sahen sich die Luxemburger dann live auf einer Großbildleinwand auf dem zentralen Paradeplatz an.

In der rund 400 Jahre alten Kirche hatte neben staatlichen und anderen Würdenträgern die royale Prominenz Europas Platz genommen. Aus Schweden war König Carl XVI. Gustaf gekommen, aus Dänemark erschien Königin Margrethe II. Zudem saßen König Harald V. aus Norwegen und Prinzessin Anne aus Großbritannien in den Bänken. Besonders stark vertreten war Belgien mit neun königlichen Hoheiten, darunter König Philippe und Königin Mathilde sowie Ex-König Albert und Ex-Königin Paola. Schließlich war Jean mit der belgischen Prinzessin Joséphine-Charlotte verheiratet.

Auch andere Länder wie Spanien, die Niederlande, Monaco, Liechtenstein, Jordanien und Marokko waren royal präsent - mit Ex-König Juan Carlos, Ex-Königin Beatrix, Fürst Albert, Erbprinz Alois, Prinz Hassan und Prinz Rachid. Auf der offiziellen VIP-Liste standen 150 meist adelige Gäste: Neben vielen anderen auch die Chefs der Häuser Wittelsbach und Hohenzollern. Aber auch Frankreichs ehemaliger Staatspräsident Nicolas Sarkozy und der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck.

Erzbischof Jean-Claude Hollerich würdigte den früheren Staatschef: „Er war ein Mann von diskreter Wohltätigkeit und Liebe.“ Jean habe „ohne Geschrei und ohne Gefühlsduseligkeit“ gelebt. „Seine Fröhlichkeit wird uns fehlen“, sagte Hollerich bei der Trauerfeier vor gut 1400 Gästen. Jean habe Luxemburg geliebt: „Und nach seinem Tod haben wir gesehen, dass die Luxemburger ihn lieben.“

„Tiefe Betroffenheit im ganzen Land“ habe der Tod von Jean ausgelöst, sagte Regierungschef Xavier Bettel am Tag vor der Beisetzung im Parlament. Denn Jean habe symbolisch für die Prinzipien des Landes gestanden und für sie gekämpft. Vor allem im Zweiten Weltkrieg in britischer Uniform: Als Angehöriger der Irish Guards war er auch im September 1944 von den Luxemburgern bei der Heimkehr bejubelt worden - als Befreier von den deutschen Besatzern.

Seit dem Tod des Ex-Regenten am 23. April trauert das zweitkleinste Land der EU. Zig Bürger nahmen über Tage Abschied am Sarg und füllten Kondolenzbücher im Palast. Das bewegte auch den Sohn von Jean, Großherzog Henri (64): „Dass sein versammeltes Volk ihm so ergreifend die Ehre erweist und seine Zuneigung erwidert, bleibt eine der stärksten Erfahrungen meines Lebens“, schrieb er in einem am Samstag veröffentlichten Brief.

Überall erinnerten in der Stadt Porträtfotos an den Verstorbenen. „Er war so ein sympathischer, netter und wissender Mann“, sagte Jacqueline Thoma aus Burglinster. Und Pfadfinderin Anne Zahlen aus Remich meinte: „Er war und bleibt ein Vorbild für uns.“ Jean war über Jahrzehnte der Pfadfinder-Bewegung eng verbunden.

Die zwölf Tage Staatstrauer, die die Regierung ausgesprochen hatte, fanden einige allerdings zu lang. Etliche öffentliche Veranstaltungen wurden in dieser Zeit in dem Land mit rund 600 000 Einwohnern abgesagt. Die luxemburgische Zeitung „Tageblatt“ schrieb, eine so lange Staatstrauer habe es ihres Wissens nach nur noch 2011 in Nordkorea gegeben - nach dem Tod des Führers Kim Jong-il.

(dpa)
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