Jean, der ehemalige Großherzog von Luxemburg, ist verstorben.

Luxemburgs Alt-Großherzog Jean : Jean, ein „Held der Nation“ ohne Skandale

Der Alt-Großherzog von Luxemburg ist mit 98 Jahren gestorben. Als überzeugter Europäer war er im In- und Ausland beliebt.

Im Kreis des Hochadels war sein Platz immer in der ersten Reihe: Auf Tuchfühlung und Augenhöhe mit den anderen Königinnen und Königen Europas, vor allem aber mit der englischen Monarchin. Altgroßherzog Jean von Luxemburg, von 1964 bis zur Abdankung im Jahr 2000 Staatschef, war als Mitglied des Hauses Nassau-Weilburg und „Königliche Hoheit“ zeitlebens einer der diskretesten und unauffälligsten Royals. Ein Mann ohne Skandale. Jetzt ist er im Alter von 98 Jahren nach einer Lungenentzündung gestorben. Sein Sohn und Amtsnachfolger Henri teilte den Tod am Dienstag mit. Wenn Jean bei der jährlichen Geburtstagsparade von Königin Elizabeth II. in der Uniform eines Oberst der Irish Guards direkt hinter der Queen ritt, zeigte dies die ganz besonders engen Beziehungen der beiden Königshäuser. Später wurde er sogar Ehrengeneral der britischen Armee.

Jean war kurz vor Ostern wegen einer Lungeninfektion in ein Luxemburger Krankenhaus eingeliefert worden. Wenige Tage später teilte der Hof mit, dass sich sein Gesundheitszustand verbessert habe, er aber unter Beobachtung stehe. An Ostermontag gab der Hof die Verschlechterung des Gesundheitszustandes bekannt.

Premier Xavier Bettel Bettel würdigte den früheren Großherzog als „Held, ein Symbol der Nation“. Auch EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker, der viele Jahre als luxemburgischer Premier noch mit Großherzog Jean zusammengearbeitet hatte, würdigte ihn als „Mann der Tat, der Güte und des Mutes“, dessen Tod ein großer Verlust für Luxemburg und Europa sei.

Jean von Luxemburg, Herzog von Nassau, Prinz von Bourbon-Parma, wurde am 5. Januar 1921 auf Schloss Berg bei Betzdorf in Luxemburg geboren. Er war der älteste Sohn von Großherzogin Charlotte und dem österreichischen Weltkriegs-Offizier Prinz Felix von Bourbon-Parma. Am 10. Mai 1940, als Luxemburg von der Wehrmacht besetzt wurde, verließ Prinz Jean mit seiner Familie das Land. Die Flucht führte über Frankreich, Spanien und Portugal in die Vereinigten Staaten, nach Kanada und Großbritannien. In Montreal in Quebec, wo sich die Luxemburger Exilregierung befand, studierte der Prinz Rechts- und Politikwissenschaften an der Universität Laval. Noch während seines Studiums übernahm er erste repräsentative Aufgaben für die Regierung im Exil.

Ohne Studienabschluss schloss er sich im November 1942 als Freiwilliger der britischen Armee an. Am 11. Juni 1944, fünf Tage nach der Landung der Alliierten in der Normandie, überquerte Prinz Jean mit seinem Regiment den Ärmelkanal und landete in der Nähe von Bayeux. Er nahm an der Schlacht von Caen teil und kam am 3. September 1944 nach Brüssel. Mit den ersten alliierten Truppen, die das Großherzogtum am 10. September 1944 befreiten, kehrte er mit seinem Vater Felix de Bourbon-Parma nach Luxemburg zurück. Nach dem Krieg half der Erbgroßherzog tatkräftig beim Wiederaufbau des durch die Ardennen-Offensive weitgehend zerstörten Landes.

Am 9. April 1953 heiratete er Prinzessin Josephine Charlotte von Belgien, eine Schwester des belgischen Königs, die ihm fünf Kinder schenkte, darunter den am 16. April 1955 geborenen heutigen Großherzog Henri. Das Amt des Großherzogs übernahm er von seiner Mutter Charlotte am 12. November 1964. Lange hatte er im Schatten seiner charismatischen, vom Volk geliebten Mutter gestanden, die 1985 starb. Der neue Monarch war ein eher ruhiger und zurückhaltender Mensch. Mit der Zeit, im Laufe seiner 36-jährigen Amtszeit, überwand er seinen eher scheuen Charakter und wuchs in seine Rolle hinein, auch er wurde vom Volk geliebt. Vor allem seine vielen Besuche im In- und Ausland, wo er um Witze nie verlegen war, brachten ihn den Menschen näher.

In seiner Regentschaft entwickelte sich Luxemburg von einem Industrie- und Agrarland, dessen Wohlstand besonders auf der Stahlindustrie basierte, zu einem internationalen Bankenstandort und modernen Dienstleistungszentrum. Als überzeugter Europäer unterstützte Großherzog Jean von Anfang an den Aufbau Europas. Im Jahr 1986 erhielt er deswegen den Karlspreis der Stadt Aachen, stellvertretend für das luxemburgische Volk. Großherzog Jean wurde im In- und Ausland für seine Zurückhaltung geschätzt. Tief katholisch geprägt, leugnete Jean nie seinen Glauben, ohne diesen jedoch nach außen zur Schau zu stellen. Vor allem das Pfadfinderwesen lag ihm seit seinem Aufenthalt in Großbritannien sehr am Herzen. Die Präsidentschaft der Luxemburger Pfadfinderschaft war das längste Amt, das er innehatte.

Im Alter von 80 Jahren gab Jean im Jahre 2000 das Amt des Großherzogs an seinen ältesten Sohn Henri weiter und ließ sich mit seiner Frau Josephine-Charlotte, die fünf Jahre später nach einem Krebsleiden starb, in Schloss Fischbach bei Mersch nieder. Seitdem ließ der Großvater von 21 Enkelkindern und vier Urenkeln sich nur noch selten in der Öffentlichkeit blicken. Sein letzter öffentlicher Auftritt war am 26. März bei einem von seiner Schwiegertochter, Großherzogin Teresa, organisierten internationalen Symposium für Frauen, die Opfer sexualisierter Gewalt in Kriegsgebieten geworden waren. Unter stehenden Ovationen wurde der Altgroßherzog an diesem Tag von seinem Enkel, Erbgroßherzog Guillaume, im Rollstuhl in den Saal im Europäischen Conventioncenter gefahren.

Nach 36 Jahren gab Jean (links) im Jahr 2000 das Amt des Großherzogs an seinen ältesten Sohn Henri (Mitte, mit seiner Frau Teresa) weiter. Foto: dpa/Uli Deck

Das Staatsbegräbnis für Großherzog Jean findet am Samstag, 4. Mai, um 11 Uhr in der Kathedrale statt.

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