TV-Dokumentation über das Schengen-Abkommen

Europa : Neuer SR-Film: Wie Schengen fast unbemerkt Weltgeschichte schrieb

Im luxemburgischen Mosel-Ort Schengen wurde am 14. Juni 1985 Geschichte schrieben. Aber die Staatssekretäre der fünf Staaten, die an diesem Tag einen Vertrag zum schrittweisen Abbau der Grenzkontrollen unterschrieben, ahnten davon nichts.

„Wir waren uns der Bedeutung des Abkommens, das wir unterzeichneten, überhaupt nicht bewusst“, gibt die damalige französische Staatssekretärin Catherine Lalumière zu.

Es sind solche Einblicke, die den Film des Autors und Regisseurs Claus Räfle mit dem Titel „Wie entstand das Europa ohne Grenzen?“ sehenswert machen. Der Saarländische Rundfunk (SR) hat die 45-Minuten-Produktion in Auftrag gegeben und strahlt sie am Donnerstagabend aus.

Mit historischem Filmmaterial ruft Räfle auch die bedeutende Rolle Saarbrückens im Vorfeld des Schengen-Abkommens in Erinnerung. Das kaum bekannte, aber wegweisende Saarbrücker Abkommen zwischen Deutschland und Frankreich, geschlossen am 13. Juli 1984 an der Goldenen Bremm, war ein Vorläufer des Schengener Abkommens. Es sah den schrittweisen Abbau von Grenzkontrollen an der deutsch-französischen Grenze vor. Der damalige Europaminister Roland Dumas berichtet in dem SR-Film, Präsident François Mitterand habe zu ihm gesagt: „Roland, ich hoffe, Sie haben verstanden, was Sie da unterschreiben.“

Der Film, in dem Zeitzeugen aus der Politik, Wissenschaftler oder auch ehemalige Zollbeamte zu Wort kommen, bettet das Zustandekommen des Schengen-Vertrages in die Geschichte des Staates Luxemburg und der europäischen Einigung ein. Räfle zeigt, wie aus einem auch medial kaum beachteten StaatssekretärsTreffen einer der Meilensteine der europäischen Einigung wurde. Die Bedeutung von Schengen, sagt Helmut Kohls früherer außenpolitischer Berater Horst Teltschik in dem Film, sei viel größer, als sie damals und bis heute wahrgenommen werde.

„Wie entstand das Europa ohne Grenzen?“, 45 Minuten, Donnerstag, 2. Mai, um 20.15 Uhr im SR-Fernsehen

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