Wo Wasser den Berg hinauf fließt

Sie wird 32 Kilometer lang. Sie überwindet einen Höhenunterschied von fast 260 Metern. Durch sie können 3,5 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr fließen. Sie kostet 26 Millionen Euro. Die Rede ist von der Rohwasserverbindungsleitung von der Talsperre Nonnweiler zur Steinbachtalsperre bei Idar-Oberstein. Die Arbeiten laufen auf Hochtouren.

Meter für Meter wird die Wasserleitung durch den Nationalpark verlegt. Foto: WZV. Foto: WZV

Meter für Meter hebt der Bagger den Graben aus und verlegt in diesen hellblaue Rohre mit einem Innendurchmesser von 50 Zentimetern. Ein zweiter Bagger zerkleinert etwas weiter unterhalb die ausgehobenen Erdmassen und füllt den Graben wieder auf. Möglichst schonend bringen die Arbeiter die Wasserleitung in den Boden, die künftig die Primstalsperre Nonnweiler mit der Steinbachtalsperre im Landkreis Birkenfeld verbindet. "Diese Vorgehensweise hat große Vorteile", sagt Horst Kürschner, Werkleiter des Wasserzweckverbandes im Landkreis Birkenfeld. Denn es müsse kein Füllmaterial mit Lastwagen auf die Strecke gebracht werden. Die einzigen Lastwagen, die gebraucht werden, sind die, die die Rohre bringen. "95 Prozent der fünf bis sechs Meter breiten Trasse führen über Waldwege", so Kürschner. Das alles ist auch deshalb wichtig, weil der größte Teil der 32 Kilometer langen Trasse durch den neuen Nationalpark Hunsrück-Hochwald führt.

Horst Kürschner, Heinz Luxenburger, Vorsteher des Talsperrenverbandes Nonnweiler, Joachim Meier, Geschäftsführer der WVW St. Wendel, und sein Betriebsingenieur Michael Dorscheid stellten im SZ-Gespräch das Bauprojekt vor.

Die Leitung von Nonnweiler über die Landesgrenze hinaus bis in die Nähe von Abentheuer ist schon verlegt. Die Arbeiten bis zum Hochbehälter Hattgenstein laufen. Auch aus Richtung Steinbachtalsperre sind sie im Gange.

Vor wenigen Wochen war zudem der Spatenstich für die neue Pumpstation am Fuß des Staudammes der Primstalsperre. Dort entsteht ein zweigeschossiges Gebäude, in dem drei Hochdruckpumpen untergebracht werden. Sie können bis zu 840 Kubikmeter Wasser in der Stunde 260 Meter hoch ins Wasserschloss Hattgenstein fördern. Die Bauarbeiten für diesen neuen Hochbehälter am höchsten Punkt der Leitungsstrecke in fast 650 Höhe sind ebenfalls schon angelaufen. Von dort läuft das Wasser aus der Talsperre Nonnweiler mit natürlichem Gefälle bis zur Steinbachtalsperre.

Ende des nächsten Jahres soll die Verbindung beider Talsperren stehen, erklärt Horst Kürschner. Dann werde es etwa ein halbes Jahr einen Probebetrieb geben. Ist dieser erfolgreich, wird die Steinbachtalsperre außer Betrieb genommen und umfassend erneuert. Diese Sanierung ist der Grund für den Bau der Verbindungsleitung. Denn das sonstige Trinkwasservorkommen im Landkreis Birkenfeld reicht nicht aus, um in der Bauphase die Menschen zu versorgen. Deshalb hat sich der Wasserzweckverband im Landkreis Birkenfeld die Rechte für 3,5 Millionen Kubikmeter Rohwasser pro Jahr aus der Primstalsperre gesichert.

Die Steinbachtalsperre ist seit 1967 in Betrieb. Etwa drei Jahre lang kann sie nicht genutzt werden, rechnet man die Zeit hinzu, die für das Ablassen des Wassers und den Anstau gebraucht wird. Unter anderem wird die äußere Bitumenschicht des Staudammes erneuert. Das Land Rheinland-Pfalz fördert die Sanierung. Dem Wasserzweckverband im Landkreis Birkenfeld gehören fast alle Städte und Gemeinden im Landkreis an, so Baumholder, Birkenfeld, Herrstein und Idar-Oberstein. Nicht dabei ist die Verbandsgemeinde Rhaunen, die sich selbstständig mit Trinkwasser versorgt.Die Verantwortlichen der Talsperre Nonnweiler freuen sich über die Zusammenarbeit mit dem Wasserzweckverband im Landkreis Birkenfeld. Träger der Talsperre ist der Talsperrenverband Nonnweiler, eine gemeinsame Einrichtung des Saarlandes und des Landkreises St. Wendel. "Die Talsperre Nonnweiler hat ein Fassungsvermögen von 20 Millionen Kubikmetern, zweieinhalb Mal so viel wie der Bostalsee, erklärt Verbandsvorsteher Heinz Luxenburger. Der See ist bis zu 60 Meter tief, hat eine Größe von einem Quadratkilometer. Durch den See fließen im Jahr etwa 25 Millionen Kubikmeter Wasser. Seit der Inbetriebnahme 1982 erfüllt die Talsperre unterschiedliche Aufgaben. Es gibt eine Verbindungsleitung zur Blies bei Gronig. Über diese garantiert der Talsperrenverband eine bestimmte Wasserführung der Blies, damit das Kraftwerk Bexbach immer ausreichend Kühlwasser hat.

Die Talsperre gibt bei Niedrigwasser auch in die Prims vermehrt Wasser ab, sorgt dort aber auch für einen Hochwasserschutz. Mehrere Turbinen erzeugen mit Wasserkraft Strom. Auch dient der Rundweg um den See der Naherholung.

Eine wichtige Aufgabe ist die Trinkwasserversorgung. So liefert die Talsperre seit Jahren bis zu 750 000 Kubikmeter Wasser im Jahr an die Verbandsgemeinde Hermeskeil. Ab Ende 2016 kommen dann die 3,5 Millionen Kubikmeter für den Landkreis Birkenfeld hinzu. Wasserrechte hält auch die WVV, Wasser- und Energieversorgung Kreis St. Wendel GmbH. Die WVV ist zudem zuständig für die technische und kaufmännische Betriebsleitung der Talsperre Nonnweiler.