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Aktion von Greenpeace am AKW Cattenom
Aktivisten zünden Feuerwerk in Cattenom

Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace sind am Donnerstagmorgen auf das Gelände des lothringischen Atomkraftswerks Cattenom eingedrungen und haben dort ein Feuerwerk gezündet.  /Vivien Fossez
Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace sind am Donnerstagmorgen auf das Gelände des lothringischen Atomkraftswerks Cattenom eingedrungen und haben dort ein Feuerwerk gezündet. /Vivien Fossez FOTO: Vivien Fossez / Greenpeace
Cattenom. Greenpeace wollte mit der Aktion auf Sicherheitslücken beim Kernkraftwerk hinweisen. Betreiber EdF sieht Standort ausreichend geschützt. Von Hélène Maillasson
Hélène Maillasson

Es war noch stockdunkel, als gestern früh um 5.45 Uhr bunte Funken Richtung Himmel stiegen. Das Problem an diesem Feuerwerk: Es wurde auf dem Gelände des lothringischen Atomkraftwerks Cattenom gezündet. Von Mitgliedern der Umwelt-Organisation Greenpeace. Mit dieser Aktion wollten die Aktivisten darauf hinweisen, wie einfach unbefugte Personen in das Gelände eindringen und die Anlage gefährden können. „Seit Jahren prangert Greenpeace France die Risiken dieser Anlagen an. Die Sicherheitsbehörden kennen diese Risiken, doch nichts ändert sich“, kritisierte Greenpeace-Mitglied Yannick Rousselet. „EdF muss bereits jetzt handeln, um die Abklingbecken für abgebrannte Brennstäbe stärken zu schützen“, so Rousselet weiter. Laut Greenpeace sei das Feuerwerk gestern in unmittelbarer Nähe dieses Abklingbeckens gezündet worden.



Dem widersprach gestern der Kraftwerk-Betreiber EdF. „Die acht Personen befanden sich zirka 100 Meter von den Gebäuden entfernt und nicht im nuklearen Teil der Anlage“, sagte der stellvertretende Kraftwerk-Direktor Arnaud Courcoux unserer Zeitung. Dieser Vorfall habe gezeigt, dass die Sicherheitsmaßnahmen am Standort greifen. „Innerhalb von acht Minuten wurden die Aktivisten von einer speziellen Einsatztruppe der Gendarmerie festgenommen“, erklärte Courcoux. Die Eindringlinge hätten sich sofort als Greenpeace-Mitglieder zu erkennen gegeben. „Deshalb war klar, dass keine ernsthafte Gefahr von ihnen ausging. Hätte es sich um Terroristen gehandelt, wären sie von den Gendarmen in kürzester Zeit ausgeschaltet worden.“

Das sieht Saar-Umweltstaatssekretär Roland Krämer (SPD) ganz anders. „Die Aktion der Greenpeace-Aktivisten ist an Eindeutigkeit nicht zu überbieten: Das Sicherheitskonzept von Cattenom ist skandalös. Das Atomkraftwerk ist vor einem terroristischen Angriff nicht ausreichend geschützt“, teilte er gestern mit. Dieser Vorfall bestärke ihn in den Forderungen nach einer Abschaltung des grenznahen Kernkraftwerks. Für den Grünen-Landesvorsitzenden Markus Tressel gehört die Causa Cattenom auf die Agenda der neuen Bundesregierung. „Im Zweifel muss Deutschland nicht nur mit Energiewende-Knowhow helfen, sondern auch wie Luxemburg Hilfe beim Rückbau der Anlage anbieten. Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) hat als Mitglied der Bundesregierung seit Jahren keine ernsthafte Anstrengung unternommen, überhaupt eine Verhandlungsbasis mit Frankreich in dieser Frage zu schaffen“, erklärte er.

Auch aus Luxemburg kam Kritik. Umweltministerin Carole Dieschbourg meinte, die Aktion habe „ernste Sicherheitsmängel in Cattenom“ aufgezeigt und kündigte ein Gespräch mit ihrem französischen Kollegen Nicolas Hulot an. Der Kraftwerk-Betreiber EdF verurteilte die „gewaltsame Aktionen einer Bewegung, die zunehmend Gesetzeswidrigkeiten begeht“ und wird Anzeige erstatten. Laut Christelle Dumont von der Staatsanwaltschaft in Thionville riskierten die Festgenommenen mehrere Jahre Gefängnis und hohe Geldstrafen.