Anwesenheit ist Einstellungssache

Anwesenheit ist Einstellungssache

Unsere Woche in Homburg war lokalpolitisch durchaus ereignisreich. Doch es sind ja selten die theoretischen Beschlüsse, die uns betreffen, sondern deren praktischen Auswirkungen.

Zum Beispiel, dass man nun kaum noch in der Homburger Innenstadt einen Parkplatz bekommt, weil der Enklerpatz zwangsabgetrennt wurde.

Aber wenn es nach unserer Berliner Koalitionstruppe ginge, dürfte sich die Parkplatzsuche in der Kreis- und Universitätsstadt Homburg ohnehin bald erledigt haben. Unsere Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles forderte bekanntlich, es müsse Schluss sein mit dem "Anwesenheitswahn" am Arbeitsplatz.

Da hat sie natürlich recht, denn ich würde jetzt auch lieber zu Hause sitzen, Musik hören, eine Decke häkeln und mir zwischendurch ab und zu mal ein paar Sätze für diese Kolumne ausdenken, natürlich bei vollem Gehalt.

Erstaunlich war nur, dass Frau Nahles stunden- und tagelang in den Koaltitionsverhandlungen in der Bundeshauptstadt unermüdlich anwesend war, als es darum ging, ihre eigenen Positionen durchzusetzen. Oder dass Sigmar Gabriel bei der Diskussion um den Mindestlohn gerade mal nicht nach Goslar in die Kita gebraust ist.

Was schließen wir daraus? Dass wir nur bei wirklich wichtigen Dingen, zum Beispiel, wenn's ums Geldausgeben geht, unbedingt körperlich anwesend sein und mitquatschen sollten, ansonsten aber den Arbeitgeber nicht allzu sehr mit unserer Anwesenheit belasten sollten.

Wir müssen also säuberlich trennen, wo es sich noch lohnt, hinzugehen und wo man getrost den Krempel sausen lassen kann.

Also - die Arbeit ist nicht so wichtig, da müssen wir nicht hin. Aber wenn wir etwas erreichen wollen, zum Beispiel mehr Geld für unsere Abwesenheit einstreichen, dann sollte uns das schon ein paar Tage Präsenz bei den Verhandlungen vor Ort wert sein.

Danach kann man wieder getrost nach Hause fahren und in der Homburger Innenstadt die Parkplätze denjenigen überlassen, die sich in ihrem Wahn für unentbehrlich halten.

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