1. Saarland

30 Klepperbuben mimen ab Karfreitag die Betglocke

30 Klepperbuben mimen ab Karfreitag die Betglocke

Freisen. Kurz vor Ostern ziehen sie wieder durch Freisen und halten einen alten Brauch am Leben: die sogenannten "Klepperbuben". Nach alter katholischer Überlieferung fliegen die Kirchenglocken an Gründonnerstag nach Rom

Freisen. Kurz vor Ostern ziehen sie wieder durch Freisen und halten einen alten Brauch am Leben: die sogenannten "Klepperbuben". Nach alter katholischer Überlieferung fliegen die Kirchenglocken an Gründonnerstag nach Rom. "An Gründonnerstag, mit der Phase des Todes Jesu, beginnt die Stille", erklärt Matthias Bottelberger, der sich um die Organisation der Klepperaktion kümmert. Es läuten keine Glocken, die Orgel ist stumm und der Blumenschmuck fort.Die Klepperjungs ersetzen die Betglocke und laufen Karfreitag und Karsamstag frühmorgens schon um sechs Uhr sowie mittags und abends durch die Straßen. Mit dem Lärm ihrer Kleppern und ihren Rufen "Die Betglocke!" ersetzen sie das fehlende Glockengeläut. Samstagmittags findet dann noch die Ostersammlung statt: Meist wird Süßes und Geld gespendet. Die Süßigkeiten und ein kleiner Geldbetrag würden an die kleineren Kinder verteilt, so Bottelberger, der Rest des Geldes kommt in die Messdienerkasse und wird für einen Urlaub der Messdiener alle zwei Jahre genutzt.

Etwa 30 Kinder und Jugendliche ziehen in diesem Jahr durch die Straßen, die meisten sind Messdiener, außerdem sind einige der Kommunionkinder dabei, um die Gruppe zu vergrößern und alle Straßen des Ortes abzudecken. Das Alter reicht von sechs oder sieben Jahren bis zu 20. Der elfjährige Daniel Recktenwald aus Freisen ist zum dritten Mal beim Kleppern dabei. "Es macht Spaß", erklärt er. "Außerdem sollte man als Messdiener schon an der Klepperaktion teilnehmen." Das einzige, das ihm nicht so gut gefiele, sei das frühe Aufstehen. Der ebenfalls elfjährige Felix Hornig aus Freisen hat damit keine Probleme. "Ich bin Frühaufsteher", meint er. "Für die Schule muss ich ja auch so früh auf sein." Beide finden, das Kleppern sei eine schöne Freizeitbeschäftigung. Auch der 13-jährige Ruben Schwan ist seit sechs Jahren mit Begeisterung bei der Klepperaktion dabei, und das schon, bevor er Messdiener wurde. Seitdem habe er jedes Jahr daran teilgenommen.

Doch das Kleppern ist nur eine von vielen Aktionen, die die Messdiener in der Karwoche übernehmen. "Die Woche ist angefüllt mit zahlreichen Messen, Liturgie, dann das Kleppern und Sammeln, die Tage sind ganz schön ausgefüllt", meint Matthias Bottelberger. Er selbst hat schon mit fünf Jahren angefangen und ist nun seit 15 Jahren dabei. Vor sechs Jahren hat er die Organisation der "Klepperbuben" übernommen. Das Kleppern sei ein alter Brauch, der schon mehr als 100 Jahre alt sei. "Leider geht die Zahl der Messdiener zurück und damit auch die der Klepperbuben", bedauert er. Der Ort werde immer größer und es gebe immer mehr Straßen und Häuser abzuklappern, doch die Mannschaft werde immer kleiner. "Vielleicht wird es diesen alten Brauch in ein paar Jahren nicht mehr geben." rea