Rheinland-Pfalz Wirtschaft im Land ächzt unter den Energiepreisen

Mainz/Bad Ems · Nicht nur die großen Unternehmen in Rheinland-Pfalz sind von der Explosion der Energiepreise getroffen. Gerade die kleinen Handwerksbetriebe leiden darunter.

 Die Handwerksbetriebe in Rheinland-Pfalz haben eine große Bedeutung in Sachen Arbeitsplätzen und Steueraufkommen (Symbolfoto).

Die Handwerksbetriebe in Rheinland-Pfalz haben eine große Bedeutung in Sachen Arbeitsplätzen und Steueraufkommen (Symbolfoto).

Foto: dpa/Silas Stein

(dpa) Die rasant gestiegenen Energiepreise machen nicht nur den großen Unternehmen in Rheinland-Pfalz, sondern auch den kleinen Handwerksbetrieben um die Ecke schwer zu schaffen. Und anders als international aufgestellte Konzerne haben die kleinen Firmen nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern Rheinland-Pfalz nicht die Möglichkeit, ihre Produktion ganz oder teilweise ins Ausland zu verlagern, weil ihnen die Energiepreise in Deutschland zu hoch sind.

„Es trifft zudem vor allem Branchen, die wegen der Corona-Pandemie sowieso schon stark gebeutelt sind“, sagt Dominik Ostendorf, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft.

„Wir haben zum Beispiel die Friseure, die viel warmes Wasser brauchen und mit erheblichen Stromkosten zu kämpfen haben“, erklärt er. Bäcker und Metzger benötigten ebenfalls viel Energie für ihre Backöfen beziehungsweise Wurstmaschinen oder den Transport. Viele Bäckereien und Metzgereien hätten in den vergangenen Jahren Catering als zweites Standbein aufgebaut. Dieses Geschäft sei durch die Pandemie fast komplett weggebrochen

Die hohen Energiekosten auf die Kundschaft umzulegen, indem die Preise erhöht werden, ist nicht so einfach. „Die Kunden haben – gerade im Friseurbereich – wegen Corona schon Aufschläge hinnehmen müssen.“ Die höheren Ausgaben für Strom seien „nachlaufende Kosten“, die schwerlich in einen konkreten Wert zu fassen und auf den Preis aufzuschlagen seien. „Das ist zudem auch schwer zu kommunizieren: Die Kundschaft nimmt das – gerade vor dem Hintergrund, wenn es Preissteigerungen wegen Corona gab – nicht so gut auf“, so Ostendorf.

Das Handwerk spielt für die Wirtschaft in Rheinland-Pfalz eine bedeutende Rolle. 2019 – neuere Angaben liegen nicht vor – gab es laut Statistischem Landesamt 28 000 Handwerksunternehmen. Sie erwirtschafteten einen Jahresumsatz von insgesamt 30,8 Milliarden Euro, das entspricht einem Anteil von 12,3 Prozent des Umsatzes aller rheinland-pfälzischen Unternehmen. 2019 beschäftigten sie 253 000 Menschen, davon 189 500 im sozialversicherungspflichtigen Bereich

(dpa)